{"id":5745,"date":"2017-01-23T14:16:02","date_gmt":"2017-01-23T13:16:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/?p=5745"},"modified":"2017-10-04T15:47:26","modified_gmt":"2017-10-04T13:47:26","slug":"wissenschaftliches-arbeiten-teil-2-recherche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/2017\/wissenschaftliches-arbeiten-teil-2-recherche\/","title":{"rendered":"Wissenschaftliches Arbeiten (Teil 2): Die Recherche"},"content":{"rendered":"<p>Ist wissenschaftliches Arbeiten eigentlich nur etwas f\u00fcr (zuk\u00fcnftige) Wissenschaftler und Forscher? Unsere \u00dcberlegungen zur Wahrheit (siehe <a href=\"http:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/2016\/wissenschaftliches-arbeiten-teil-1\/\">Wissenschaftliches Arbeiten (Teil 1)<\/a>) haben bereits deutlich gemacht: Die Auseinandersetzung mit wissenschaftlichem Arbeiten und deren Methodik ist von unsch\u00e4tzbarem Vorteil, wenn es darum geht, Sachverhalte zu analysieren und L\u00f6sungen zu erarbeiten. Das ist beim Thema Wahrheit der Fall \u2013 Was ist wahr? Was soll ich glauben? \u2013 und das ist auch beim Thema Recherche nicht anders.<\/p>\n<p>Der Begriff der \u201eRecherche\u201c, franz\u00f6sisch f\u00fcr \u201esuchen\u201c und \u201eforschen\u201c, wird im Franz\u00f6sischen (und auch im Englischen als \u201eresearch\u201c) schon seit Jahrhunderten f\u00fcr \u201esorgf\u00e4ltige, also systematische Suche\u201c verwendet. Als solche, n\u00e4mlich als sorgf\u00e4ltige Suche nach Wissen und als systematische Recherche ist sie die Grundlage wissenschaftlichen Arbeitens. \u201eSorgf\u00e4ltig\u201c kann hier verschiedene Bedeutungen haben: 1. auch die kleinsten und am besten versteckten Informationen sollen gefunden werden, auf jeden Fall aber die <strong>relevanten<\/strong>, 2. die <strong>richtigen<\/strong> Informationen sollen gefunden werden (z.B. keine <em>fake news<\/em>) oder auch: 3. die Suche soll <strong>effizient<\/strong>, ohne Verschwendung von Ressourcen und zielgerichtet, eben systematisch vonstattengehen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/MBS-academic-writing-research-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-5750 size-full\" src=\"http:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/MBS-academic-writing-research-2.jpg\" alt=\"MBS Academic Writing \u2013 Research\" width=\"1152\" height=\"864\" srcset=\"https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/MBS-academic-writing-research-2.jpg 1152w, https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/MBS-academic-writing-research-2-267x200.jpg 267w, https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/MBS-academic-writing-research-2-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/MBS-academic-writing-research-2-326x245.jpg 326w, https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/MBS-academic-writing-research-2-80x60.jpg 80w\" sizes=\"auto, (max-width: 1152px) 100vw, 1152px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Recherche als Bestandteil wissenschaftlichen Arbeitens ergibt also im Idealfall relevante und richtige Informationen im Zuge eines systematischen Prozesses.<\/p>\n<h2>1. Die Suche nach relevanten Informationen<\/h2>\n<p>Der Suche nach Informationen ist eine Banalit\u00e4t vorgeschaltet: Man muss wissen, was man sucht oder zumindest, welche Frage man beantworten m\u00f6chte. Zu Beginn der Recherche und zumal zu Beginn eines Studiums, also als blutiger Anf\u00e4nger im Wissenschaftsbetrieb und in der gew\u00e4hlten wissenschaftlichen Disziplin, wird uns meist schmerzlich bewusst, wie sehr die Effizienz des Rechercheprozesses vom Vorwissen abh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Ein sorgf\u00e4ltiges Ausloten und Abklopfen des gew\u00fcnschten, gew\u00e4hlten oder zugeteilten Themas wird daher dazu f\u00fchren, dass weit mehr Literatur und viel mehr Daten und Informationen durchforstet werden m\u00fcssen, als am Ende in der schriftlichen Arbeit Erw\u00e4hnung finden. Betrachten wir das als Lehrgeld oder Orientierungsaufwand \u2013 ohne geht es einfach nicht. Die ersten Seminararbeiten im Studium sind daher in erster Linie als eine \u00dcbung in der Methodik wissenschaftlichen Arbeitens auf einem fachlich weniger anspruchsvollen Niveau anzusehen.<\/p>\n<p>Die Suche nach den relevanten Informationen beginnt bereits bei der Fassung und Formulierung des Themas \u2013 noch bevor das Thema und die Forschungsfrage \u00fcberhaupt feststehen \u2013 und ist notwendig, um das Thema \u00fcberhaupt zu formulieren. Ein weiterer wichtiger Rechercheprozess findet dann statt, wenn das Thema ausgearbeitet wird.<\/p>\n<p>Um die relevanten und auch die am schwierigsten zug\u00e4nglichen Informationen zu beschaffen, muss man nicht gleich ein Studium als Bibliothekar absolvieren. Eine gute Idee ist es jedoch, sich von den wissenschaftlichen Bibliotheken Rat und Unterst\u00fctzung zu holen in Form von Einf\u00fchrungen in die Benutzung der Bibliothek und selbstverst\u00e4ndlich auch als Nutzer des Recherche- und Literaturangebots.<\/p>\n<p>Wissenschaftliche Fachzeitschriften sind unverzichtbar f\u00fcr die Pr\u00fcfung und Dokumentation des aktuellen Stands der Wissenschaft, des <em>state of the art<\/em>, sie sind wertvoll und daher teuer. Sie stehen jedoch Nutzern von Staats- und Universit\u00e4tsbibliotheken nahezu kostenlos und gut aufbereitet zur Verf\u00fcgung. Ein guter Ausgangspunkt f\u00fcr die Recherche sind auch Handb\u00fccher und Grundlagenwerke.<\/p>\n<p>Relevant sind auch Informationen und Quellen, die das dargestellte Konzept kritisieren, belegen oder widerlegen, es analysieren, den Hintergrund von Studien und Umfragen beleuchten. Eine Untersuchung zum Thema \u201eFrauen als Unternehmerinnen\u201c mit der Frage, warum in den letzten Jahren mehr Frauen in die Selbst\u00e4ndigkeit gegangen sind, muss neben den entsprechenden Studien und Umfragen auch Abhandlungen zu den in der Arbeit behandelten gesellschaftlichen Fragestellungen enthalten. Die Studien bzw. Umfragen alleine reichen nicht aus, die behaupteten Argumente f\u00fcr den Anstieg der selbst\u00e4ndigen Frauen m\u00fcssen auch auf ihre Plausibilit\u00e4t untersucht und mit anderen Quellen abgeglichen werden.<\/p>\n<p>Relevant sind aktuelle Quellen. Aber was aktuell bzw. veraltet und irrelevant ist, ist von der Fragestellung abh\u00e4ngig. So m\u00fcssen etwa die Grundtexte der Disziplin genannt werden.<\/p>\n<p>Ein Beispiel: Wenn wir \u00fcber Medienkritik und die gesellschaftliche Wirkung von Medien forschen, ist Neil Postmans \u201eWir am\u00fcsieren uns zu Tode\u201c aus dem Jahre 1985<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> keinesfalls eine zu alte Quelle, sondern vielleicht sogar unabdingbar. Wenn wir die Kulturdimensionen von Hofstede diskutieren, m\u00fcssen wir das Original von Hofstede<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> zitieren, aber nat\u00fcrlich auch die aktuelle Rezeption und Kritik \u2013 beides sind absolut relevante Informationen im wissenschaftlichen Diskurs.<\/p>\n<p>Diese Ausf\u00fchrungen zeigen schon, dass nur im jeweiligen Einzelfall anhand der Fragestellung beurteilt werden kann, was relevant ist und was nicht. Das Ziel muss sein, die Fragestellung zu er\u00f6rtern und hierbei den aktuellen Stand der Wissenschaft ausreichend zu reflektieren.<\/p>\n<h2>2. Die richtigen Informationen finden<\/h2>\n<p>\u201eRichtig\u201c zielt hier auf Informationen ab, die zum Thema und zur Fragestellung passen und einen Beitrag zur Beantwortung leisten, aber auch auf Informationen, die stimmen, die gepr\u00fcft und belegt wurden.<\/p>\n<p>Vielleicht ist dieser Aspekt im Zeitalter des \u201ePost-Faktischen\u201c die eigentliche, neue Herausforderung an die wissenschaftliche Recherche: Viel h\u00e4ufiger und unverfrorener als fr\u00fcher werden Fakten offen als F\u00e4lschung und L\u00fcgen ungeniert als Fakten deklariert. Informationen (zweckgerichtetes Wissen) und Falschmeldungen sind in nie zuvor gekannten und geahnten Mengen mit einem Klick oder Wischen f\u00fcr jeden verf\u00fcgbar.<\/p>\n<p>Doch wie w\u00e4hlen wir aus, was zur Fragestellung passt, was stimmt, was nur eine Meinung oder Wunschdenken ist? Wie pr\u00fcfen wir \u00fcberhaupt, ob etwas stimmt? Ein Pr\u00fcfsiegel nach dem Motto \u201egepr\u00fcfte Wahrheit\u201c w\u00e4re da doch die L\u00f6sung, an die uns die gerade in den Hauptnachrichten ver\u00f6ffentlichte Meldung denken l\u00e4sst: Facebook wird seinen Nutzern von nun an eine Warnmeldung anzeigen, wenn sie auf Falschmeldungen sto\u00dfen.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Doch auch dieses Siegel bzw. diese Markierung von Falschmeldungen funktioniert nur \u00fcber die sorgf\u00e4ltige Recherche: Die entsprechenden Meldungen in Facebook werden von nun an von dem gemeinn\u00fctzigen, spendenbasierten Recherchezentrum Correctiv<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> gepr\u00fcft und gegebenenfalls als Falschmeldung markiert.<\/p>\n<p>Wenn es um wissenschaftliche Publikationen geht, \u00fcbernehmen die Pr\u00fcfung der Artikel und Ver\u00f6ffentlichungen auf ihren Wahrheitsgehalt der Verlag bzw. externe Pr\u00fcfer, sogenannte Peer Reviewer, also Wissenschaftler derselben Disziplin (= Peers). Meist pr\u00fcfen zwei Peer Reviewer unabh\u00e4ngig voneinander.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Automatische Pr\u00fcfungen, Wahrheitssiegel oder allgemeing\u00fcltige Merkmale f\u00fcr den Wahrheitsgehalt gibt es nicht, es gilt vielmehr stets aufs Neue zu pr\u00fcfen und mehrere Kriterien zu ber\u00fccksichtigen. Generell gilt, dass wir mit unserer F\u00e4higkeit zu unterscheiden \u2013 Fakten von L\u00fcgen, Meinungen von Manipulationen, wahre Schn\u00e4ppchen von Lockangeboten oder gar Betrug \u2013 gut fahren, sofern wir diese F\u00e4higkeit nutzen. Ein Verzicht darauf w\u00fcrde bedeuten, dass wir uns den Meinungen und Entscheidungen anderer ausliefern.<\/p>\n<p>Das passiert ohnehin bereits h\u00e4ufig genug, etwa wenn wir im Internet recherchieren und Google oder Facebook uns aus zahlreichen fr\u00fcheren Suchauftr\u00e4gen bereits so gut zu \u201ekennen\u201c glauben, dass sie uns nur eine bestimmte, auf uns zugeschnittene Auswahl von Suchergebnissen pr\u00e4sentieren. Was f\u00fcr uns relevant ist, bestimmt hier der Anbieter mit seinem Algorithmus, nicht wir!<\/p>\n<p>Vorgefertigte Meinungen, Haltungen, Argumente zu \u00fcbernehmen ist vordergr\u00fcndig sehr bequem, spart Zeit und Energie und es bleibt uns \u00fcberlassen, ob wir unser Leben so gestalten wollen. Wenn wir allerdings wissenschaftlich arbeiten wollen, haben wir keine Wahl: Wir m\u00fcssen unterscheiden, pr\u00fcfen, anzweifeln und ein Argument oder eine These von mehreren Seiten untermauern oder anfechten.<\/p>\n<p>Die Pr\u00fcfung von Quellen ist ein wichtiger Schritt im Prozess wissenschaftlichen Arbeitens, der mit mehr \u00dcbung immer besser gelingt. Die Pr\u00fcfung anhand der folgenden Kriterien kann Aufschluss dar\u00fcber geben, ob eine Quelle zuverl\u00e4ssig ist und ob sie zum Zwecke wissenschaftlichen Arbeitens herangezogen werden kann:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Person und Funktion des Autors<\/strong> : Schreibt er\/sie als Wissenschaftler? Wird der Text als wissenschaftlicher Text f\u00fcr eine entsprechende Institution geschrieben? Zu einem wissenschaftlichen Zweck?<\/li>\n<li><strong>Quellenverweise<\/strong>: Verweist der Text auf Quellen? Verweist er auf seri\u00f6se Quellen?<\/li>\n<li><strong>Methoden<\/strong>: Wendet der Autor wissenschaftliche Methoden an? Legt der Text seine Methoden offen? Erkl\u00e4rt er, wie er zu den Ergebnissen kam?<\/li>\n<li><strong>Daten<\/strong>: Werden die Daten offengelegt? Wird offengelegt, wie die Daten erhoben wurden?<\/li>\n<li><strong>Stil und Form<\/strong> : Handelt es sich um einen sachlichen, differenzierten Stil? Entspricht die Form den Anforderungen?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Quellen m\u00fcssen den aktuellen Stand der Wissenschaft in Bezug auf die Forschungsfrage repr\u00e4sentieren, Gegenmeinungen und Kritik sind ebenfalls zu ber\u00fccksichtigen. Der Autor einer wissenschaftlichen Arbeit muss auf differenzierte Weise den aktuellen Stand der Wissenschaft darstellen.<\/p>\n<p>Grundlage einer wissenschaftlichen Arbeit ist wissenschaftliche Literatur. Nicht dazu geh\u00f6ren popul\u00e4rwissenschaftliche Werke, Ratgeber, Erfahrungsberichte, Reiseberichte, aber auch Stellungnahmen von Unternehmen zu wissenschaftlich relevanten Themen. Sie richten sich nicht an ein kritisches wissenschaftliches Fachpublikum, sondern an die allgemeine \u00d6ffentlichkeit. Sie sind deshalb nicht der Kontrolle der <em>scientific community<\/em> unterworfen, mit ihnen werden rein kommerzielle Zwecke angestrebt.<\/p>\n<h2><a href=\"http:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/MBS-academic-writing-research-3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-5751\" src=\"http:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/MBS-academic-writing-research-3.jpg\" alt=\"MBS Academic Writing \u2013 Research\" width=\"1152\" height=\"864\" srcset=\"https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/MBS-academic-writing-research-3.jpg 1152w, https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/MBS-academic-writing-research-3-267x200.jpg 267w, https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/MBS-academic-writing-research-3-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/MBS-academic-writing-research-3-326x245.jpg 326w, https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/MBS-academic-writing-research-3-80x60.jpg 80w\" sizes=\"auto, (max-width: 1152px) 100vw, 1152px\" \/><\/a>3. Die systematische Suche<\/h2>\n<p>Wissenschaftliches Arbeiten ist gleichzusetzen mit einem systematischen Vorgehen: Der Text selbst muss logisch aufgebaut sein, es m\u00fcssen Definitionen, Theorien, die Forschungsfrage, Argumente und Gegenbeweise ausgearbeitet und sinnvoll angeordnet werden, um die Forschungsfrage bestm\u00f6glich zu beantworten. Diese Forderung nach systematischem Vorgehen gilt auch f\u00fcr die Recherche. Sie hat den gro\u00dfen Vorteil, dass wir uns so Mehrarbeit, doppelte Arbeit und auch Frustration etwa aufgrund un\u00fcbersichtlicher und unstrukturierter Datenmengen ersparen oder diese zumindest reduzieren. Die Auswertung von Literatur beinhaltet etwa folgende Schritte:<\/p>\n<ol>\n<li>Theorien mit Bez\u00fcgen zum Thema identifizieren<\/li>\n<li>Quellen in den Theoriebereichen suchen<\/li>\n<li>Bez\u00fcge zum Thema identifizieren<\/li>\n<li>Texte dokumentieren (Kopien, Dateien, Exzerpte, Notizen etc.)<\/li>\n<li>Zitate sinngem\u00e4\u00df interpretieren (Kontext)<\/li>\n<li>Fachgerechte Zitation ausf\u00fchren (w\u00f6rtlich, indirekt, Fu\u00dfnote, Literaturverzeichnis)<\/li>\n<\/ol>\n<p>Bei allen Schritten ist stets aufs Neue darauf zu achten, die Forschungsfrage pr\u00e4zise zu formulieren und ausreichend einzugrenzen. Wenn wir vor dem Pr\u00e4senzbestand der Universit\u00e4tsbibliothek M\u00fcnchen zum Thema Unternehmensstrategien stehen, sind mehrere Meter Buchr\u00fccken zu bew\u00e4ltigen, wenn wir nicht wissen, was wir suchen. Eine klare Formulierung und stringente Fokussierung des Themas verlangen geistige Anstrengung, entlohnen diese aber mit einer erheblichen Ersparnis an Zeit und M\u00fche.<\/p>\n<p>Bei der Ausarbeitung der Publikation ist darauf zu achten, dass die Quellen entsprechend eingef\u00fcgt und ausgewertet werden. So m\u00fcssen etwa zum Beleg von Thesen oder zur Diskussion von Argumenten stets mehrere Meinungen zitiert, also mehrere Quellen genannt werden. Auch wenn die Theorie eines Wissenschaftlers diskutiert wird, reicht es nicht, alleine Publikationen dieser Person zu zitieren. Die Diskussion und Bewertung dieser Theorie, ihre Einordnung in die Wissenschaftsdisziplin und auch ihre Beurteilung im zeitlichen Kontext erfordern zwingend die Nennung auch anderer Quellen, anderer Wissenschaftler, die sich mit der Theorie auseinandergesetzt haben. Ein Kapitel einer Arbeit, das nur eine einzige Quelle aufweist, verst\u00f6\u00dft damit gegen die Objektivit\u00e4t, einen Grundsatz wissenschaftlichen Arbeitens.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich spielt bei der Verwertung von Quellen auch intellektuelle Redlichkeit eine bedeutsame Rolle. Selten ist es eine kleine Nachl\u00e4ssigkeit, ein unbedeutendes Versehen, wenn Texte, Argumente und Gedanken anderer Autoren ohne Nachweis in die eigene Ausarbeitung \u00fcbernommen werden. Dieses \u201eSchm\u00fccken mit fremden Federn\u201c, das Plagiieren fremder intellektueller Arbeit, geh\u00f6rt zu den erb\u00e4rmlichsten Tricks in der Welt der Wissenschaft. Der Nachweis von Plagiaten f\u00fchrt an unserer Hochschule nicht nur zu einer mangelhaften Bewertung der entsprechenden Arbeit, sondern kann auch weiterreichende Konsequenzen haben.<\/p>\n<p>Das systematische und sorgf\u00e4ltige Suchen nach m\u00f6glichst gesichertem Wissen oder wenigstens nachgewiesenen Fakten ist nicht nur grundlegender Baustein wissenschaftlicher Arbeit, sondern geh\u00f6rt zu den <em>soft skills<\/em>, die Menschen bef\u00e4higen, ein gutes und auch \u00f6konomisch zufriedenstellendes Leben zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Ob es um die Suche nach einem attraktiven Stellenangebot als Einstieg in die vielversprechende Karriere geht, die Suche nach der richtigen Geldanlage oder nach Menschen, denen man Vertrauen entgegenbringt (nicht: Partnerwahl!): Suche nach unverf\u00e4lschter, aktueller Information, Abgleich von Informationen aus verschiedenen Quellen und Beurteilung deren Glaubw\u00fcrdigkeit und danach ihre Verwertung \u2013 das sind Regeln allgemeiner Lebensklugheit. Was f\u00fcr ein Gl\u00fcck, wenn man so etwas Gutes schon in jungen Jahren an seiner Hochschule erlernt und es nicht auf dem harten Weg, \u00fcber schlechte Erfahrung, erwerben muss!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li><em><a href=\"http:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/2017\/wissenschaftliches-arbeiten-teil-3-wissenschaftssprache\/\">Wissenschaftliches Arbeiten (Teil 3): Wissenschaftssprache\u00a0<\/a><\/em><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/2017\/wissenschaftliches-arbeiten-plagiat\/\"><em>Wissenschaftliches Arbeiten (Teil 4): Plagiat<\/em><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Postman, Neil (1985). Amusing Ourselves to Death, USA: Penguin<\/em><br \/>\n<em> <a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hofstede, Geert (1980) Culture&#8217;s Consequences \u2013 International Differences in Work Related Values, Newbury Park, London, Neu Delhi<\/em><br \/>\n<em> <a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> siehe Blogpost von Facebook unter <a href=\"http:\/\/de.newsroom.fb.com\/news\/2017\/01\/umgang-mit-falschmeldungen\/\">http:\/\/de.newsroom.fb.com\/news\/2017\/01\/umgang-mit-falschmeldungen\/<\/a> vom 15.01.2017<\/em><br \/>\n<em> <a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> <a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">https:\/\/correctiv.org\/<br \/>\n[5]<\/a> Eine weitere Pr\u00fcfung in Form eines Rankings von Fachzeitschriften im Bereich Wirtschaft nimmt das Portal vhb-online vor. Hier findet man \u201egerankte\u201c Fachzeitschriften; die Kriterien f\u00fcr die Einstufung sind die Ma\u00dfnahmen, die die jeweilige Zeitschrift zur Pr\u00fcfung der Ver\u00f6ffentlichungen einsetzt. Siehe hierzu: <\/em><a href=\"http:\/\/vhbonline.org\/vhb4you\/jourqual\/\"><em>http:\/\/vhbonline.org\/vhb4you\/jourqual\/<\/em> <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Ist wissenschaftliches Arbeiten eigentlich nur etwas f\u00fcr (zuk\u00fcnftige) Wissenschaftler und Forscher? Unsere \u00dcberlegungen zur Wahrheit (siehe Wissenschaftliches Arbeiten (Teil 1)) haben bereits deutlich gemacht: Die Auseinandersetzung mit wissenschaftlichem Arbeiten und deren Methodik ist von unsch\u00e4tzbarem <a class=\"mh-excerpt-more\" href=\"https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/2017\/wissenschaftliches-arbeiten-teil-2-recherche\/\" title=\"Wissenschaftliches Arbeiten (Teil 2): Die Recherche\">[&#8230;]<\/a><\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":21,"featured_media":5746,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10430,10432],"tags":[4758,4756,4754,4752,4774,4130],"coauthors":[2310,2929],"class_list":["post-5745","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-archiv","category-archive","tag-daten","tag-information","tag-quelle","tag-recherche","tag-wissenschaft","tag-wissenschaftliches-arbeiten"],"yoast_head":"<!-- This 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