Trumps Zölle sorgten für Schlagzeilen: Zölle klingen einfach. Handelspolitik ist jedoch selten einfach.

Trump hat Zölle wieder auf die Tagesordnung gesetzt. Die Wirtschaftswissenschaft zeigt, warum die tatsächliche Situation komplexer ist.


Donald Trumps Zollpolitik hat den internationalen Handel wieder ins politische Rampenlicht gerückt. Die Kernaussage klingt oft ganz einfach: Importe verteuern, heimische Produzenten schützen und die Produktion zurück ins eigene Land holen. Doch so einfach funktioniert Handelspolitik nicht.

In ihrem Artikel in WISU untersuchen MBS-Professor Florian Bartholomae und Karl Morasch von der Universität der Bundeswehr die verschiedenen Instrumente, mit denen Regierungen den Handel beeinflussen, von Zöllen und Einfuhrquoten bis hin zu Subventionen, lokalen Inhaltsanforderungen und Regeln für die öffentliche Beschaffung.

Eine zentrale Erkenntnis ist, dass die Wahl des Instruments eine Rolle spielt.

Ein Zoll und eine Einfuhrquote scheinen auf den ersten Blick dasselbe Ziel zu verfolgen: weniger Importe und höhere Inlandspreise. Ihre weiterreichenden Auswirkungen können sich jedoch erheblich unterscheiden. Ein Zoll ermöglicht es ausländischen Anbietern weiterhin, auf steigende Inlandspreise zu reagieren. Eine feste Quote kann inländische Unternehmen wesentlich stärker vor ausländischer Konkurrenz abschirmen und somit die Marktmacht stärken.

Handelsbeschränkungen können zudem das Verhalten von Unternehmen auf unerwartete Weise verändern. Als in den 1980er Jahren die japanischen Autoexporte in die Vereinigten Staaten begrenzt wurden, reagierten die Hersteller darauf mit dem Export teurerer und hochwertigerer Fahrzeuge. Wenn die Anzahl der Autos begrenzt war, lag es nahe, den Gewinn pro Fahrzeug zu steigern.

Unternehmen können Handelsbarrieren auch umgehen, indem sie Teile ihrer Produktion verlagern. Eine Politik, die darauf abzielt, den ausländischen Wettbewerb zu verringern, kann daher ausländische Direktinvestitionen fördern und internationale Lieferketten neu gestalten.

Aus diesem Grund lässt sich Handelspolitik nicht allein daran beurteilen, ob sie „die heimische Industrie schützt“.

Wir müssen auch fragen:

  • Wer zahlt den höheren Preis?
  • Wer erhält die daraus resultierenden Einnahmen?
  • Wie werden sich die Unternehmen darauf einstellen?
  • Und wie wirkt sich das auf den Wettbewerb, die Produktqualität und die Produktionsstandorte aus?

Die aktuelle Debatte über Zölle ist wichtig. Die wirtschaftlichen Folgen hängen jedoch nicht nur davon ab, in welchem Umfang Regierungen Schutzmaßnahmen einführen, sondern auch davon, wie sie diese gestalten.

Neugierig geworden? Handelspolitik ist Teil vom Bachelor-Elective „Globalization and International Trade“, sowie vom Master- IB-Elective „International Economic Relations“. Herzlichen Glückwunsch an Prof. Dr. Karl Morasch und Prof. Dr. Florian Bartholomae zu dieser Veröffentlichung!