{"id":874,"date":"2015-06-05T12:30:10","date_gmt":"2015-06-05T10:30:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/?p=874"},"modified":"2016-02-03T08:50:01","modified_gmt":"2016-02-03T07:50:01","slug":"echte-liebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/2015\/echte-liebe\/","title":{"rendered":"Audi Dialog: Starke Marke oder \u201eechte Liebe\u201c \u2013 ein Widerspruch?"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>BVB-Marketingdirektor Carsten Cramer beim Audi-Dialog an der Munich Business School<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Markendreiklang, Business Development, Brand Extension \u2013 wer solche Begriffe h\u00f6rt, dachte lange Zeit kaum an Fu\u00dfball. Doch Fu\u00dfballvereine sind heute l\u00e4ngst Unternehmen: Sie k\u00e4mpfen auf dem Platz um Titel und im Markt um Anteile. Dabei m\u00fcssen die Clubs stetig neue Denkans\u00e4tze und Strategien entwickeln, um auch als Unternehmen erfolgreich zu sein. Borussia Dortmund hat sich in den letzten Jahren zu einer starken Marke entwickelt. F\u00fcr die Fans ist der Club aber vor allem echte Liebe. Wie passt das beides zusammen? &#8222;Starke Marke oder echte Liebe?&#8220; \u2013 so lautete das Motto des 13. Audi Dialogs an der Munich Business School. MBS Professor Dr. Dr. h.c. Josef Hackforth hatte Carsten Cramer eingeladen, Direktor f\u00fcr Marketing, Vertrieb und Business Development beim BVB.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Audi-Dialog_Cramer_02-1024x682.jpg\" rel=\"attachment wp-att-876\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-mh-magazine-content wp-image-876 alignleft\" src=\"http:\/\/www.munich-business-school.de\/insights\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Audi-Dialog_Cramer_02-1024x682-678x381.jpg\" alt=\"Audi-Dialog_Cramer_02-1024x682\" width=\"678\" height=\"381\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Josef Hackforth: <\/strong>Wir wollen heute \u00fcber Fu\u00dfball sprechen, \u00fcber die Emotionalit\u00e4t, die echte Liebe einerseits und die Rationalit\u00e4t andererseits, eine Marke zu entwickeln. Beginnen wir mit dem Stichwort \u201eBusiness Development\u201c. Wo sehen Sie f\u00fcr den BVB neue Gesch\u00e4ftsfelder?<\/p>\n<p><strong>Carsten Cramer<\/strong>: Also ich glaube, die gro\u00dfe Herausforderung in dem Bereich der Entwicklung neuer Gesch\u00e4ftsfelder ist das Wertsch\u00e4tzen des Wortes &#8222;Nein&#8220;. Man muss sich die Frage stellen: Wie weit d\u00fcrfen wir uns als Fu\u00dfballverein \u00f6ffnen? Wie weit d\u00fcrfen wir uns vom Kerngesch\u00e4ft entfernen? Was sind das f\u00fcr Gesch\u00e4ftsfelder, die wir besetzen k\u00f6nnen, ohne dabei unsere Glaubw\u00fcrdigkeit zu verlieren?<\/p>\n<p>&#8222;Echte Liebe&#8220; ist f\u00fcr uns keine Kampagne, kein Motto, kein Claim \u2013 sondern unser Markenversprechen. Im Bereich der neuen Gesch\u00e4ftsfelder stellen wir uns immer die Frage: Passt das zu Borussia Dortmund? Auf der anderen Seite sind wir nat\u00fcrlich st\u00e4ndig der Herausforderung ausgesetzt, die Erl\u00f6se f\u00fcr den Verein weiter zu steigern.<\/p>\n<p>Ein Beispiel: Wir haben uns gesagt, auch wieder unter dem Gesichtspunkt des Markenversprechens, wir k\u00f6nnen die Eintrittspreise nicht massiv erh\u00f6hen, obschon die unfassbare Nachfrage einen deutlich h\u00f6heren Preis rechtfertigen w\u00fcrde. Wir k\u00f6nnen nicht einfach \u00fcber das Instrument der Preiserh\u00f6hung mehr Erl\u00f6se generieren. Stattdessen m\u00fcssen wir neue Ideen entwickeln. Und das ist eben die andere Seite des Business Development, sich dann die Frage zu stellen: Wie weit k\u00f6nnen wir gehen? Ich bin froh, auch mal nein sagen zu d\u00fcrfen und zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>JH<\/strong>: Gibt es Branchen, bei denen Sie sagen, das w\u00e4re zuk\u00fcnftig f\u00fcr Sie als Partner oder als Sponsor besonders interessant?<\/p>\n<p><strong>CC<\/strong>: Ich denke, dass es viele Branchen gibt, die zu uns passen. Der idealtypische Partner f\u00fcr einen Fu\u00dfballverein, das beweisen Affinit\u00e4tsstudien, ist immer eine Brauerei. Auch Autos, Mobilfunk oder Finanzdienstleistungen sind Branchen, bei denen die Konsumenten der Branche eine sehr hohe Affinit\u00e4t zum Fu\u00dfball haben; und die Fu\u00dfballklientel umgekehrt auch. Also ich glaube, dass man Branchen fast beliebig erweitern kann.<\/p>\n<p>Aber es gibt nat\u00fcrlich Grenzen: Einmal hat bei uns ein Unternehmen wegen einer Zusammenarbeit angefragt, das mit bin\u00e4ren Optionsscheinen handelt, also quasi Wetten auf Aktien anbietet. Das ist ein gro\u00dfes Wachstumsfeld im internationalen Fu\u00dfball, aber so etwas k\u00f6nnen wir unseren Fans nicht zumuten. Sportwetten sind etwas anderes, aber wer von unseren Fans hat denn Ahnung von bin\u00e4ren Optionsscheinen? Sollen wir Werbung machen f\u00fcr ein Produkt, bei dem 50 Prozent unserer Fans wahrscheinlich eine Menge Geld verlieren? So etwas lehnen wir dann ab.<\/p>\n<p><strong>JH<\/strong>: Da hei\u00dft es dann, andere Ideen zu entwickeln\u2026<\/p>\n<p><strong>CC<\/strong>: Genau. Ein konkretes Gesch\u00e4ftsfeld, das wir vor einigen Jahren besetzt haben, ist der Tourismus. Wir sind jetzt auch als Reiseveranstalter am Markt: Sie k\u00f6nnen etwa einen Wochenendtrip nach Dortmund buchen und in dem Reisepaket ist unter anderem eine Eintrittskarte enthalten. Aber eben noch viele andere Dienstleistungen. Das sind, wie wir glauben, die Gesch\u00e4ftsfelder, die zu Borussia Dortmund passen. Wir k\u00f6nnen so die Marke transportieren und wir k\u00f6nnen damit Geld verdienen \u2013 aber eben auf glaubw\u00fcrdige Weise.<\/p>\n<p><strong>JH<\/strong>: K\u00f6nnen Sie ein Beispiel nennen, wo die Erweiterung der Marke BVB nicht so funktioniert hat wie geplant?<\/p>\n<p><strong>CC<\/strong>: Wir haben einmal gesagt, wir wollen technisch unser eigener Dienstleister werden. Und wir hatten geglaubt, angefangen mit der Programmierung einer eigenen Webpage, solche Services auch an Dritte zu verkaufen. Aber das war ein Tick Markendehnung zu viel. Welcher Verein in der Bundesliga hat schon Lust, sich technische Dienstleistungen von Borussia Dortmund zu kaufen? Ich w\u00fcrde mir als BVB keine von den Kollegen in Gelsenkirchen andrehen lassen, und zwar nicht nur, weil ich dadurch im Zweifel deren wirtschaftliche Leistungsst\u00e4rke unterst\u00fctze.<\/p>\n<p><strong>JH: <\/strong>Echte Liebe oder starke Marke \u2013 sind das Gegens\u00e4tze? Muss man aufpassen, dass man die Marke nicht zu hoch bewertet und die Liebe zu gering?<\/p>\n<p><strong>CC<\/strong>: Ich glaube, dass das im deutschen Fu\u00dfball ausgewogen ist. Es gibt sicherlich hier und da Grenzbereiche, die wir nicht \u00fcberschreiten sollten. Wir m\u00fcssen aufpassen, dass der Fu\u00dfball nicht zu sehr Ziel unternehmerischer Interessen wird. Man muss immer noch das Spiel, den Fu\u00dfball in den Mittelpunkt stellen. Und die echte Liebe, die wir h\u00e4ufig bei Borussia Dortmund aussprechen, die gibt uns dabei Orientierung. Unseren Job m\u00fcssen Sie als Schaufensterputzer verstehen: Wir halten das Schaufenster sauber, aber wir sind nicht f\u00fcr das Produkt verantwortlich.<\/p>\n<p><strong>JH<\/strong>: Man h\u00f6rt immer wieder: Die Bundesliga hat den asiatischen Markt lange vernachl\u00e4ssigt. In Japan oder S\u00fcdkorea sehen sich Fu\u00dfballfans stattdessen die Spiele der Premier League an. Sollte man aus Marketingsicht Spieler aus solchen L\u00e4ndern in die Bundesliga holen, um mehr Aufmerksamkeit f\u00fcr den deutschen Fu\u00dfball zu generieren?<\/p>\n<p><strong>CC<\/strong>: Auch hier gilt: Der Sport gibt vor, im Marketing haben wir nur die Aufgabe, das entsprechend zu inszenieren. Nat\u00fcrlich habe ich mich gefreut, als wir den Japaner Shinji Kagawa das erste Mal verpflichtet haben. Und ich war sensationell happy, als wir ihn das zweite Mal geholt haben. Aber ich bin nicht derjenige, der zu Sportdirektor Michael Zorc geht und sagt: Hey, holt bitte den Kagawa! Dann w\u00fcrde genau das falsch sein, was ich vorhin gesagt habe. Wir sind ein Fu\u00dfballverein! Es darf niemals so sein, dass jemand aus dem Marketing sagt: Holt endlich den ersten Inder!<\/p>\n<p><strong>JH<\/strong>: Gehen wir zum Thema Medienrechte \u00fcber, da hat auch vieles stattgefunden in den letzten Monaten. Denken wir an den Verkauf des Sportmarketing-Unternehmens Infront an chinesische Investoren, f\u00fcr \u00fcber eine Milliarde Euro.<\/p>\n<p><strong>CC<\/strong>: Wahnsinn, ja. Ich glaube, der Inhalt Fu\u00dfball hat einen unsch\u00e4tzbaren Wert. Und wenn man dann wieder den Preis sieht, der daf\u00fcr bezahlt wird, dann ist es ja immer noch ein relativ g\u00fcnstiges Recht, den Fu\u00dfball zu \u00fcbertragen. Vergleichen Sie das mal mit Hollywood und \u00c4hnlichem.<\/p>\n<p><strong>Frage aus dem Publikum<\/strong>: W\u00fcrden Sie es als Borussia Dortmund bevorzugen, sich selbst zu vermarkten? Oder sind Sie froh, dass das die DFL macht, die Betriebsgesellschaft der 1. und 2. Bundesliga?<\/p>\n<p><strong>CC<\/strong>: Wir leben vom gro\u00dfen Ganzen und d\u00fcrfen uns auch nicht wichtiger nehmen, als wir sind. Wir sind Bestandteil der Bundesliga und gerade im Hinblick auf die Internationalisierung hilft es uns, zum Format Bundesliga zu geh\u00f6ren. Umgekehrt fahren wir auch auf dem Zug Bundesliga mit, um das Format zu st\u00e4rken. Manche Dinge k\u00f6nnen wir besser, aber am Ende ist das Leben ein Geben und Nehmen. Da ist die Zentralvermarktung mit ihrem Solidarit\u00e4tsprinzip tadellos.<\/p>\n<p><strong>Frage aus dem Publikum<\/strong>: Wo wir gerade von Internationalisierung reden: Wo sehen Sie in diesem Bereich die zuk\u00fcnftigen Aufgaben? Wo m\u00fcsste sich Borussia Dortmund als Marke weiter aufstellen?<\/p>\n<p><strong>CC<\/strong>: Wir verfahren nach den ganz einfachen, banalen Prinzipien des Markendreiklangs, indem wir sagen: Wer uns nicht kennt, kann uns nicht gut finden. Wer uns nicht gut und sympathisch findet, wird uns niemals konsumieren. Und da die Marke BVB noch nicht so bekannt ist \u2013 also keine Top-Brand wie Real, ManUtd oder Bayern M\u00fcnchen \u2013, m\u00fcssen wir mehr Reichweite generieren. Wir m\u00fcssen bekannter werden, wir m\u00fcssen in den Medien stattfinden, so dass wir in die Haushalte der Menschen fliegen.<\/p>\n<p>Deshalb werden wir auch immer in Gelb-Schwarz spielen. Einige kennen uns noch nicht, aber Gelb-Schwarz, da gibt es nicht viele Wettbewerber. Sieht man ein gelbes Trikot, wei\u00df man, das ist Borussia Dortmund.<\/p>\n<p>Wer uns dann kennt, wird sich die Frage stellen: Finde ich die gut oder nicht? Wenn wir uns als Verein charmant und apart pr\u00e4sentieren, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass man uns sympathisch findet. Und wenn uns jemand sympathisch findet, erh\u00f6ht sich die Wahrscheinlichkeit des Absatzes oder der Verwendung. Deshalb ein wirklich primitives Ziel: Reichweite, Reichweite, Reichweite! Wir wollen stattfinden.<\/p>\n<p><strong>Frage aus dem Publikum<\/strong>: In letzter Zeit sind immer wieder Informationen \u00fcber den BVB in den Medien durchgesickert, was so scheinbar nicht geplant war, etwa der vorzeitige Abschied von J\u00fcrgen Klopp zum Saisonende. Wie gehen Sie damit um?<\/p>\n<p><strong>CC<\/strong>: So etwas l\u00e4sst sich nicht vermeiden bei der Relevanz des Themas. Damit kann man umgehen und wir geh\u00f6ren nicht zu denen, die meinen, Schw\u00e4chen komplett glatt b\u00fcgeln zu m\u00fcssen. Wenn Sie sagen, das ist eine Markenschw\u00e4che, dann lasse ich es gerne zu. Ich definiere es aber nicht als Schw\u00e4che.<\/p>\n<p>Wir haben reagiert, wir waren vorbereitet. Der Tag hat uns etwas \u00fcberrascht, die Nachricht war auch nicht sch\u00f6n, das hat einen schon mitgenommen. Wir sind nun mal sehr emotional und wir haben uns fest geschworen, dass auch Momente der Trauer dazugeh\u00f6ren. Sie k\u00f6nnen nicht echte Liebe predigen, aber die negativen Seiten der Liebe komplett ignorieren und ablegen. Das geh\u00f6rt mit dazu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>BVB-Marketingdirektor Carsten Cramer beim Audi-Dialog an der Munich Business School Markendreiklang, Business Development, Brand Extension \u2013 wer solche Begriffe h\u00f6rt, dachte lange Zeit kaum an Fu\u00dfball. 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