{"id":6618,"date":"2017-04-18T16:40:43","date_gmt":"2017-04-18T14:40:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/?p=6618"},"modified":"2017-04-21T15:24:00","modified_gmt":"2017-04-21T13:24:00","slug":"klappe-halten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/2017\/klappe-halten\/","title":{"rendered":"Klappe halten \u2013 Vom Reden und Schweigen"},"content":{"rendered":"<p>Als ich zum ersten Mal von Untersuchungen h\u00f6rte<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>, die die Bedeutung des Schweigens f\u00fcr die Kommunikation zum Gegenstand hatten, war ich fasziniert: Dieses \u201eNichts\u201c war nicht nur sehr manifest, sondern auch noch unglaublich vielschichtig. Es konnte alles M\u00f6gliche bedeuten und wir Menschen verwenden das Schweigen \u2013 wenn man das so sagen kann \u2013 nur in den seltensten F\u00e4llen bewusst (etwa wenn wir meditieren \u2013 oder wenn wir uns bem\u00fchen, mal die Klappe zu halten, obwohl wir explodieren k\u00f6nnten), sondern \u2013 wie so vieles in der Kommunikation \u2013 unbewusst und folgen dabei Regeln, die unter anderem auch in unserer Kultur eingeschrieben sind.<\/p>\n<p>Bereits bei Watzlawick\/Beavin\/Jackson hei\u00dft es: Man kann nicht nicht kommunizieren!<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> So haben australische Ureinwohner Geb\u00e4rdensprachen entwickelt, die sie verwenden, auch wenn sie dieselbe Sprache sprechen und sich ganz normal sprachlich verst\u00e4ndigen k\u00f6nnten (Ethnologen und Linguisten unterscheiden sage und schreibe etwa 250 verschiedene Sprachen der Ureinwohner in Australien!), weil sie sich an gesellschaftliche Kontakttabus halten m\u00fcssen. Das Sprechverbot zwischen Schwiegermutter und Schwiegersohn\/-tochter gab diesen Sprachen ihren Namen: Schwiegermuttersprachen (m<em>other-in-law languages<\/em>; R.W. Dixon, der dies f\u00fcr die Dyirbal-Sprache beschrieb<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>, distanzierte sich sp\u00e4ter von diesem Begriff und so b\u00fcrgerte sich die Bezeichnung Vermeidungssprache, <em>avoidance language, <\/em>ein, die der Vielfalt der Tabus und der Vermeidungsstrategien besser Rechnung tr\u00e4gt).<\/p>\n<p>F\u00fcr die Kommunikation mit Tabuverwandten (z.B. der Schwiegermutter) wurden ausgekl\u00fcgelte Formen der Standardsprache entwickelt mit lexikalischen Vermeidungsstrategien und f\u00fcr den Fall, dass ein Sprechverbot bestand, eben eine Geb\u00e4rdensprache, wenn eine Kommunikation dennoch n\u00f6tig war. Geb\u00e4rdensprache als Vermeidungssprache wird auch bei anderen Sprechverboten verwendet. So sieht man z.B. in dem Dokumentarfilm von Desmond Morris \u201eThe Human Animal, Ep. 1 \u2013 Language in the Body\u201c zwei Frauen, beide weder taub noch stumm, die ansonsten die australische Ureinwohnersprache Warlpiri sprechen, bei einem gem\u00fctlichen Plausch \u2013 in einer komplexen Geb\u00e4rdensprache gestikulierend; als Zeichen der Trauer \u00fcber den Tod eines Stammesangeh\u00f6rigen d\u00fcrfen sie \u00fcber Monate nicht sprechen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4] <\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/MBS-silence-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-mh-magazine-content wp-image-6625\" src=\"http:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/MBS-silence-2-678x381.jpg\" alt=\"MBS Silence \" width=\"678\" height=\"381\" srcset=\"https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/MBS-silence-2-678x381.jpg 678w, https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/MBS-silence-2-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/MBS-silence-2.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 678px) 100vw, 678px\" \/><\/a><\/p>\n<h2>Das Schweigen spricht<\/h2>\n<p>Das Schweigen spricht: Folgen wir einer Pr\u00e4sentation, die nur sehr kurze Schweigephasen hat und bei der der Vortragende sich kaum Zeit l\u00e4sst, um Luft zu holen, \u00fcbertr\u00e4gt sich diese Atemlosigkeit sehr leicht auf uns. Ein Gef\u00fchl von Druck, Hektik, Zeitmangel ist die Folge. Eine gut gesetzte Sprechpause kann die Aussage betonen, die H\u00f6rer aufmerksam machen (wenn nicht gar aufwecken). Sie ist eine Aufforderung zu reagieren und bindet ein, sie gibt Zeit, in die eigenen Notizen zu schauen, sich kurz zu sammeln, Luft zu holen, Blickkontakt mit dem Publikum aufzunehmen, kurz: alles zu tun, was nicht zuletzt der Zuh\u00f6rer braucht, um die Rede \u201everdauen\u201c zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Man kann auch die eigene Nervosit\u00e4t ausgleichen, indem man sich bewusst f\u00fcr Pausen entscheidet \u2013 die vielleicht auf den Vortragsk\u00e4rtchen eingetragen sind oder die entstehen, indem man sich zwingt, Wasser zu trinken. Auch in Gespr\u00e4chen sind Pausen n\u00f6tig, um etwa dem anderen die M\u00f6glichkeit zu geben zu reagieren. Die Regeln f\u00fcr den Sprecherwechsel (englisch: turn taking) haben wir verinnerlicht: Wir heben die Stimme am Ende unseres Redebeitrags, blicken den anderen an, wir wissen als Zuh\u00f6rer auch genau, wann wir an der Reihe sind, etwas zu sagen, und meist ist eine kleine Pause dabei. Wir kennen nat\u00fcrlich auch Gespr\u00e4che, in denen uns andere st\u00e4ndig ins Wort fallen, die Regeln f\u00fcr den Sprecherwechsel ignorieren oder nach eigenem Gusto auslegen \u2013 verst\u00e4ndlich, wenn es um eine erregte Diskussion geht, in der die Macht hat, wer viel spricht und wer das letzte Wort hat.<\/p>\n<h3>Keine Zeit f\u00fcr Pausen<\/h3>\n<p>Wir geraten leicht aus dem Takt, wenn unser Gegen\u00fcber einem anderen Takt folgt, schneller oder langsamer ist als wir. Z\u00e4hlt eine hohe Geschwindigkeit, ist nat\u00fcrlich auch weniger Zeit f\u00fcr Pausen. Das kann verschiedene Gr\u00fcnde haben, auch kulturelle, und es unterliegt Ver\u00e4nderungen. So hat sich nach einer Untersuchung von Schade-Scherzer das Sprechtempo in deutschen Radionachrichten im vergangenen Jahrhundert erh\u00f6ht: Gingen in der Zeit von 1933 bis 1945 noch 4,5 Silben pro Sekunde \u00fcber den \u00c4ther, sind es in der Zeit zwischen 1990 und 2001 bereits 5,34 Silben pro Sekunde.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Die Betrachtung der Pausendauer ergibt ein \u00e4hnliches Bild: Waren es zwischen 1933 und 1945 noch durchschnittlich 0,64 Sekunden, verk\u00fcrzte sich diese Pausendauer auf 0,44 Sekunden in der Zeit zwischen 1990 und 2001.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Noch drastischer ist der Unterschied beim Pausenzeitanteil (17,3 % gegen\u00fcber 10,1 %).<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<h3>Regionale und individuelle Unterschiede<\/h3>\n<p>Wir passen unser Sprachverhalten dem unserer Sprecherumgebung an, auch was die Sprechgeschwindigkeit und die Sprechpausen betrifft. Die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen werden gerne verallgemeinert. Auch hier gibt es regional gro\u00dfe Unterschiede, individuell ohnehin. Ein allgemein langsameres Tempo mit gr\u00f6\u00dferen Pausen und l\u00e4ngerer Reaktionszeit beim Sprecherwechsel scheint eher f\u00fcr Ostdeutsche zuzutreffen, wogegen Westdeutsche schneller sprechen, die Pausen auch lieber mit Text f\u00fcllen und rascher reagieren.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p>Das f\u00fchrt bei beiden Seiten zu Frustration: Der forschere Sprechende ist irritiert, wenn der Gespr\u00e4chspartner nicht in der erwarteten Zeit seinen prosodischen (Stimmf\u00fchrung) und nonverbalen Aufforderungen zum Sprecherwechsel folgt. M\u00f6glicherweise meint er dann auch noch, nachlegen zu m\u00fcssen, wiederholt das letzte Argument mit noch gr\u00f6\u00dferem Nachdruck. Der \u201elangsamere\u201c Gespr\u00e4chspartner wiederum ist frustriert: Er hat die Aufforderung zum Sprecherwechsel verstanden und setzt zur Antwort an, f\u00fcr die er sich nach eigenen Regeln etwas l\u00e4nger Zeit lassen kann \u2013 und wird unterbrochen, weil der andere meint, er m\u00fcsse weiterreden, weil ja vom Gespr\u00e4chspartner nichts kommt. Der \u201eLangsamere\u201c f\u00fchlt sich bedr\u00e4ngt, \u00fcberrumpelt, \u201ezugetextet\u201c. Und bei alle dem geht es nur um Unterschiede in Sekundenbruchteilen!<\/p>\n<p>Jeder der beiden Gespr\u00e4chspartner meint nat\u00fcrlich, der andere verh\u00e4lt sich falsch. Wie finden wir in solchen F\u00e4llen heraus, was die Ursache des Konflikts sein kann? Das Bewusstsein f\u00fcr die vielen verschiedenen M\u00f6glichkeiten des Missverstehens zu sch\u00e4rfen ist ein Weg, wie wir aus der Forschung zur interkulturellen Kommunikation wissen. Hinweise und Ratschl\u00e4ge wie die der Deutsch-Finnischen Handelskammer k\u00f6nnen helfen. Gesch\u00e4ftsleute erhalten hier Tipps f\u00fcr Verhandlungen mit Finnen, so zum Beispiel:<\/p>\n<p>\u201eAusredenlassen: Bei Gesch\u00e4ftsverhandlungen und Gespr\u00e4chen gilt es in Finnland als unh\u00f6flich, den Redner zu unterbrechen. Statt eines Dialogs oder einer Diskussion kommt es daher h\u00e4ufiger zu einer Abfolge von Monologen, in denen erst nach einer l\u00e4ngeren Pause auf die Argumente des Vor- oder sogar Vorvorredners eingegangen wird.\u201c<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p>Vielleicht sollte man \u201eerst nach einer l\u00e4ngeren Pause\u201c unterstreichen? Auch wenn f\u00fcr uns (also jedenfalls f\u00fcr mich) Monologe in einem Gespr\u00e4ch nur sehr schwer auszuhalten sind, l\u00e4ngere Pausen quasi unm\u00f6glich: Ein solcher Hinweis hilft jedenfalls bei der Frage nach \u201efalsch\u201c oder \u201erichtig\u201c und macht sie \u00fcberfl\u00fcssig. Wo dies m\u00f6glich ist, sollten nat\u00fcrlich auch die Positionen ausgetauscht werden: Welche Erwartungen hat die jeweilige Partei und welche Entt\u00e4uschungen werden beklagt?<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/MBS-silence-3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-mh-magazine-content wp-image-6626\" src=\"http:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/MBS-silence-3-678x381.jpg\" alt=\"MBS Silence\" width=\"678\" height=\"381\" srcset=\"https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/MBS-silence-3-678x381.jpg 678w, https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/MBS-silence-3-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/MBS-silence-3.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 678px) 100vw, 678px\" \/><\/a><\/p>\n<h2>&#8222;Ost-West-Konflikt&#8220; in der Projektarbeit<\/h2>\n<p>In dem folgenden Beispiel geht es um eine Gruppe von Studenten (sechs Studenten aus sechs verschiedenen L\u00e4ndern), die sich mehr oder weniger freiwillig zusammengefunden haben, um ein Projekt durchzuf\u00fchren (sie f\u00fchlten sich \u201e\u00fcbrig geblieben\u201c, nachdem die anderen Studenten sich rascher in Gruppen zusammengefunden hatten). Die Gruppe war verkracht \u2013 oder wohl eher frustriert, denn zu einem offen ausgetragenen Disput kam es nicht. Sie behaupteten, eine Zusammenarbeit oder ein Fortschritt des Projekts sei in dieser Konstellation nicht mehr m\u00f6glich. Zum \u201eLernziel\u201c geh\u00f6rte in diesem Fall auch, Konflikte nach M\u00f6glichkeit selbst zu l\u00f6sen. Die Situation war daher schon zugespitzt, als sich die Studenten an die Dozentin wandten mit der Klage, so k\u00e4men sie nicht weiter, sie w\u00fcssten nicht mehr was sie machen sollten.<\/p>\n<p>Auf die Frage, was denn eigentlich los sei, kam die Antwort der zwei Beschwerdef\u00fchrer: \u201eWir machen und tun, schlagen vor, ergreifen die Initiative, und von den anderen kommt nichts, gar nichts.\u201c Klingt bekannt, wenn es um Projektarbeiten geht, und es gibt kaum eine Gruppe, die nicht \u00fcber die feine Zur\u00fcckhaltung eines ihrer Mitglieder klagt. Ein anderer Teil der Gruppe behauptete wiederum, sie k\u00e4men \u00fcberhaupt nicht zu Wort, sie w\u00fcrden sich ja gerne einbringen, doch \u201eman\u201c lege keinen Wert auf ihr Urteil, auf ihre Mitarbeit. Sie seien ebenfalls frustriert, nein, so ginge das nicht weiter, sie w\u00fcrden untergebuttert.<\/p>\n<p>Um festzustellen, was tats\u00e4chlich im Gange war, musste jeder nun einzeln aufschreiben, wie sich der Fortschritt der Zusammenarbeit aus der eigenen Sicht gestaltete und welchen eigenen Beitrag zum Gelingen bzw. Scheitern des Projekts er jeweils leistete. Anhand der Einsch\u00e4tzungen stellte sich ein fast klassischer Ost-West-Konflikt dar: Die forscheren Studenten (aus westlichen Industriestaaten \u2013 USA, Deutschland) hatten sofort die Initiative \u00fcbernommen, sie waren die \u201eMacher\u201c, sie f\u00fcllten jede L\u00fccke (an Zeit, Raum, Sprache) mit ihren Aktivit\u00e4ten. Selbstverst\u00e4ndlich in bester Absicht und in der tiefen \u00dcberzeugung, ihr Projekt voranzutreiben, dem man auch in keiner Weise widersprechen konnte. Zwischendurch h\u00e4tten Sie immer wieder mit einer kurzen Aufforderung versucht, die anderen Studenten (aus \u00f6stlichen L\u00e4ndern \u2013 Osteuropa, Asien) einzubinden, worauf sie sich spontane und vor allen Dingen rasche Reaktionen gew\u00fcnscht h\u00e4tten, genauso wie sie es selbst getan h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Die der mangelnden Kooperation bezichtigten Studenten hatten lange gez\u00f6gert, diese pers\u00f6nliche Einsch\u00e4tzung zu Papier zu bringen. Sie taten dies erst nach mehrmaliger Aufforderung und nach dem Versprechen, dass dies vertraulich behandelt w\u00fcrde. Sie w\u00e4ren selbstverst\u00e4ndlich auf die Vorschl\u00e4ge der ersteren eingegangen, h\u00e4tten ihnen zugeh\u00f6rt und jegliche Kooperation zugesichert. Sie h\u00e4tten auch angeboten, dieses oder jenes zu \u00fcbernehmen (nicht einfach Auftr\u00e4ge zu \u00fcbernehmen, sondern auch selbst Erkundungen einzuziehen, zu recherchieren), doch die anderen (forscheren) seien dar\u00fcber hinweggegangen, h\u00e4tten nicht zugeh\u00f6rt, sondern einfach agiert. Sie f\u00fchlten sich vor den Kopf gesto\u00dfen und \u00fcberrumpelt und da ihre Vorschl\u00e4ge und Beitr\u00e4ge nicht beachtet worden seien, h\u00e4tten sie sich zunehmend zur\u00fcckgezogen und die anderen machen lassen. Auf den Tisch zu hauen und Geh\u00f6r f\u00fcr sich zu fordern sei eben ihre Sache nicht. Das Ergebnis war Frustration, Stagnation und L\u00e4hmung auf beiden Seiten.<\/p>\n<p>Ein gemeinsames Gespr\u00e4ch, in dem dieser Unterschied hervorgehoben wurde und in erster Linie die Macher aufgefordert wurden, doch einfach mal zuzuh\u00f6ren, endete mit ratlosen Gesichtern. Das Ende des Projekts war schon gef\u00e4hrlich nahe ger\u00fcckt. Eine \u00dcberraschung war dann der schriftliche Projektbericht, der eine solide Zusammenarbeit der Gruppe vermuten lie\u00df. Noch \u00fcberraschender war die m\u00fcndliche Pr\u00e4sentation der Gruppe, in der sie sich alle zusammen ins Zeug warfen und einen konsistenten, engagierten gemeinsamen Vortrag darboten. Mit einer solch \u00fcberzeugenden Gruppenleistung hatten die Dozenten nicht gerechnet. Auf die Nachfrage, was passiert sei, meinten sie, sie h\u00e4tten sich um der Note willen eben zusammengerauft. Alle hatten einen kleinen Schritt in die Richtung des anderen getan.<\/p>\n<p>Und als ich mir \u00fcberlegte, was nun die Moral von der Geschichte sein k\u00f6nnte, fiel mir ein: Manchmal sollte man vielleicht \u201eeinfach mal die Klappe halten\u201c! Aber \u2013 Google sei Dank \u2013 das gibt es doch tats\u00e4chlich schon als fertigen Ratgeber!<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Tja, mehr sage ich nicht dazu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Z.B. Saville-Troike, Muriel; Tannen, Deborah (1985). Perspectives on Silence. New Jersey: Norwood<\/em><br \/>\n<em> <a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Watzlawick, Paul, Beavin, Janet H., Jackson, Don D. (2011, engl. Ersterscheinung 1967). Menschliche Kommunikation. Formen, St\u00f6rungen, Paradoxien. Bern: Huber, S. 58.<\/em><br \/>\n<em> <a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Dixon R. M. W. (1972). The Dyirbal Language of North Queensland (= Cambridge studies in linguistics. 9). Cambridge University Press, Cambridge<\/em><br \/>\n<em> <a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Morris, Desmond (1994). The Human Animal Ep. 1 \u2013 The Language in the Body, Dokumentarfilm BBC Nature, abgerufen von: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7qUKiHZbVwc\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7qUKiHZbVwc<\/a>, ab Minute 18:38.<\/em><br \/>\n<em> <a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Scherze-Schade, Sven (2004). Deutsche Radionachrichten: Der Wandel ihres Sprachgebrauchs 1932 \u2013 2001. Dissertation TU Berlin, abgerufen von: <a href=\"https:\/\/depositonce.tu-berlin.de\/bitstream\/11303\/1330\/1\/Dokument_40.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/depositonce.tu-berlin.de\/bitstream\/11303\/1330\/1\/Dokument_40.pdf<\/a>, S. 123.<\/em><br \/>\n<em> <a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Ebenda, S. 129.<\/em><br \/>\n<em> <a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Ebenda, S. 133.<\/em><br \/>\n<em> <a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Klein, Olaf Georg (2002). Warum Ostdeutsche und Westdeutsche aneinander vorbeireden. In: Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung (2002). Deutsche Einheit. Abgerufen von: <a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">http:\/\/www.bpb.de\/apuz\/26714\/warum-ost-und-westdeutsche-aneinander-vorbeireden-?p=all<br \/>\n[9]<\/a> Deutsch-Finnische Handelskammer (o.J.): Finnen sind (etwas) anders. abgerufen von: <a href=\"http:\/\/www.dfhk.fi\/finnland\/kulturunterschiede\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.dfhk.fi\/finnland\/kulturunterschiede\/<\/a><\/em><br \/>\n<em> <a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Topf, Cornelia (2012) Einfach mal die Klappe halten. Warum Schweigen besser ist als Reden. 4. Auflage. Offenbach: Gabal.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Als ich zum ersten Mal von Untersuchungen h\u00f6rte[1], die die Bedeutung des Schweigens f\u00fcr die Kommunikation zum Gegenstand hatten, war ich fasziniert: Dieses \u201eNichts\u201c war nicht nur sehr manifest, sondern auch noch unglaublich vielschichtig. 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