Business Coaching Kompetenzen in der Praxis: Die Wunderlampe

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Wundern Sie sich!

In meinem heutigen Blogbeitrag möchte ich Ihnen die Wunderfrage vorstellen: Die Wunderfrage ist ein etabliertes Coaching-Instrument, um zu erfahren, was ein Klient wirklich will oder meint zu wollen – aber vielleicht gar nicht wirklich möchte.

Haben Sie sich auch schon einmal überlegt, was wäre wenn…
– … „ich morgens aufwachte und all meine Sorgen wären weg“?
– … „ich die freie Jobwahl hätte“?
– … „ich statt 24 Stunden 30 Stunden pro Tag Zeit hätte“?

Bei einem solchen Gedankenexperiment kommt man schnell zum Schluss: „Es ist ja ohnehin alles nur illusorisch. Mein Problem wird sich nie lösen.“

Genau hier setzt die Methode der Wunderfrage an: Sie versetzt den Klienten in eine Situation,
– in der alle Naturgesetze außer Kraft gesetzt sind,
– man unbestimmt Zeit hat,
– unlimitiert viel Geld vorhanden ist usw.

Je nach Fragestellung ist alles möglich, mit einer einzigen großen Ausnahme: Andere Menschen kann man nicht beeinflussen. Nur die äußeren (sachlichen) Rahmenbedingungen sind veränderbar.

Vom Wunsch zum realistischen Ziel

Bleiben wir beim Beispiel „unendlich viel Zeit und Geld“:

Hier könnte man vermuten, dass die Wunschliste unendlich lang ist. Allerdings zeigt die Business Coaching-Praxis, dass der Klient bereits nach einigen Minuten seine Wunschliste fertiggestellt hat. Meist findet man auf dieser Liste Wünsche wie „endlich einmal ausschlafen“, „ausgiebig Sport machen“, „alle Schulden sind bezahlt“, „meine Traumhäuser“ und „meine Lieblingsurlaube“.

Dann folgt im Business Coaching-Prozess die wirklich interessante Phase. Der Business Coach fragt den Klienten: „Und dann? Wie sieht Ihre konkrete Lebensgestaltung aus? Mit was genau beschäftigen Sie sich den ganzen Tag?“ Diese Fragestellung bringt die wirklichen, die echten Herzenswünsche an den Tag und dies sind in der Regel – paradoxerweise – meist sehr einfach zu erfüllende Wünsche.

Oft werden in dieser Phase der Methode Wünsche genannt wie „endlich einen Sprachkurs machen“, „mehr Zeit für meine Familie“ oder „ein gutes Buch lesen“. Mit diesen Zielen kann der Klient zusammen mit dem Business Coach die ersten konkreten Umsetzungspläne für das echte, reale Leben erarbeiten.

Oft reicht auch ein kleines Haus

Ebenso können im nächsten Schritt die anfangs genannten, eher sehr hochgesteckten Wünsche zu realistischen und damit umgewandelten Etappenzielen umformuliert werden. Fragen wie „Was genau möchten Sie mit diesen großen Wünschen erleben?“ oder „Wie fühlen Sie sich in dieser Situation?“ helfen dem Klienten dabei, diesen Wünschen wirklich auf den Grund zu gehen.

Oft steht dabei z.B. das sehr große Haus nicht wirklich für den Wunsch nach einem Luxusleben, sondern für Unabhängigkeit und einen positiven Lebensraum. Und dieses Gefühl lässt sich sicher auch in einem (realistischeren) kleineren Haus erreichen.

Der große Effekt der Wunderfrage liegt darin, dass der Klient es sich selbst erlauben darf, all seine Wünsche auszusprechen und virtuell zu erleben – und seien sie noch so unrealistisch. Dem muss dann aber der wichtigste Schritt folgen: Diese Wünsche auch kritisch zu beleuchten und die wahren Beweggründe für diese Wünsche aufzudecken. Damit ist die Chance gegeben, aus den Wünschen reale Ziele zu entwickeln.

Die Wunderfrage hat immer eine sehr starke Wirkung auf die Zuversicht und den Glauben an die eigene Zukunft. So werden die Wünsche des Klienten zu tatsächlich realisierbaren konkreten Zielen. Das macht die Wunderfrage zu einer äußerst wirkungsvollen Methode.

Prof. Dr. Evelyn Albrecht
Über Prof. Dr. Evelyn Albrecht 24 Artikel
Prof. Dr. Evelyn Albrecht ist Programmdirektorin des Zertifikatslehrgangs Business Coach an der MBS und führt diesen auch selbst durch. Sie studierte Naturwissenschaften, BWL und Philosophie und sammelte anschließend 15 Jahre lang Erfahrungen im Top-Management internationaler Unternehmen. Albrecht arbeitet seit über zehn Jahren als Coach und Autorin, ist Senior Coach des DBVC und QRC und außerdem Mitglied in zahlreichen internationalen Coaching-Verbänden. Zusätzlich lehrt und forscht sie als Professorin für Unternehmensführung und Projektmanagement. Dozentenprofil