Der Umzug von Indien nach Deutschland, der Aufbau einer internationalen Karriere und die Orientierung in einem neuen beruflichen Umfeld erfordern mehr als nur einen Hochschulabschluss. In diesem Indien-Special von „Future Forward“ gibt der MBS-Absolvent Sachin Bansal Einblicke in seinen eigenen Werdegang – vom Studium des Maschinenbaus in Indien und der Mechatronik in Deutschland über den Erwerb eines MBA in General Management an der Munich Business School bis hin zum Aufbau einer Karriere im Qualitätsmanagement bei der BMW AG.
Doch Sachins Weg an der MBS endete nicht mit seinem Abschluss. Getreu seiner Überzeugung, etwas zurückzugeben, ist er der MBS-Gemeinschaft weiterhin aktiv verbunden geblieben und unterstützt seit mehreren Jahren Studierende als Mentor im MBS-Alumni-Mentoring-Programm. In diesem Interview blickt er auf seine Erfahrungen an der MBS zurück, spricht über den Wert kultureller Anpassung und beruflicher Netzwerke und erklärt, warum das Weitergeben seiner Erfahrungen an die nächste Generation zu einem so bedeutenden Teil seines Weges als Absolvent geworden ist.
Name: Sachin Bansal
Studium an der MBS: MBA in General Management, Abschluss 2012
Aktuelle Position: Sachin Bansal ist Experte für Qualitätsmanagementsysteme und leitender Systemauditor bei der BMW AG in München. Er verfügt über mehr als 20 Jahre internationale Erfahrung in den Bereichen Qualitätsmanagementsysteme, Audits und Prozessverbesserung in den weltweiten Produktionsstätten von BMW. In seiner Arbeit verbindet er Qualitätsmanagement, Audits und Lean-Prinzipien, um Prozessverbesserungen voranzutreiben.
Der Weg von Indien nach Deutschland
Was waren die größten Herausforderungen bei der Eingewöhnung in Deutschland, sowohl in akademischer als auch in persönlicher Hinsicht, und wie haben Sie diese gemeistert?

Es war ein aufregender, aber auch einschneidender Übergang. Der Umzug von Indien nach Deutschland bedeutete, mich an ein anderes Bildungssystem, eine andere Kultur und andere Arbeitsweisen anzupassen und gleichzeitig eine berufliche Identität aufzubauen.
Sprachkenntnisse und kulturelles Verständnis waren wichtig, da effektive Kommunikation voraussetzt, dass man versteht, wie Menschen denken, Entscheidungen treffen, Feedback geben und Beziehungen aufbauen. Das Verständnis des deutschen Arbeitsmarktes und der beruflichen Erwartungen stellte eine weitere Herausforderung dar.
Ich habe diese Herausforderungen durch kontinuierliches Lernen, praktische Erfahrungen, den Aufbau von Beziehungen und die Bereitschaft, Feedback anzunehmen, gemeistert. Mit der Zeit habe ich gelernt, kulturelle Unterschiede nicht als Hindernisse, sondern als Chancen für mein persönliches Wachstum zu betrachten.
Was hat Ihnen an der MBS am meisten dabei geholfen, sich einzuleben, ein Netzwerk aufzubauen und erfolgreich zu sein?
Eine der größten Stärken der MBS war für mich ihre internationale und praxisorientierte Ausrichtung.
Die MBS brachte Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund zusammen und stärkte dadurch meine Kommunikationsfähigkeit, meine Teamfähigkeit und meine Fähigkeit, verschiedene Perspektiven zu verstehen. Besonders wertvoll war für mich die Verbindung zwischen der betriebswirtschaftlichen Ausbildung und den Herausforderungen der Praxis.
Das Netzwerk, das ich an der MBS aufgebaut habe, ist auch nach meinem Abschluss sowohl beruflich als auch privat von großer Bedeutung geblieben.
Welche Unterschiede sind dir beim Studieren oder Arbeiten in Indien und Deutschland aufgefallen?
Beide Umfelder haben ihre Stärken, und ich würde keines davon einfach als besser als das andere bezeichnen. In Indien habe ich Energie, Anpassungsfähigkeit und Eigeninitiative erlebt; in Deutschland Struktur, Prozessdisziplin, Planung und systematische Umsetzung.
Die internationale Arbeit hat mich gelehrt, Anpassungsfähigkeit und Eigeninitiative mit strukturierten Prozessen, Qualität und langfristigem Denken zu verbinden. Dies ist besonders relevant in der Automobilfertigung, wo globale Teams sowohl Disziplin als auch Anpassungsfähigkeit benötigen.
Welchen Rat würdest du Studierenden aus Indien geben, die ein Studium in Deutschland planen oder gerade erst damit begonnen haben?
Seid offen für Neues und erwartet nicht, dass Deutschland einfach nur eine Fortsetzung dessen ist, was ihr bereits kennt. Lernt die Sprache und Kultur kennen, bleibt neugierig, knüpft Kontakte und übernehmt Verantwortung für eure eigene Entwicklung.
Konzentriert euch nicht nur auf den Abschluss, sondern auch auf die Fähigkeiten, Erfahrungen und Beziehungen, die ihr aufbauen möchtet. Eure internationale Erfahrung kann zu einem eurer größten Pluspunkte werden, wenn ihr sie aktiv nutzt.
Durch Mentoring etwas zurückgeben
Sie haben bereits mehrmals am MBS-Alumni-Mentoring-Programm teilgenommen. Was hat Sie dazu motiviert, Mentor zu werden, und was bedeutet es für Sie persönlich, der MBS-Gemeinschaft etwas zurückzugeben?

Ich erinnere mich daran, wie wichtig Unterstützung und persönliche Kontakte während meiner eigenen Reise von Indien nach Deutschland waren. Rückblickend hätten Gespräche mit Menschen, die bereits ähnliche Übergänge erlebt hatten, Zeit sparen und Klarheit schaffen können.
Das hat mich motiviert, am MBS-Alumni-Mentoring-Programm teilzunehmen und praktische Erfahrungen mit Studierenden und jungen Berufstätigen zu teilen.
Die MBS war für meine berufliche Entwicklung von großer Bedeutung, daher ist das Aufrechterhalten des Kontakts eine Möglichkeit, diese Beziehung fortzusetzen. Etwas zurückzugeben muss nicht groß sein. Ein Gespräch, eine Vorstellung, der Austausch von Erfahrungen oder einfach nur Zuhören können schon einen Unterschied machen.
Beim Mentoring geht es nicht darum, jemandem einen festen Fahrplan vorzugeben, sondern darum, Menschen dabei zu helfen, die richtigen Fragen zu stellen und fundierte Entscheidungen zu treffen. Es ist auch eine Möglichkeit, die Gemeinschaft zu stärken, die mich auf meinem eigenen Weg unterstützt hat.
Was sind die häufigsten Fragen oder Herausforderungen, mit denen internationale Studierende zu Ihnen kommen, und welchen Rat geben Sie am häufigsten?
Viele Fragen drehen sich darum, wie man akademische Qualifikationen in Deutschland beruflich nutzen kann. Studierende fragen oft, wie sie sich von anderen abheben, berufliche Netzwerke aufbauen, ihre Deutschkenntnisse verbessern, ihre internationalen Erfahrungen präsentieren und deutsche Arbeitgeber besser verstehen können.
Ein weiteres immer wiederkehrendes Thema ist das Selbstvertrauen. Ein Umzug ins Ausland kann dazu führen, dass man sich fragt, ob der eigene Hintergrund eher ein Vorteil oder ein Nachteil ist.
Mein Rat lautet: Erkenne deine internationale Perspektive als Stärke an und passe dich gleichzeitig an das lokale berufliche Umfeld an. Akademische Qualifikationen mögen Türen öffnen, aber Kommunikation, kulturelles Verständnis, Networking und berufliche Glaubwürdigkeit sind ebenso wichtig.
Von der Ingenieurskunst zum Qualitätsmanagement
Was waren die wichtigsten Meilensteine in Ihrer Karriere, und welche Rolle hat die MBS dabei gespielt?
Meine berufliche Laufbahn begann mit einem Bachelor of Science (B.Sc.) in Maschinenbau in Indien, gefolgt von einem Master of Science (M.Sc.) in Mechatronik an der Technischen Universität Hamburg, wodurch ich mir ein solides technisches Fundament aneignen konnte.
Anschließend baute ich meine Karriere in den Bereichen Automobilindustrie und Qualitätsmanagement auf, was mich zu meiner derzeitigen Position bei der BMW AG als Experte für Qualitätsmanagementsysteme und leitender Systemauditor führte.
Neben meiner beruflichen Laufbahn hat mein MBA in General Management an der MBS meinem technischen Hintergrund eine wertvolle betriebswirtschaftliche und strategische Perspektive hinzugefügt. Die MBS hat mir geholfen, technisches Fachwissen mit betriebswirtschaftlichem Denken zu verbinden, was meine Karriere bis heute unterstützt.
Was ist eine wichtige Erkenntnis aus Ihrem Studium, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Eine wichtige Erkenntnis war, über die technische Lösung hinauszuschauen und den breiteren geschäftlichen Kontext zu verstehen. Eine technisch hervorragende Lösung ist nicht unbedingt auch eine erfolgreiche geschäftliche Lösung. Man muss Menschen, Prozesse, Kunden, finanzielle Auswirkungen, organisatorische Dynamiken und die langfristige Strategie verstehen. Diese Denkweise ist besonders im Qualitätsmanagement von Nutzen, wo Erfolg bedeutet, Systeme zu schaffen, die Organisationen und Menschen dabei helfen, nachhaltig Leistung zu erbringen.
Gibt es besondere Momente oder Erlebnisse aus Ihrer Zeit an der MBS, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?
Am meisten ist mir das internationale Lernumfeld in Erinnerung geblieben.
Ich erinnere mich noch gut an unseren Teambuilding-Kochkurs am ersten Tag in der Kochschule Eisenherz bei München – das hat Spaß gemacht. Auch die internationalen Wochen an der SDA Bocconi und der Singapore Management University waren große Höhepunkte.
Die Zusammenarbeit mit Menschen unterschiedlicher Herkunft hat mir gezeigt, wie wertvoll unterschiedliche Perspektiven sind, und mich gut auf meine internationale Karriere vorbereitet.
Langfristige Beziehungen aufbauen
Inwiefern hat Ihnen Ihr MBS-Netzwerk seit Ihrem Abschluss geholfen, und wie bleiben Sie mit der Gemeinschaft in Kontakt?

Meine Verbindung zur MBS besteht durch Alumni-Aktivitäten, Mentoring und berufliche Kontakte weiter.
Das Netzwerk bietet etwas, was Qualifikationen allein nicht leisten können: Zugang zu unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen. Die Alumni kommen aus verschiedenen Branchen, Ländern und befinden sich in unterschiedlichen Karrierestufen, wodurch sie Einblicke in vielfältige Geschäftsumfelder und Karrierewege bieten.
Berufliche Beziehungen sollten nicht rein geschäftlicher Natur sein. Einige der wertvollsten Beziehungen entstehen aus gemeinsamen Erfahrungen und gegenseitigen Interessen. Ein Alumnus zu sein bedeutet, Teil einer Gemeinschaft zu bleiben und weiterhin Erfahrungen auszutauschen.
Welchen Rat würden Sie Studierenden geben, wenn es darum geht, während und nach dem Studium sinnvolle berufliche Beziehungen aufzubauen?
Warte nicht bis zum Studienabschluss, um mit dem Aufbau deiner Karriere zu beginnen. Sprich mit Absolventen, besuche Unternehmensveranstaltungen, nimm Praktika ernst, knüpfe Kontakte in der Branche, lerne Deutsch und mache dir klar, was du beitragen kannst.
Gehe mit echter Neugier an die Sache heran. Anstatt zu fragen: „Was kann diese Person für mich tun?“, überlege dir, was du lernen kannst, was du beitragen kannst und wie du in Kontakt bleiben kannst.
Halte den Kontakt aufrecht, auch wenn du gerade nichts brauchst, und biete Hilfe an, wann immer du kannst. Dein Netzwerk definiert sich durch die Qualität und das Vertrauen in deinen Beziehungen, nicht durch die Anzahl deiner LinkedIn-Kontakte.
Karriere in der deutschen Automobilindustrie machen
Welche Empfehlungen würden Sie Studierenden geben, die eine Karriere im Qualitätsmanagement oder in der Automobilindustrie anstreben?
Schaffen Sie sich zunächst ein solides Fundament.
Im Qualitätsmanagement und in der Automobilfertigung ist es wichtig, Prozesse, Systeme, Daten, Menschen und Organisationen zu verstehen. Bauen Sie Fachwissen in den Bereichen Qualitätsmanagement, Auditierung und Lean-Prinzipien auf, um wirkungsvolle Prozessverbesserungen und Problemlösungen voranzutreiben.
Da KI und Digitalisierung die Berufswelt weiterhin verändern, wird die Fähigkeit zu lernen und sich anzupassen immer wichtiger. Gehen Sie über die Theorie hinaus und verstehen Sie, wie Prozesse in realen Organisationen funktionieren. Praktische Erfahrung und die Fähigkeit, technisches Fachwissen mit geschäftlichen Anforderungen zu verknüpfen, sind unerlässlich.

Was sollten internationale Studierende, insbesondere aus Indien, über den Berufseinstieg in Deutschland wissen?
Technisches Wissen ist wichtig, aber es ist nur ein Teil des Ganzen.
Verstehen Sie die deutsche Arbeitskultur, kommunizieren Sie klar, seien Sie zuverlässig und lernen Sie, sowohl selbstständig als auch im Team zu arbeiten. Deutschkenntnisse können Ihre Chancen erheblich erweitern, selbst wenn Englisch die Arbeitssprache ist.
Internationale Studierende sollten sich auch bewusst machen, was sie bereits mitbringen: unterschiedliche Perspektiven, internationale Erfahrung, Anpassungsfähigkeit und interkulturelle Kompetenzen. Das Ziel ist nicht, Ihre indische Identität hinter sich zu lassen, sondern sie mit einem fundierten Verständnis des deutschen und europäischen Geschäftsumfelds zu verbinden.
Und zum Schluss: Welchen Rat würdest du einem MBS-Studierenden aus Indien geben, der sich gerade in derselben Situation befindet wie du damals?
Sei geduldig mit dir selbst, gehe aber deine Zukunft aktiv an.
Schaffe ein solides Fundament, bleibe neugierig, lerne von anderen, entwickle fachliche und soziale Kompetenzen, baue dir frühzeitig ein Netzwerk auf und sei offen für neue Chancen.
Und vor allem: Glaube daran, dass dein Weg von Indien nach Deutschland zu einer einzigartigen beruflichen Stärke werden kann.
Das Interview führte Dr. Lea Krähahn, Head of Alumni Relations an der Munich Business School.