{"id":4609,"date":"2016-08-26T17:14:35","date_gmt":"2016-08-26T15:14:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/?p=4609"},"modified":"2017-03-02T12:43:12","modified_gmt":"2017-03-02T11:43:12","slug":"impact-investing-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/2016\/impact-investing-2\/","title":{"rendered":"Impact Investing oder der Wunsch nach &#8222;Doing Good while Doing Well&#8220; (Teil 1)"},"content":{"rendered":"<p>Der Wunsch nach einer Welt, in der die Menschen mit ihresgleichen und der Natur immer pfleglicher umgehen, wird vermutlich von einer \u00fcberw\u00e4ltigenden Mehrheit geteilt. Dabei f\u00e4llt die bedeutsamste Rolle zur Gestaltung einer derartigen Welt bislang immer noch den staatlichen Systemen zu, die \u00fcber das Rechtssystem und finanzielle Umverteilungen daf\u00fcr sorgen, dass Gesellschaften ihre wirtschaftlichen und machtpolitischen Auseinandersetzungen friedlich l\u00f6sen und sich lebenswerte Umweltbedingungen ergeben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Neben dem Staat waren Philanthropen immer ein zweites &#8222;Standbein&#8220; zur Ver\u00e4nderung der Welt hin zum &#8222;Guten&#8220;. Sie nutzten ihren erarbeiteten und\/oder ererbten finanziellen \u00dcberfluss dazu, Einrichtungen zu schaffen oder zu unterst\u00fctzen, die f\u00fcr die Menschheit F\u00f6rderliches tun (Gesundheit, Forschung etc.); oder sie engagierten sich f\u00fcr anderweitige gemeinwohlorientierte Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>In j\u00fcngster Zeit sind sich nun auch privatwirtschaftliche Unternehmen zunehmend bewusst, dass sie sich als Teil der globalen Gesellschaft auch deren Weiterentwicklung und Verbesserung zuwenden sollten. Nat\u00fcrlich ist das \u00fcberwiegende Ziel ihrer Aktivit\u00e4ten die F\u00f6rderung ihrer ureigenen wirtschaftlichen Interessen, d.h. sie streben nach risikoadjustierten, marktgerechten Renditen.<\/p>\n<p>Mehr und mehr Investoren widmen sich nun auch einer noch relativ jungen Form des Investierens, dem Impact Investing (IMPIN; Deutsch: wirkungsorientiertes Investieren), bei dem es nicht nur um die Erzielung eines monet\u00e4ren ROI geht, sondern auch um das Erreichen werteorientierter Ziele.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4611\" aria-describedby=\"caption-attachment-4611\" style=\"width: 983px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/MBS-IMPIN-de.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4611 size-full\" src=\"http:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/MBS-IMPIN-de.png\" alt=\"MBS Impact Investing\" width=\"983\" height=\"370\" srcset=\"https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/MBS-IMPIN-de.png 983w, https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/MBS-IMPIN-de-300x113.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 983px) 100vw, 983px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4611\" class=\"wp-caption-text\">Impact Investing: Abgrenzung (Quelle: Impact in Motion, 2014, zitiert aus Petrick, 2016)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Betrachtet man erfolgreiche unternehmerische T\u00e4tigkeit im Hinblick auf verantwortliches Handeln in unserer globalen Welt, lassen sich zwei Perspektiven unterscheiden:<\/p>\n<ol>\n<li>Wozu setzen Unternehmen die erwirtschafteten Finanzmittel ein?<\/li>\n<li>Wie erwirtschaften Unternehmen ihren Erfolg?<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die erste Fragestellung untersucht Ma\u00dfnahmen unternehmerischen Handelns, die nach dem angels\u00e4chsischen Diktum &#8222;Tue Gutes und rede dar\u00fcber&#8220; vorgenommen werden: Kultur- oder Sportsponsoring, philanthropische Aktivit\u00e4ten wie die Einrichtung von Stipendien, Spenden, die Einrichtung von Stiftungen oder die direkte Umsetzung gesellschaftlich relevanter Projekte.<\/p>\n<p>Die zweite Perspektive ist f\u00fcr unsere Fragestellung vorrangig. Wenn z. B. eine Stiftung ihr Verm\u00f6gen in Aktien von \u00d6lmultis anlegt und aus den Aussch\u00fcttungen die \u00f6kologischen, gesundheitlichen oder wirtschaftlichen Folgen von \u00d6lkatastrophen bek\u00e4mpft, kommt kein &#8222;Doing-well-Gef\u00fchl&#8220; auf. Dazu m\u00fcsste die Stiftung ihr Geld in Unternehmen investieren, deren Gesch\u00e4ftsmodelle mit dem eigentlichen Zweck der Stiftung vereinbar sind.<\/p>\n<p><strong>People, Planet and Profit <\/strong><\/p>\n<p>Der Wunsch, sein Geld nachhaltig, d.h. n\u00fctzlich zur F\u00f6rderung von &#8222;People, Planet and Profit&#8220; einzusetzen, f\u00fchrt Investoren zun\u00e4chst zur Exklusion von Zielunternehmen aus Branchen, die mit ihren pers\u00f6nlichen Werten und Weltanschauungen nicht kompatibel sind. Solches &#8222;Negative Screening&#8220; wenden Investoren meist bei Kaufentscheidungen \u00fcber Aktien oder Schuldverschreibungen an.<\/p>\n<p>Dabei schlie\u00dfen sie Emittenten mit unerw\u00fcnschten Aktivit\u00e4ten aus ihrem Entscheidungsbereich aus. Das kann diverse Branchen (Waffen, Alkohol, Tabak, \u00d6l etc.), Anwender bestimmter Verfahren (Tierversuche, Gentechnik etc.) oder Unternehmen mit Verst\u00f6\u00dfen gegen religi\u00f6se oder ethische Vorstellungen (Abtreibung, Produkte aus Schweinefleisch, Nutzung von Kinderarbeit etc.) betreffen. Auch werden Investitionen in L\u00e4ndern mit Diktaturen, Korruption, Anwendung der Todesstrafe, Nutzung von Nuklearenergie oder Nichtunterzeichnung von Abr\u00fcstungs- oder Umweltschutzabkommen vermieden.<\/p>\n<p>Solche eher subjektiven Wertentscheidungen sind einerseits nicht immer eindeutig als nachhaltig zu bezeichnen und k\u00f6nnen andererseits durchaus negative Folgeerscheinungen in anderen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft nach sich ziehen.<\/p>\n<p>Bereits heute folgen zahlreiche Unternehmen weltweit den Maximen der klassischen Corporate Social Responsibility (CSR). Diese Unternehmen ver\u00f6ffentlichen in der Regel zus\u00e4tzlich zu ihren Finanzergebnissen auch Berichte \u00fcber ihre ESG-Aktivit\u00e4ten (Environment Social Governance Information). Dies erm\u00f6glicht Investoren die Ausrichtung auf Socially Responsible Investments (SRIs).<\/p>\n<p><strong>Neue Auswahlmethoden f\u00fcr nachhaltig motivierte Investoren <\/strong><\/p>\n<p>Der Handlungsspielraum f\u00fcr nachhaltig motivierte Investoren erweitert sich im Rahmen des Impact Investing nun um zwei Auswahlmethoden:<\/p>\n<p>Erstens erm\u00f6glicht die Existenz von Ratingverfahren zur Beurteilung der ESG-Aktivit\u00e4ten von Unternehmen zun\u00e4chst ein positives Screening im CSR-Universum. F\u00fcr das Portfolio werden nur die Unternehmen ausgew\u00e4hlt, die die besten ESG-Ratings aufweisen, oder diejenigen, die in diversen Branchen mit unterschiedlichster Performance als die jeweils besten herausstechen (Best-in-Class-Ansatz).<\/p>\n<p>Die zweite Methode wird als ESG-Integration bezeichnet und beschr\u00e4nkt sich bei der Analyse von Investmentzielen nun nicht mehr auf die Auswertung der Finanzberichterstattung, sondern bezieht das ESG-Reporting in die Entscheidungsfindung ein. Das setzt nat\u00fcrlich die Zug\u00e4nglichkeit zu den ben\u00f6tigten Informationen voraus. ESG-Integration als Entscheidungsverfahren wird deshalb vor allem bei b\u00f6rsennotierten Gesellschaften angewendet.<\/p>\n<p>Unternehmen, die &#8222;unter dem Strich&#8220; der Erfolgsrechnung auch noch gesellschaftliches und umweltorientiertes Engagement verzeichnen, werden als &#8222;Triple Bottom Line Companies&#8220; bezeichnet. Bewertet man solche Unternehmen durch Messung des Stroms k\u00fcnftiger Cashflows an den risikoadjustierten Kapitalkosten, werden ESG-Faktoren wie Stakeholder-Interessen, Preisgestaltung, Reputation, Arbeits- und Ressourceneinsatz, Finanzierung und Regelwerke der Corporate Governance gem\u00e4\u00df ihren Auswirkungen auf k\u00fcnftige Cashflows ausgewertet und in die Bewertung des Unternehmens integriert.<\/p>\n<p>Diverse Studien zeigen dabei \u00fcbrigens, dass die Ber\u00fccksichtigung von ESG-Faktoren die finanzielle Performance von Unternehmen \u00fcber zus\u00e4tzliche Kosten oder Einschr\u00e4nkungen in der Marktausnutzung nicht negativ beeinflusst.<\/p>\n<p><strong>Eingrenzung in der Auswahl der ESG-kompatiblen Investitionsm\u00f6glichkeiten <\/strong><\/p>\n<p>Seit 2007 bezeichnet nun der Begriff &#8222;Impact Investing&#8220; (gepr\u00e4gt von der <a href=\"https:\/\/www.rockefellerfoundation.org\/our-work\/topics\/impact-investing-and-innovative-finance\/\" target=\"_blank\">Rockefeller Foundation<\/a>) eine weitere Eingrenzung in der Auswahl der ESG-kompatiblen Investitionsm\u00f6glichkeiten. Dazu schl\u00e4gt das <a href=\"https:\/\/thegiin.org\/\" target=\"_blank\">Global Impact Investing Network<\/a> (GIIN), eine Non-Profit-Organisation zur F\u00f6rderung von IMPIN, folgende Definition vor: &#8222;Impact Investments are investments made into companies, organizations, and funds with the intention to generate measurable social and environmental impact alongside a financial return.&#8220;<\/p>\n<figure id=\"attachment_4612\" aria-describedby=\"caption-attachment-4612\" style=\"width: 801px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/MBS-IMPIN-2-de.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-4612\" src=\"http:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/MBS-IMPIN-2-de.png\" alt=\"Impact Investing: \u00dcberblick (Quelle: The Case Foundation, 2015) \" width=\"801\" height=\"459\" srcset=\"https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/MBS-IMPIN-2-de.png 801w, https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/MBS-IMPIN-2-de-300x172.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 801px) 100vw, 801px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4612\" class=\"wp-caption-text\">Impact Investing: \u00dcberblick (Quelle: The Case Foundation, 2015)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Von philanthropischen Aktivit\u00e4ten grenzt sich IMPIN insofern ab, als dass der R\u00fcckfluss der eingesetzten Gelder inklusive einer Rendite erwartet wird. Gemeinsamkeiten liegen darin, dass manche philanthropischen Finanziers, zum Beispiel Stiftungen mit gemeinn\u00fctzigen Zielen, ihre Unterst\u00fctzung nicht generell als &#8222;verlorene&#8220; Zusch\u00fcsse betrachten, sondern durchaus auch aus ihren Zielen Investments entsprechende markt\u00fcbliche Renditen erwirtschaften wollen (Mission-related Investments) \u2013 oder aber auch nur zu Zugest\u00e4ndnissen bei der angestrebten Rendite bereit sind (Program-related Investments).<\/p>\n<p>Philanthropische und IMPIN-Geldgeber suchen folglich nach Zielunternehmen, die sich ESG-Anforderungen unterwerfen, aber mindestens den Kapitaleinsatz zur\u00fcckerstatten sollen. In Bezug auf die Rendite erwarten manche Kapitalgeber eine markt\u00fcbliche Rendite (Non-concessionary Investors), andere sind hier zu Zugest\u00e4ndnissen bereit \u2013 auch zum Verzicht (Concessionary Investors).<\/p>\n<p>Was IMPIN von den ESG-Auswahlverfahren ma\u00dfgeblich unterscheidet, sind die Merkmale der &#8222;Intentionality&#8220; und &#8222;Measurability&#8220;. Zielgruppe f\u00fcr IMPIN sind nicht Unternehmen, die neben ihrem Kerngesch\u00e4ft auch noch ein wenig ESG-Ausrichtung demonstrieren, sondern Unternehmen, bei denen der gesellschaftliche und der Umwelteffekt Zwecke der Bet\u00e4tigung sind. Eine solche Wirkung erfordert Additionality, d.h. ohne die betreffende unternehmerische Initiative, also nur durch reines Marktgeschehen, w\u00fcrde die erw\u00fcnschte Wirkung nicht eintreten. Damit die beabsichtigte Wirkung auch \u00fcberpr\u00fcfbar ist, muss der Effekt messbar sein und entsprechend vom Unternehmen eine Messung aktiv angestrebt werden.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich existieren vielf\u00e4ltige Probleme bei einem Engagement in IMPIN: Welche Unternehmen streben wirklich proaktiv die gew\u00fcnschten gesellschaftlichen Wirkungen an und wie findet man sie? Wie findet die Messung der &#8222;Impacts&#8220; statt und wie zuverl\u00e4ssig ist sie? Welche Institutionen und Intermedi\u00e4re unterst\u00fctzen das Investment bei Auswahl, \u00dcberwachung und Messung und wie verl\u00e4sslich ist deren Instrumentarium?<\/p>\n<p>Vor allem in den USA, aber auch in Europa hat sich eine Infrastruktur an Organisationen herausgebildet, die Investoren unterst\u00fctzen. Im demn\u00e4chst folgenden <a href=\"http:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/2017\/impact-investing-teil-2\/\">zweiten Teil des Beitrags<\/a> soll diese Infrastruktur skizziert werden.<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Quellen: <\/em><\/p>\n<ul>\n<li><em>Berrisford, C.: To integrate or to exclude. Approaches to sustainable investing. UBS (2015) <\/em><\/li>\n<li><em>Brest, P., Born, K.: Unpacking the Impact in Impact Investment. Stanford Social Innovation Report (2013) <\/em><\/li>\n<li><em>Drexler, M., Noble, A.: Charting the Course: How Mainstream Investors can Design Visionary and Pragmatic Impact Investing Strategies. World Economic Forum (2014) <\/em><\/li>\n<li><em>Greene, S.: A Short Guide to Impact Investing. The Case Foundation (2015) <\/em><\/li>\n<li><em>Petrick, S., Birnbaum, J.: Social Impact Investing in Deutschland. Marktbericht 2016. Kann das Momentum zum Aufbruch genutzt werden? Bertelsmann-Stiftung (2016)<br \/>\n<\/em><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Der Wunsch nach einer Welt, in der die Menschen mit ihresgleichen und der Natur immer pfleglicher umgehen, wird vermutlich von einer \u00fcberw\u00e4ltigenden Mehrheit geteilt. 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Seine Lehr- und Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Conscious Business, Happiness at Work sowie Wirtschaft in China und Taiwan. Christian Schmidkonz h\u00e4lt ein Diplom in Volkswirtschaftslehre von der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t in M\u00fcnchen. Er studierte Chinesisch an der Fu Jen Universit\u00e4t in Taiwan und ist Alumnus des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Nach Stationen am ifo Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung und bei der internationalen Unternehmensberatung Capgemini gewann er als Entrepreneur 2008 den vom Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Technologie ausgeschriebenen Gr\u00fcndungswettbewerb \u201eMultimedia\u201c. 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