Mein Auslandssemester: Xenia @ SKEMA Business School

MBS Xenia Heggemann Skema

Xenia Ophelia Heggemann (rechts auf dem Foto oben), Studentin im Programm Master International Business, hat ihr Auslandssemester an der SKEMA Business School in La Défense/Paris verbracht. Hier schildert sie ihre Erfahrungen.

Die Auswahl der Partneruniversität

Die Auswahl der Partneruniversität für mein Auslandssemester war fast schwieriger als die Entscheidung, mich an der Munich Business School zu bewerben. Als ich mich mit verschiedenen Hochschulen und Ländern beschäftigt habe, las ich eine ziemlich einprägsame Aussage von Michael Porter, der meine Gefühle in jener Zeit ganz gut zusammenfasst: „Strategie bedeutet, Entscheidungen zu treffen und Kompromisse einzugehen – es geht darum, sich bewusst zu entscheiden, anders zu sein.“ Genau so ging es mir – ich versuchte, eine Entscheidung zu treffen, die einen Unterschied ausmachen würde. Als eine von Millionen Studierenden weltweit, die sich entscheiden mussten, wo sie ihr nächstes Semester verbringen würden; die im nächsten Jahr ihre Karriere beginnen werden; die die Welt von morgen gestalten werden.

Ich beschloss, diese Frage strukturiert anzugehen, und sagte mir, dass ich mir erst einmal den Status quo vor Augen führen müsste; und dann die „weißen Flecken“ finden musste, durch die ich mich abheben könnte.

Im ersten Schritt versuchte ich herauszufinden, was für mich „normal” ist: als Studentin an der Munich Business School ist der Austausch mit anderen Kulturen für mich normal; den ganzen Tag Englisch zu sprechen und von Studierenden aus aller Welt umgeben zu sein ist normal; als Teil der Generation Y ist Vernetzung die Grundlage meines täglichen Lebens; sich ständig on- und offline zu vernetzen ist normal. Als Deutsche auch Europäerin zu sein ist normal. In Frieden zu leben und mich in ganz Europa frei bewegen zu können ist normal. Ein Auslandssemester in Europa wäre also das Normale.

Im zweiten Schritt galt es dann herauszufinden, was außergewöhnlich wäre: fremde Länder (je exotischer, desto interessanter), herausfordernde Fremdsprachen, andere Kulturen und Religionen. Argentinien oder Brasilien? Hongkong oder China? Russland oder Indien? All diese Länder hörten (und hören) sich für mich wunderbar an.

Mein Fazit war, dass ich für mein Auslandssemester idealerweise ein Land (und eine Kultur) auswählen müsste, das auf einem anderen Kontinent liegt, möglichst weit weg von Europa.

Merkwürdigerweise jedoch hatte ich mit diesem Denkansatz zu kämpfen, denn wegen all der nationalistischen Bewegungen, die in letzter Zeit in Europa aufgekommen sind, fühle ich mich mehr als Europäerin als jemals zuvor. Ist es normal, dass wir in Europa ein staatsähnliches demokratisches Gefüge haben, in dem sich mehrere Nationen zusammengeschlossen haben?

Mein Verstand sagte mir, nicht den zweiten Schritt vor dem ersten zu tun und Europa etwas gründlicher zu erforschen, bevor ich mich mit einem anderen Kontinent befassen würde.

Das bedeutete, dass es „anders“ war, mein Auslandssemester in Europa zu verbringen. Und welche Stadt in Europa ist außergewöhnlicher als Paris – die Hauptstadt von Deutschlands stärkstem Partner in der Europäischen Union?

Englisch in Frankreich? Natürlich!

Klischees sind Teil unseres Lebens, sie machen den Alltag einfacher. Ich kam mit den folgenden Vorstellungen in Frankreich an:

Klischee Nummer 1: „Die Franzosen sprechen kein Englisch.“ Ich kann nur auf meine eigenen Erfahrungen in Paris zurückgreifen, aber doch, die Franzosen sprechen Englisch. Zwar mit starkem Akzent, aber man kann mit ihnen auf Englisch kommunizieren. Und wenn sie kein Englisch beherrschen, sprechen viele Franzosen Spanisch oder Deutsch. Aber das sollte natürlich keine Ausrede dafür sein, die wunderschöne französische Sprache nicht zu lernen.

Klischee Nummer 2 hängt mit dem ersten zusammen: „Die Franzosen sind Fremden gegenüber nicht besonders freundlich.“ Meiner Meinung nach stimmt dieses Klischee ganz und gar nicht. Wenn man einen Pariser auf der Straße anlächelt, kommt garantiert ein herzliches „Bonjour, Mademoiselle!“ zurück. Von daher kann ich nur sagen, dass die Menschen sehr offen und hilfsbereit sind, wenn man den ersten Schritt macht.

Was mich besonders erstaunt hat, war das Thema Bildung. Ich war immer der Meinung, dass die Franzosen ein sehr gutes Bildungssystem haben (wegen ihrer vielen Philosophen usw.). Im Studium und in vielen lehrreichen Gesprächen musste ich jedoch feststellen, dass viele Franzosen sich über dieses Bildungssystem beklagen. Gute Bildung und der Zugang zu einer „Grande École“ hängen sehr stark vom Einkommen der Eltern der Studierenden ab. Umso dankbarer bin ich für die fast unbegrenzten Möglichkeiten, die wir in Deutschland hinsichtlich hochwertiger Bildung haben.

Ein anderes, aber sehr eigenartiges mit Paris assoziiertes Klischee ist: „Die Pariser sind eitel.“ Und dem kann ich nur beipflichten: Die Menschen in Paris sind von Kopf bis Fuß einfach chic. Das ist wenig überraschend, schließlich ist Paris berühmt für Haute Couture, Kosmetik, Beauty-Produkte und Luxusgüter. Entweder mag man diese Eigenschaft, oder man mag sie nicht – ich für meinen Teil mag sie sehr. Sie passt einfach zu der beeindruckenden Kultur, der Architektur und zum bon vivant.

Das letzte Klischee, das ich mitbrachte, lautet: „Die Franzosen sind etwas chaotisch”. Leider muss ich bestätigen, dass die Dinge hier anders laufen als in Deutschland. Verwaltungsangelegenheiten ziehen sich noch länger hin und sind mit Unmengen von Papierkram verbunden. Und manchmal denke ich, dass man die Dinge zu sehr verkompliziert – von der Reservierung in einem angesagten Restaurant (es gibt Lokale, in denen die Leute bis zu anderthalb Stunden Schlange stehen, um einen Tisch für ein Frühstück oder Abendessen zu bekommen) bis hin zum Aufbau von Vorlesungen.

Aber Klischees hin, Klischees her: Paris ist der ideale Ort für liberale, aufgeschlossene und kulturell gebildete Menschen, die Kunst, Geschichte, Essen und Musik zu schätzen wissen.

Die SKEMA Business School und ich

Nachdem wir uns mit den Klischees beschäftigt haben, kommen wir nun zur SKEMA Business School in La Défense.

Diese französische Grande École hat sechs Standorte – drei in Frankreich, einen in Suzhou (China), einen in Raleigh (USA) und einen weiteren in Belo Horizonte (Brasilien) – und ist damit eine globale Hochschule. Ich habe mein Auslandsstudium am kleinsten französischen Campus in La Défense absolviert, der sich am westlichen Stadtrand von Paris befindet.

Als Studentin an der besten deutschen Fachhochschule stelle ich vergleichsweise hohe Ansprüche an die Hochschulbildung auf Master-Level. In diesem Zusammenhang sind mir zahlreiche Unterschiede zwischen der SKEMA und der MBS aufgefallen, aber auch einige (wenige) Ähnlichkeiten.

Fangen wir mit den Unterschieden an. Hier möchte ich fünf Punkte hervorheben, nämlich die Größe, die Organisation, die Studierenden, die Kommunikation und die Lehrinhalte.

Mit ihren 7.500 Studierenden ist die SKEMA viel größer als die MBS. Obwohl sich die Studierenden auf die sechs verschiedenen Standorte verteilen, macht die Anzahl alleine doch einen beachtlichen Unterschied aus – sowohl was den Unterricht angeht als auch auf organisatorischer Ebene. Die Teilnehmerzahl pro Kurs variiert zwischen40 und 300 Studenten, wodurch persönliche Gespräche mit den Dozenten nach dem Unterricht fast unmöglich sind.

Die Kurse werden auch ganz anders organisiert als an der MBS. Stundenpläne werden häufig geändert, was in meinem Fall zu der ein oder anderen Überschneidung geführt hat. Im Vergleich zur MBS muss man sich bei administrativen Fragen auch etwas länger gedulden, bis man Unterstützung erhält.

Einen weiteren großen Unterschied machen die Studierenden selbst aus. Die meisten Master-Studenten sind sehr jung, denn im französischen Hochschulsystem beginnt man sein Studium an einer „Grande École“ nach zwei Jahren „Prépa“. Dadurch haben die meisten wenig bis gar keine Berufserfahrung.

Auch die Kommunikation unterscheidet sich erheblich von der an der MBS. Im Degree-Programm läuft die Kommunikation vor allem über eine Facebook-Gruppe. Studierende, Verwaltungskräfte und auch die Dozenten posten ihre Angelegenheiten auf Facebook und kommunizieren gelegentlich sogar über Kommentare oder Umfragen. Das ist zwar sehr modern und interaktiv, aber ich finde es trotzdem etwas seltsam, sensible oder relevante Daten nicht per E-Mail, sondern über Facebook zu erhalten. Andererseits ist das LMS der SKEMA, „K2“ genannt, wirklich erstklassig. Hier hat man Zugriff auf jede Menge E-Paper, E-Books und die gesamten Unterrichtsmaterialien der Kurse.

Letztlich unterscheiden sich auch die Vorlesungsinhalte stark. Aus Deutschland bin daran gewöhnt, dass wir Theorien, Modelle und Rahmenbedingungen betriebswirtschaftlicher Sachverhalte studieren. Hier konzentrieren sich die Dozenten auf einen pragmatischen und recht vordergründigen Lösungsansatz. Es ist sicher Geschmackssache, mir persönlich gefällt der Ansatz der MBS besser.

Gemeinsamkeiten der SKEMA mit der Munich Business School sind die Internationalität der Studierenden, die offene und aufgeschlossene Atmosphäre und das Benotungssystem.

Meine Erwartungen und Erfahrungen

Zum Schluss möchte ich noch darauf eingehen, inwiefern meine Erwartungen von meinen Erfahrungen abgewichen sind.

Das Leben in Paris ist genau so, wie ich es mir vorgestellt habe: Die Stadt ist eine pulsierende Metropole, die niemals schläft; sie ist voller Schönheit, die man jeden Tag neu erkunden kann, voller interessanter Menschen und sie hat jede Menge spannende Ecken.

Was den Studienalltag angeht, habe ich Kurse aus dem Programm „International Business Development and Marketing“ gewählt, die als M2-Kurse gelten, d.h. erweiterte Marketingkenntnisse. Für Studierende, die sich während ihres Bachelorstudiums nicht allzu sehr mit Marketing beschäftigt haben, sind die Kurse recht interessant.

Ich hatte auch gehofft, mit Hilfe der SKEMA-Sprachkurse schnell Französisch lernen zu können. Aber 1,5 Stunden pro Woche reichen dafür einfach nicht aus. Deshalb habe ich zusätzlich noch Einzelunterricht genommen. Ich wollte mehr als ein kurzes „Au revoir!“ sagen können, wenn ich aus Paris abreisen würde.

Mein Fazit: Ich denke, dass dieses Auslandssemester für mich einen Unterschied ausgemacht hat. Meine Freizeit habe ich hauptsächlich für kulturelle Aktivitäten genutzt: ich habe mich mit französischer Geschichte und Kunst beschäftigt, Sport getrieben und versucht, französische Tageszeitungen zu lesen. Ich habe vieles gelernt über die Wirtschaft und Gesellschaft Frankreichs. Ich habe Paris mit weinendem Herzen verlassen, mit wunderbaren Erinnerungen an die Stadt und ihre Bewohner, die meinen Aufenthalt hier so kostbar gemacht haben. Deshalb bin ich mir sicher, die perfekte Wahl für mein Auslandssemester getroffen zu haben.