Perspektivwechsel ‒ The New Leadership Skill

(c) Joshua Earle, Unsplash

Dass die Erde eine Scheibe ist, wagte im Mittelalter kaum einer in Frage zu stellen. Dass unser Planet das nicht ist, weiß jeder durch Weltraumaufnahmen. Eine gewisse Distanz, und alles sieht ganz anders aus. Genau diese Herausforderung haben wir in der Arbeitswelt: Durch Perspektivwechsel andere zu verstehen. Gerade durch die Eigenschaft, die Denk- und Handlungsweise anderer zu verstehen, ermöglicht es der Führungskraft, die andere Person besser zu führen und entwickeln zu können.

Die drei goldenen Regeln, um Ihren Perspektivwechsel zu verbessern:

Regel 1: Aufmerksam Zuhören

Grundlage eines Perspektivwechsels ist das Verständnis für seinen Gesprächs- oder Verhandlungspartner. Je mehr er seine Vorstellungen darstellt, desto größer ist die Chance, ihn zu verstehen. Deshalb ermutigen Sie Ihr Gegenüber, zu erzählen. Wenn das nicht hilft, sich durch Zeichnungen oder andere Visualisierung verständlich zu machen. Je kreativer der andere sein kann, desto besser. Mischen Sie sich auf gar kein Fall ein oder kommentieren Sie Dargestelltes. Noch schlimmer: Fangen Sie nicht an, auf dem gleichen Papier oder der Tafel zu schreiben oder zu malen. Das Medium, das der Erzähler benutzt darf von Ihnen nicht berührt oder verändert werden.

Regel 2: Boxen Denken verbieten

Das virtuelle einordnen in „Richtig oder Falsch“ ist uns normalerweise angeboren und hilft uns, in schwierigen Situation (vermeintlich) instinktiv richtig zu entscheiden. Je mehr Lebenserfahrung man hat, desto schneller geht dies. Das ist aber gerade in dieser Situation falsch. Offen das Gesagte aufnehmen und dabei alle möglichen Konsequenzen und Gründe nicht interpretieren. Das ist der richtige Weg. Auch wenn es schwerfällt. Hier kann man die „echten, systemischen“ Coaches  von denen unterscheiden, die sich als Coach ausgeben und bestenfalls Expertenrat, meistens jedoch gutgemeinte, aber oft falsche Haushalts-/Familien-/Berufsratschläge geben. Leider sind es ausgerechnet diese, die den Perspektivwechsel gar nicht mit Ihnen gehen können!

Regel 3: Festigung durch Nachfragen und Rekapitulieren

Man muss die fremde Perspektive durch Nachfragen und Rekapitulieren festigen, bis man die Denkweise nachvollziehen kann. Weitere Details müssen herausgearbeitet werden. Besonders die Erfragung von Glaubenssätze, Lebensweisheiten und Erfahrungen sowie Wertvorstellung sind dabei hilfreich. Wie bei allen Konstrukten, kann ein Bild auch nur soweit vervollständigt werden, wie der Klient oder Mitarbeiter bereit ist, darüber zu sprechen. Ein „Ausfragen“ ist natürlich nicht förderlich und würde in der Beziehung Vorgesetzter-Mitarbeiter zu Irritationen führen.

Perspektivwechsel löst Innovation aus

Sie können auch den Perspektivwechsel bei Ihrem Mitarbeiter oder Klienten auslösen und unterstützen. Beispielsweise kann die Frage „Was würden Sie tun, wenn Sie keinerlei Zeit- und Geldbegrenzungen hätten“ dazu verhelfen, die aktuelle Lebenssituation zu verlassen und in eine andere Perspektive einzutauchen.

Sobald sich jemand von Alltagszwängen befrei(en läss)t, kann er sich oft auf das Wesentliche konzentrieren. Die Sichtweise auf Nicht-Standardlösungen wird dadurch enorm gestärkt! Allein das Gedankenspiel durchzugehen, löst beim Klienten eine unglaubliche Befreiung und einen Innovationsschub aus.

Fazit

Einer der wichtigsten Fähigkeiten der modernen Führungskraft ist, auch die Perspektiven anderer einnehmen zu können. Viele setzten das mit Empathie gleich, was nicht richtig ist. Die Distanz bleibt professionell beim Perspektivwechsel stets gewahrt.

Gerade als Führungskraft ist es eines der wichtigsten Werkzeuge, um andere, motivieren, entwickeln und leiten zu können. Deshalb lassen sich Führungskräfte immer öfter als Business Coach ausbilden, um diese Fähigkeiten zu erlernen.

Prof. Dr. Evelyn Albrecht
Über Prof. Dr. Evelyn Albrecht 24 Artikel
Prof. Dr. Evelyn Albrecht ist Programmdirektorin des Zertifikatslehrgangs Business Coach an der MBS und führt diesen auch selbst durch. Sie studierte Naturwissenschaften, BWL und Philosophie und sammelte anschließend 15 Jahre lang Erfahrungen im Top-Management internationaler Unternehmen. Albrecht arbeitet seit über zehn Jahren als Coach und Autorin, ist Senior Coach des DBVC und QRC und außerdem Mitglied in zahlreichen internationalen Coaching-Verbänden. Zusätzlich lehrt und forscht sie als Professorin für Unternehmensführung und Projektmanagement. Dozentenprofil