Business Coaching Kompetenzen: Der leere Stuhl

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„Um klar zu sehen reicht oft ein Wechsel der Blickrichtung.“
Antoine de Saint-Exupéry

Was für eine einfache und doch so wichtige Erkenntnis!

Um diesen Perspektivwechsel wirkungsvoll umzusetzen, ist die Business-Coaching-Methode „Der leere Stuhl“ perfekt geeignet.

Häufige Fragestellungen, die mit dem „leeren Stuhl“ bearbeitet werden können:

– Wollen Sie Ihre heutige Situation aus der Zukunfts- oder aus der Vergangenheitsperspektive heraus betrachten?
– Gibt es in Ihrem Team immer wieder Bedenkenträger und wollen Sie deren Standpunkte zunächst nachvollziehen, um dann mit guten Argumenten motivieren zu können?
– Kommen Sie mit Ihren vielen Rollen manchmal durcheinander und wollen Sie diese für sich klar trennen können?
– Müssen Sie eine wichtige Entscheidung treffen und wollen alle möglichen Auswirkungen durchspielen?

Dies sind nur einige Beispiele. Die Liste der möglichen Fragestellungen und Perspektiven könnte fast beliebig weitergeführt werden.

Das Prinzip des „leeren Stuhls“

– Es gibt einen neutralen Stuhl, auf dem der Klient er selbst ist – mit seiner Fragestellung und seiner bisherigen Perspektive.
– Es gibt darüber hinaus einen oder mehrere leere Stühle. Jeder Stuhl repräsentiert eine andere Perspektive, die vom Klienten nacheinander eingenommen und bearbeitet wird. Damit die neue Perspektive nicht zu abstrakt ist, wird sie als eine andere Rolle, eine andere Person oder eine andere Lösung dargestellt.

Die Wirkung des „leeren Stuhls“

Der „leere Stuhl“ erleichtert dem Klienten den Perspektivwechsel durch die folgenden drei Gegebenheiten:

– Konkrete örtliche Definition der neuen Perspektive: Die neue Perspektive spielt sich nicht mehr nur im Kopf des Klienten ab, sondern kann räumlich auf dem dafür definierten Stuhl analysiert und erlebt werden.
– Emotionale Erlebbarkeit der neuen Perspektive: Auf diesem Stuhl kann sich der Klient in die neue Perspektive hineindenken, hineinfühlen und die aufkommenden Emotionen wahrnehmen, erleben und analysieren.
– Zeitliche Begrenzung der neuen Perspektive: Wenn die neue Perspektive sich nur im Kopf abspielt, führt dies oft zum „Kopfkino“. Diesen „leeren Stuhl“ kann der Klient aber jederzeit wieder verlassen.

Arbeiten mit dem „leeren Stuhl“

– Der Coach konkretisiert mit dem Klienten die zu bearbeitende Situation und Fragestellung.
– Bevor der Klient den neutralen Stuhl verlässt, sollte er sich ganz bewusst und emotional auf die zu klärende Fragestellung einstellen und wissen, welche Perspektive er auf dem „leeren Stuhl“ einnehmen möchte.
– Der Klient erlebt auf dem „leeren Stuhl“ die neue Perspektive.
– Wie kann nun die Fragestellung beschrieben werden?
– Wie fühlt sich der Klient in der neuen Perspektive?
– Der Coach arbeitet mit den Klienten in der neuen Perspektive an seiner Fragestellung.
– Gibt es neue, wichtige Erkenntnisse?
– Wäre der Klient mit dieser Perspektive zufrieden?
– Die Methode ist beendet, wenn der Klient alle Perspektiven „durchlebt“ hat. Als Abschlussstuhl dient immer der neutrale Stuhl.
– Auf dem Abschlussstuhl wird analysiert, welche der Lösungen aus Sicht der anderen Perspektiven für den Klienten denkbar, zielführend und implementierbar ist. Gibt es eventuell Kombinationsmöglichkeiten verschiedener Perspektiven?

Anmerkungen

– Wie jede Methode im Business Coaching kann der „leere Stuhl“ auf den Klienten eine starke Wirkung haben und darf daher nicht unterschätzt werden.
– In einer professionellen Business-Coaching-Ausbildung wird deshalb jede Methode von den Teilnehmern als Klient, als Coach und als Beobachter erlebt und immer mit Supervision begleitet.

Sie möchten mehr über den „leeren Stuhl“ erfahren? Schreiben Sie mir, ich freue mich auf den Austausch mit Ihnen.

Prof. Dr. Evelyn Albrecht
Über Prof. Dr. Evelyn Albrecht 24 Artikel
Prof. Dr. Evelyn Albrecht ist Programmdirektorin des Zertifikatslehrgangs Business Coach an der MBS und führt diesen auch selbst durch. Sie studierte Naturwissenschaften, BWL und Philosophie und sammelte anschließend 15 Jahre lang Erfahrungen im Top-Management internationaler Unternehmen. Albrecht arbeitet seit über zehn Jahren als Coach und Autorin, ist Senior Coach des DBVC und QRC und außerdem Mitglied in zahlreichen internationalen Coaching-Verbänden. Zusätzlich lehrt und forscht sie als Professorin für Unternehmensführung und Projektmanagement. Dozentenprofil