{"id":536,"date":"2015-10-02T16:09:20","date_gmt":"2015-10-02T14:09:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/?p=536"},"modified":"2016-11-16T16:32:24","modified_gmt":"2016-11-16T15:32:24","slug":"nachhaltigkeit-als-unternehmerische-verantwortung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/2015\/nachhaltigkeit-als-unternehmerische-verantwortung\/","title":{"rendered":"Entwicklung eines neuartigen Managementmodells, das den Erfolg von Unternehmen als\u00a0Beitrag zur Gesellschaft neu definiert"},"content":{"rendered":"<p><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-541 size-thumbnail\" src=\"http:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Kristina-Carlson-204x300-150x150.jpg\" alt=\"Kristina-Carlson-204x300\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Kristina-Carlson-204x300-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Kristina-Carlson-204x300-32x32.jpg 32w, https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Kristina-Carlson-204x300-64x64.jpg 64w, https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Kristina-Carlson-204x300-96x96.jpg 96w, https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Kristina-Carlson-204x300-128x128.jpg 128w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/>von Kristina Carlson, Zeppelin Universit\u00e4t Friedrichshafen\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong>Hintergrund<\/strong><\/p>\n<p>Vom 30. November bis zum 11.Dezember findet in Paris die n\u00e4chste UN-Klimakonferenz statt. Diese Konferenz ist von \u00e4u\u00dferster Wichtigkeit: Erstmals wird dort das Ziel verfolgt, ein neues, international verbindliches Klimaschutzabkommen zu beschlie\u00dfen, welches ab 2020 an das Kyoto-Protokoll anschlie\u00dft<sup>1<\/sup>.<br \/>\nDarauf aufbauend setzen sich die teilnehmenden Regierungen der Vereinten Nationen Ziele, die jedoch von den Strategien der eigentlichen Akteure \u2013 vor allem Unternehmen der Privatwirtschaft \u2013 entkoppelt sind. Unternehmen definieren ihren Erfolg heutzutage haupts\u00e4chlich \u00fcber \u00f6konomische Kriterien und richten ihre Strategien entsprechend aus<sup>2<\/sup>. Somit leisten sie einen \u00f6konomischen Beitrag zur Gesellschaft im Rahmen des Bruttoinlandsprodukts (BIP). M\u00f6gliche \u00f6kologische und gesellschaftliche Beitr\u00e4ge flie\u00dfen dabei nicht in eine vergleichbare Bewertung ein<sup>3<\/sup>.<\/p>\n<p>Gleichzeitig wurden Schw\u00e4chen im Modell erkannt, das das BIP als ma\u00dfgeblichen Erfolgsindikator einer Regierung zugrunde legt<sup>4<\/sup>. Daher haben verschiedene Regierungen Experten beauftragt, Alternativen und Erg\u00e4nzungen zum BIP zu entwickeln, die \u00f6kologische und gesellschaftliche Zielsetzungen ber\u00fccksichtigen<sup>5<\/sup>.<\/p>\n<p>Die etablierten Managementmodelle zur Steuerung von Unternehmen sind prim\u00e4r monet\u00e4r gepr\u00e4gt und ber\u00fccksichtigen derartige Zielsetzungen nicht in angemessener Weise. Erste Ans\u00e4tze, diese L\u00fccke zu schlie\u00dfen, bilden Nachhaltigkeitsberichte, die inzwischen f\u00fcr Unternehmen \u00f6ffentlichen Interesses verpflichtend sind<sup>6<\/sup>. Zu den eingangs erw\u00e4hnten Zielen der Regierungen besteht jedoch kein Bezug.<\/p>\n<p>Wenn zuk\u00fcnftige Ziele der internationalen Klimaschutz-Vereinbarung erreicht werden sollen, ist eine entsprechende Ausrichtung der Unternehmensziele notwendig. Dazu ist ein neuartiges Managementmodell erforderlich, das den Erfolg von Unternehmen als Beitrag zur Gesellschaft definiert und Nachhaltigkeit als unternehmerische Verantwortung in den Mittelpunkt stellt.<\/p>\n<p><strong>Beitrag zum Wohlstand<\/strong><\/p>\n<p>Das Bruttoinlandsprodukt gilt als ma\u00dfgeblicher volkswirtschaftlicher Indikator. Doch insbesondere seit der Finanzkrise im Jahr 2007 ger\u00e4t diese Kennzahl zunehmend in die Kritik: Ist sie noch der richtige Indikator, um den Wohlstand einer Volkswirtschaft auszudr\u00fccken? Das BIP als Indikator f\u00fcr die wirtschaftliche Entwicklung einer Volkswirtschaft scheint deren gesellschaftliche und \u00f6kologische Entwicklung nicht angemessen widerzuspiegeln<sup>7<\/sup>.<\/p>\n<p>Bereits seit 1972 arbeiteten internationale Wissenschaftler an der Entwicklung alternativer Indikatoren zur Wohlstandsmessung. Wegen ihrer unterschiedlichen Zielsetzungen und komplexen Erfassungsmethoden konnte sich jedoch keiner davon durchg\u00e4ngig etablieren<sup>8<\/sup>. Aus diesem Grund haben verschiedene Regierungen Expertenteams beauftragt, die Schw\u00e4chen des Bruttoinlandsprodukts zu untersuchen und eine Methode zu entwickeln, die den Wohlstand einer Volkswirtschaft umfassend bewertet. Erste Ergebnisse in Form von alternativen Indikatoren und Handlungsempfehlungen, die wirtschaftliche, gesellschaftliche und \u00f6kologische Entwicklungen erfassen, liegen vor<sup>9<\/sup>.<\/p>\n<p>So hat der Deutsche Bundestag im Jahr 2010 die Enqu\u00eate-Kommission &#8222;Wachstum, Wohlstand, Lebensqualit\u00e4t&#8220; eingesetzt, um f\u00fcnf Themenbereiche zu untersuchen:<\/p>\n<p>&#8211; Ermittlung des Stellenwerts von Wachstum in Wirtschaft und Gesellschaft,<br \/>\n&#8211; Entwicklung eines ganzheitlichen Wohlstands- bzw. Fortschrittsindikators,<br \/>\n&#8211; Er\u00f6rterung der M\u00f6glichkeiten und Grenzen der Entkopplung von Wachstum,<br \/>\n&#8211; Ressourcenverbrauch und technischem Fortschritt, Entwurf einer nachhaltig gestaltenden Ordnungspolitik,<br \/>\n&#8211; Untersuchung der Arbeitswelt, des Konsumverhaltens und der Lebensstile.<\/p>\n<p>Zu den Erkenntnissen der Kommission z\u00e4hlt, dass Wohlstand und Lebensqualit\u00e4t nur bedingt vom Wirtschaftswachstum abh\u00e4ngen. Zudem kamen die Experten zu dem Schluss, dass Einkommens- und Verm\u00f6gensungleichheiten aufgrund demographischer Entwicklungen in den letzten zwanzig Jahren zugenommen haben.<\/p>\n<p>Auf Basis ihrer Erkenntnisse unterscheidet die Enqu\u00eate-Kommission \u201eWachstum, Wohlstand, Lebensqualit\u00e4t\u201c die drei Dimensionen &#8222;Materieller Wohlstand&#8220;, &#8222;Soziales\/ Teilhabe&#8220; und &#8222;\u00d6kologie&#8220;. Hierzu entwickelte sie ein Indikatorenb\u00fcndel ganzheitlicher Wohlstands- und Fortschrittsindikatoren (W\u00b3-Indikatoren), die \u00fcber das reine BIP hinausgehen und zuk\u00fcnftig vom statistischen Bundesamt zu erheben sind<sup>10<\/sup>.<\/p>\n<p>In Deutschland ist nach wie vor das BIP die wichtigste Kennzahl, die die wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft misst. Die Privatwirtschaft in Form von Unternehmen leistet unbestritten den gr\u00f6\u00dften Anteil am BIP und \u00fcbt damit einen entscheidenden Einfluss auf dessen Entwicklung aus. Die Wirtschafts-, Umwelt- und Sozialpolitik der Regierung gibt dabei den volkswirtschaftlichen Handlungsrahmen vor<sup>11<\/sup>.<\/p>\n<p>Es stellt sich nun die Frage, welchen Beitrag das unternehmerische Handeln der Privatwirtschaft zu den alternativen Indikatoren und Schwerpunkten in den Handlungsempfehlungen \u00fcber das BIP hinaus leistet. Daraus abgeleitet kann ihr immenser Einfluss auf den Wohlstand einer Volkswirtschaft aufgezeigt werden \u2013 und damit wirtschaftliche, gesellschaftliche und \u00f6kologische Nachhaltigkeit.<\/p>\n<p>Bisher scheinen sich nachhaltige Ans\u00e4tze auf Unternehmensebene nur schleppend oder gar nicht durchsetzen zu wollen. H\u00e4ufig wird auf Unternehmensseite Nachhaltigkeit als Einschr\u00e4nkung und kostenintensiver Faktor wahrgenommen anstatt als Chance, nicht zuletzt durch die b\u00f6rsengehandelten CO\u00b2-Emissionsrechte. Zwar haben sich Nachhaltigkeitsberichte auch in Unternehmen der privaten Wirtschaft etabliert: F\u00fcr weltweit t\u00e4tige und b\u00f6rsennotierte Gro\u00dfunternehmen ist es mittlerweile sogar Pflicht, Nachhaltigkeitsberichte zu ver\u00f6ffentlichen<sup>12<\/sup>.<\/p>\n<p>H\u00e4ufig verbirgt sich jedoch hinter solchen Nachhaltigkeitsberichten eher Imagepflege als ernstgemeinte Aktivit\u00e4ten im Sinne einer gesellschaftlichen Verantwortung, die meist kein Bestandteil der Unternehmensstrategie sind. CSR Ans\u00e4tze sind daher oft nur fragmentierte Einzelma\u00dfnahmen, die entkoppelt vom Kerngesch\u00e4ft sind<sup>13<\/sup>.<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnen also aus den von der Enqu\u00eate-Kommission &#8222;Wachstum, Wohlstand, Lebensqualit\u00e4t&#8220; entwickelten W\u00b3-Indikatoren Unternehmenskennzahlen abgeleitet werden? Kennzahlen, die Unternehmen der Privatwirtschaft erm\u00f6glichen, die Auswirkungen ihres unternehmerischen Handelns auf die Volkswirtschaft zu erfassen und Zusammenh\u00e4nge sichtbar zu machen, um so ein Bewusstsein f\u00fcr ganzheitliche Nachhaltigkeit zu entwickeln?<\/p>\n<p><strong>Entwicklung eines neuartigen Managementmodells<\/strong><\/p>\n<p>Aus den W\u00b3 Indikatoren k\u00f6nnen Unternehmenskennzahlen abgeleitet werden, die die Eckpfeiler des neuartigen Managementmodells bilden. Hierf\u00fcr werden die Kennzahlen entsprechend ihrer Dimension in unternehmerische Handlungsfelder eingeteilt. Mit Hilfe dieses Managementmodells sollen Unternehmen dazu bef\u00e4higt werden, ihre Unternehmensstrategie nachhaltig auszurichten und entsprechend einen Beitrag zur Erreichung gesellschaftlicher Ziele zu leisten.<\/p>\n<p>Indem Unternehmensziele und gesellschaftliche Ziele in Einklang gebracht werden, entsteht eine Win-Win-Situation sowohl f\u00fcr die Unternehmen als auch f\u00fcr die Gesellschaft. Durch geeignete Ma\u00dfnahmen und Zielsetzungen k\u00f6nnen Unternehmen selbstverantwortlich die Wirkung ihres unternehmerischen Handels beeinflussen und nachhaltig Verantwortung daf\u00fcr \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Nachhaltige Verantwortung bedeutet in diesem Kontext, verantwortungsvoll zu wirtschaften, \u00f6kologisch zu handeln und einen Beitrag f\u00fcr die Gesellschaft zu leisten. In Anlehnung an Porter wird diese Win-Win-Situation als &#8222;Shared Value&#8220; bezeichnet<sup>14<\/sup>.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Wertbeitrag_Porter_CK.jpg\" rel=\"attachment wp-att-539\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-539 size-full\" src=\"http:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Wertbeitrag_Porter_CK.jpg\" alt=\"Wertbeitrag_Porter_CK\" width=\"949\" height=\"606\" srcset=\"https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Wertbeitrag_Porter_CK.jpg 949w, https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Wertbeitrag_Porter_CK-300x192.jpg 300w, https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Wertbeitrag_Porter_CK-600x383.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 949px) 100vw, 949px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Als Teil der Volkswirtschaft liefern Unternehmen einen wesentlichen Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt. Dieser Logik folgend wird festgestellt, welchen Beitrag Unternehmen zu etablierten volkswirtschaftlichen Alternativen zum BIP liefern, die den wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und \u00f6kologischen Wohlstand einer Volkswirtschaft auszudr\u00fccken versuchen.<\/p>\n<p>Mittels der deduktiven Methode werden entsprechende Indikatoren abgeleitet, die auf Unternehmensebene ein Bewusstsein f\u00fcr wohlstandskritische Einflussfaktoren schaffen. Unternehmen sollen dadurch bef\u00e4higt werden, wohlstandsf\u00f6rdernde Ma\u00dfnahmen wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und \u00f6kologischer Art zu ergreifen und so einen Beitrag zur Erf\u00fcllung volkswirtschaftlicher Nachhaltigkeitsziele zu leisten.<\/p>\n<p>Zielsetzung dabei ist es, mit Hilfe dieser Indikatoren aus Unternehmenssicht ein neuartiges Managementmodell abzuleiten, das verantwortungsvolles Wirtschaften, Umweltbewusstsein und gesellschaftliche Gesamtverantwortung in den Mittelpunkt r\u00fcckt. Diese Zielsetzung soll es Unternehmen erm\u00f6glichen, eine Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln, die im Einklang mit volkswirtschaftlichen Zielsetzungen steht und diese mit einem geeigneten Zielsystem umsetzen zu k\u00f6nnen. Dieses Thema ist von hoher praktischer Relevanz, das wissenschaftliche Fundament fehlt bisher jedoch.<\/p>\n<p>Nachfolgende Grafik veranschaulicht den hier beschriebenen Zusammenhang:<\/p>\n<p><strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Wertbeitrag_Karlson_CK.jpg\" rel=\"attachment wp-att-538\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-538 size-full\" src=\"http:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Wertbeitrag_Karlson_CK.jpg\" alt=\"Wertbeitrag_Karlson_CK\" width=\"949\" height=\"445\" srcset=\"https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Wertbeitrag_Karlson_CK.jpg 949w, https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Wertbeitrag_Karlson_CK-300x141.jpg 300w, https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Wertbeitrag_Karlson_CK-600x281.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 949px) 100vw, 949px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Ausblick<\/strong><\/p>\n<p>Nachhaltigkeit\/ Corporate Social Responsibility ist kein Trend, sondern ein Wertewandel, der vor knapp 30 Jahren mit dem Brundtland-Bericht der Weltkommission f\u00fcr Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen deutlich wurde und sich insbesondere seit der Finanzkrise im Jahr 2007 nochmals verst\u00e4rkt hat.<\/p>\n<p>Im Laufe der Zeit haben sich drei Dimensionen unter dem Begriff Nachhaltigkeit herausentwickelt, die die Enqu\u00eate-Kommission \u201eWachstum, Wohlstand, Lebensqualit\u00e4t\u201c des Deutschen Bundestags als &#8222;Materiellen Wohlstand&#8220;, &#8222;Soziales\/ Teilhabe&#8220; und &#8222;\u00d6kologie&#8220; bezeichnet. Um eine positive Entwicklung in diesen drei Dimensionen erreichen zu k\u00f6nnen, ist erforderlich, dass Unternehmen ihren Beitrag in diesen drei Dimensionen leisten.<\/p>\n<p>&#8222;Materieller Wohlstand&#8220; als weiterhin wichtige Dimension in der Gesellschaft wird fast ausschlie\u00dflich aus unternehmerischem Handeln erzielt. Diese Dimension wird haupts\u00e4chlich durch monet\u00e4re Kriterien ausgedr\u00fcckt und spiegelt sich in der Einkommenssituation wider. Der Handlungsbedarf f\u00fcr diese Dimension konzentriert sich daher auf gerechte Entgeltsysteme, die nicht nur im tariflichen Bereich geregelt sind, sondern unternehmens\u00fcbergreifend auch au\u00dfertariflich nachvollziehbaren Kriterien der Entgeltfindung folgen, die der objektiven Wertigkeit einer Stelle entsprechen.<\/p>\n<p>Die Dimension &#8222;Soziales\/ Teilhabe&#8220; wird k\u00fcnftig einen h\u00f6heren Stellenwert einnehmen. Unumkehrbare Trends wie demographischer Wandel, Work-Life-Balance, wachsende Eigenverantwortung und Migration haben einen wesentlichen Einfluss auf diese Dimension. Mitarbeiter und deren F\u00e4higkeiten als Ressource beziehungsweise intellektuelles Unternehmensverm\u00f6gen unterliegen dabei einem Wertewandel, dem die Unternehmen durch sozial orientierte Angebote gerecht werden m\u00fcssen, um geeignete Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Der Handlungsbedarf hierzu geht in die Richtung weitreichenderer Sozialleistungen und st\u00e4rkerer Beteiligung der Mitarbeiter.<\/p>\n<p>Unternehmen werden vor vollkommen neue Herausforderungen gestellt und finden sich in einer Rolle wieder, in der sie zunehmend soziale Verantwortung innerhalb der Gesellschaft \u00fcbernehmen, die bisher von staatlichen Institutionen erbracht wurden. Um diese Herausforderung bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen sich Unternehmen bewusst machen, durch welche Handlung oder Investition sie im Sinne eines Shared Values Werte und Nutzen sowohl f\u00fcr das Unternehmen als auch f\u00fcr den einzelnen Mitarbeiter schaffen<sup>15<\/sup>.<\/p>\n<p>Der voranschreitende Klimawandel und der Verbrauch endlicher Ressourcen werden die Dimension &#8222;\u00d6kologie&#8220; weiter in den Mittelpunkt r\u00fccken. So wie bereits heute einer Tonne CO\u00b2 ein \u00e4quivalenter monet\u00e4rer Wert zugewiesen wird, werden neuartige Technologien eine immer genauere mess- und verursachergerechte Zuordnung von verursachten Klima- und Umweltsch\u00e4den erm\u00f6glichen, die mit monet\u00e4ren Gr\u00f6\u00dfen verkn\u00fcpft werden kann. Die Dimension &#8222;\u00d6kologie&#8220; wird damit im Sinne einer erweiterten Wirtschaftlichkeitsrechnung einen direkten Einzug in die moderne Betriebswirtschaftslehre halten.<\/p>\n<p>F\u00fcr Unternehmen bedeutet dies, dass sie sich nicht nur durch steigende Kosten f\u00fcr immer knapper werdende Ressourcen und neue Normvorschriften neu ausrichten, sondern den \u00f6kologischen Auswirkungen ihres Handelns Rechnung tragen m\u00fcssen. Wirtschaften, ohne der Umwelt und damit zuk\u00fcnftigen Generationen nachhaltig zu schaden, wird zu einem entscheidenden Zielkonflikt, den es intelligent zu l\u00f6sen gilt.<\/p>\n<p>Die Annahmen zu den oben beschriebenen Dimensionen sind mittels quantitativer Methoden auf Basis geeigneter, noch n\u00e4her zu definierender Kriterien zu untersuchen. Das Ergebnis flie\u00dft in ein zu entwickelndes Managementmodell ein, das die Dimensionen mit den zugeh\u00f6rigen Aspekten in Form eines nachhaltigen Ziel- und Steuerungssystems (theoretisches Konstrukt) abbildet. Damit wird eine zukunfts- und werteorientierte Ausrichtung und Weiterentwicklung von Unternehmen erm\u00f6glicht sowie Nachhaltigkeit im Rahmen unternehmerischer Verantwortung nutzbar gemacht.<\/p>\n<p><sup>1<\/sup> vgl. <a href=\"http:\/\/www.cop21.gouv.fr\/en\" target=\"_blank\">http:\/\/www.cop21.gouv.fr\/en<\/a>, abgerufen am 13.09.2015<br \/>\n<sup>2 <\/sup>vgl. Christoph Binswanger et. al., Geld und Wachstum. Zur Philosophie und Praxis des Geldes, 1994<br \/>\n<sup>3 <\/sup>vgl. Archie B. Carroll, <a href=\"http:\/\/www.researchgate.net\/publication\/4883660_The_Pyramid_of_Corporate_Social_Responsibility_Toward_the_Moral_Management_of_Organizational_Stakeholders._Business_Horizons_34%284%29_39-48\" target=\"_blank\">The Pyramid of Corporate Social Responsibility Toward the Moral Management of Organizational Stakeholders<\/a>, 1991<br \/>\n<sup>4 <\/sup>vgl. Hans Diefenbacher et. al., Woran sich Wohlstand wirklich messen l\u00e4sst. Alternativen zum Bruttoinlandsprodukt, 2011<br \/>\n<sup>5<\/sup> vgl. Joseph Stiglitz et. al., <a href=\"http:\/\/www.insee.fr\/fr\/publications-et-services\/dossiers_web\/stiglitz\/doc-commission\/RAPPORT_anglais.pdf\" target=\"_blank\">Report by the Commission on the Measurement of Economic Performance and Social Progress<\/a>, 2009<br \/>\n<sup>6 <\/sup>vgl. BMU (Hrsg.), <span class=\"removed_link\" title=\"https:\/\/www.akzente.de\/fileadmin\/Publikationen\/PDF_Publikationen\/BMU_Nachhaltigkeitsberichterstattung_2008.pdf\">Nachhaltigkeitsberichterstattung: Empfehlungen f\u00fcr ein gute Unternehmenspraxis<\/span>, 2009<br \/>\n<sup>7 <\/sup>vgl. Hans Diefenbacher et. al., Woran sich Wohlstand wirklich messen l\u00e4sst. Alternativen zum Bruttoinlandsprodukt, 2011<br \/>\n<sup>8 <\/sup>vgl.William Nordhaus et. al., <a href=\"http:\/\/www.nber.org\/chapters\/c7620.pdf\" target=\"_blank\">Is growth obsolete?<\/a>, 1972<br \/>\n<sup>9 <\/sup>vgl. Joseph Stiglitz et. al., <a href=\"http:\/\/www.insee.fr\/fr\/publications-et-services\/dossiers_web\/stiglitz\/doc-commission\/RAPPORT_anglais.pdf\" target=\"_blank\">Report by the Commission on the Measurement of Economic Performance and Social Progress<\/a>, 2009<br \/>\n<sup>10 <\/sup>vgl. Deutscher Bundestag, <a href=\"http:\/\/dipbt.bundestag.de\/dip21\/btd\/17\/133\/1713300.pdf\" target=\"_blank\">Schlussbericht der Enquete-Kommission \u201eWachstum, Wohlstand, Lebensqualit\u00e4t \u2013 Wege zu nachhaltigem Wirtschaften und gesellschaftlichem Fortschritt in der Sozialen Marktwirtschaft\u201c<\/a>, 2013<br \/>\n<sup>11 <\/sup>vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.), <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/ZahlenFakten\/GesamtwirtschaftUmwelt\/VGR\/VolkswirtschaftlicheGesamtrechnungen.html\" target=\"_blank\">Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen<\/a>, 2014<br \/>\n<sup>12 <\/sup>vgl. European Commission, <a href=\"http:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/EN\/TXT\/PDF\/?uri=CELEX:32013L0034&amp;from=DE\" target=\"_blank\">Directive of the European Parliament and of the council amending Directive 2013\/34\/EU as regards disclosure of non-financial and diversity information by certain large undertakings and groups<\/a>, 2013<br \/>\n<sup>13 <\/sup>vgl. Michael E. Porter et al., Strategy and Society: The Link between Competitive Advantage and Corporate Social Responsibility, 2006<br \/>\n<sup>14 <\/sup>vgl. Michael E. Porter, <a href=\"http:\/\/www.creativeinnovationglobal.com.au\/wp-content\/uploads\/Shared-value-Harvard-business-review.pdf\" target=\"_blank\">Creating Shared Value \u2013 how to reinvent capitalism and unleash a wave of innovation and growth<\/a>, 2011<br \/>\n<sup>15 <\/sup>vgl. Michael E. Porter, <a href=\"http:\/\/www.creativeinnovationglobal.com.au\/wp-content\/uploads\/Shared-value-Harvard-business-review.pdf\" target=\"_blank\">Creating Shared Value \u2013 how to reinvent capitalism and unleash a wave of innovation and growth<\/a>, 2011<\/p>\n<p><em>Copyright Grafik 2 und Grafik 3: Kristina Carlson, Januar 2015\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>von Kristina Carlson, Zeppelin Universit\u00e4t Friedrichshafen\u00a0 Hintergrund Vom 30. November bis zum 11.Dezember findet in Paris die n\u00e4chste UN-Klimakonferenz statt. Diese Konferenz ist von \u00e4u\u00dferster Wichtigkeit: Erstmals wird dort das Ziel verfolgt, ein neues, international <a class=\"mh-excerpt-more\" href=\"https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/2015\/nachhaltigkeit-als-unternehmerische-verantwortung\/\" title=\"Entwicklung eines neuartigen Managementmodells, das den Erfolg von Unternehmen als\u00a0Beitrag zur Gesellschaft neu definiert\">[&#8230;]<\/a><\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":2,"featured_media":540,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10430,10432],"tags":[174,434,512,617,652],"coauthors":[3559],"class_list":["post-536","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-archiv","category-archive","tag-bip","tag-nachhaltigkeit","tag-shared-value","tag-unternehmerische-verantwortung","tag-wohlstand"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin 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