Mein Auslandssemester: Jonas @ National Taiwan Normal University

MBS Jonas Reiner NTNU

Jonas Reiner, Student im Programm Master International Business an der MBS, verbringt gerade sein Auslandssemester an der National Taiwan Normal University (NTNU) in Taipeh. Hier berichtet er regelmäßig von seinen Erfahrungen.


Update: ein paar Gedanken zum Abschluss – und ein neues Abenteuer

Mein zweites MBA-Semester an der NTNU in Taipeh neigt sich dem Ende zu und ich werde bald meine Abschlussarbeit einreichen. Ich habe mich entschieden, die Arbeit an der NTNU zu schreiben, weil ich hier fantastische Unterstützung für mein neues Projekt gefunden habe: die Gründung eines kooperativen Skillsharing-Netzwerks für lokale Dienstleistungen. Im Rahmen meiner Diplomarbeit habe ich an meiner Startup-Idee gearbeitet und Marktforschung durchgeführt, die notwendig ist, um das Geschäftsmodell zu entwickeln.

Das Ende meines MBA-Studiums in Taiwan hat sich für mich als Start in eine neue Ära herausgestellt. Deshalb habe ich mich entschlossen, meinen Aufenthalt in Taiwan zu verlängern und tiefer in das Thema Blockchain einzutauchen. Die größte Universität Taiwans (NTU) bietet sogar einen Blockchain-Kurs an, den ich im letzten Semester belegt habe. Dort wird in Gruppenprojekten daran gearbeitet, entweder effizientere Blockchain-Lösungen zu entwickeln oder bestehende Blockchain-Technologien auf neue Use Cases anzuwenden.

Interessanterweise sind Gespräche mit den Taiwanesen inspirierend und großartig, da Meinungen hier frei und respektvoll geäußert werden können. Diese offene Denkweise lässt Innovationen zu. Dank dieser Mentalität hat sich Taipeh zu einem der Blockchain-Hotspots in Asien entwickelt. Das könnte mir helfen, Investoren zu finden – und hier den perfekten Markt zu finden.

Während es in Taiwan einen kleinen Blockchain-Boom gibt, nehmen die Spannungen mit China zu. Es scheint, als hätte Peking seine diplomatische Strategie geändert. Es versucht nun, die Souveränität der Insel zu untergraben und sie von der internationalen Gemeinschaft zu isolieren. Vor kurzem haben Panama und die Dominikanische Republik ihre diplomatische Anerkennung Taiwans beendet. Wie auch immer sich die Spannungen und die politische Situation entwickeln, ich hoffe, dass Innovation, Offenheit und Kreativität in Taiwan erhalten bleiben.

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Themen wie diese diskutiert man am besten an einer der heißen Quellen im Nationalpark Yangmingshan, der in der Nähe von Taipeh liegt. Es gibt dort eine bestimmte natürliche heiße Quelle, die zu meinen Lieblingsplätzen in der Umgebung gehört. Der Geruch von Schwefel, die Ursprünglichkeit der Natur und die totale Abschottung von der geschäftigen Stadt machen die extrem heiße Quelle zu einem tollen Ort, besonders im Winter.

Mit diesem Beitrag möchte ich mich verabschieden. Ich hoffe, dass euch meine kurzen Einführungen in die Kultur und das Studentenleben in Taiwan gefallen haben und ihr selbst einmal nach Taiwan kommt. Wenn ihr Fragen habt, zögert nicht, mich auf Linkedin zu kontaktieren oder mich in Taipeh zu besuchen. Bevor ich neue Abenteuer in Taipeh und Asien beginnen kann, werde ich allerdings den Sommer in München genießen. Es wird langsam zu heiß und feucht in Taiwan, der Juli ist hier eine Qual.


Update: Erdbeben und das chinesische Neujahrsfest

Taiwan ist durch die Kollision tektonischer Platten entstanden, weshalb es dort überall zu vulkanischen Aktivitäten kommt. Das hat den Vorteil, dass es jede Menge schöne natürliche Thermalquellen gibt. Besonders im Winter ist es phänomenal, ein heißes Bad in einer solchen Thermalquelle zu nehmen, zum Beispiel im Taroko-Nationalpark.

Auf der anderen Seite entstehen durch die vulkanischen Aktivitäten gefährliche Erdbeben. Ihr habt vielleicht in den Nachrichten gehört, dass wir hier in letzter Zeit viele sehr starke Erdbeben hatten. Letzte Woche habe ich etwa 20 bis 30 kleine Erdbeben gezählt, die ich direkt fühlen konnte. Darunter befand sich auch ein großes mit einem Wert von ca. 6,4 auf der Richterskala. Alles zitterte, und ich hatte Angst, dass meine Schränke herunterfallen oder die Wände einstürzen – vor allem, weil viele Gebäude in Taipeh illegale Zusatz-Etagen oder Raumerweiterungen für Restaurants im ersten Stock haben, die die Bausubstanz destabilisieren. Man nimmt an, dass fast 95 % aller Gebäude in Taipeh illegal saniert sind.

Ich stimme mit meinem Mitbewohner Mathias (mein norwegischer Kommilitone an der MBS) darin überein, dass Erdbeben beängstigend und aufregend zugleich sind. Bemerkenswert sind auch die Notfallmeldungen, die bei einem Erdbeben an jedes Smartphone gesendet werden. Letztendlich wurde in unserem Haus nichts zerstört, auch nicht während des großen Erdbebens, worüber ich sehr erleichtert war.

Am 16. Februar haben wir das chinesische Neujahrsfest gefeiert. Ich habe diesen besonderen Tag mit meinem Kommilitonen und seiner taiwanesischen Gastfamilie verbracht.

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Dabei habe ich erst so richtig verstanden, dass das chinesische Neujahr mehr ist als Hot-Pot, Mahjong, rote Umschläge (darin sind kleine Geldgeschenke für Kinder) und Feuerwerk; es ist auch ein wichtiges religiöses Ereignis. In Taiwan gibt es zwei Hauptreligionen, den Buddhismus und den Daoismus (eine chinesische Volksreligion, in der mehrere Götter verehrt werden, wie der Gott des Feuers, der Sonne, des Mondes, der Prüfungen, der Beziehungen, des Geschäfts usw.). Manchmal vermischen sich diese beiden Religionen ein wenig.

Mein Kumpel und seine Familie sind Buddhisten, und so luden sie mich zu einem sehr intensiven Retreat ein! Ich war beeindruckt, die Gebete und Meditationen meines Kumpels und seiner Familie zu erleben und ihre interessanten Erklärungen zu hören. Dabei habe ich auch herausgefunden, dass Buddha eigentlich kein Gott ist, sondern eher so etwas wie der höchste Zustand von Perfektion/Reinheit, den Siddhartha Gautama erreicht hat – und den jeder erreichen kann. Aber je mehr ich lerne, desto mehr Fragen habe ich. Ich habe noch einen langen Weg vor mir, aber zum Glück habe ich noch mindestens fünf Monate vor mir.

Insgesamt hatte ich in Taiwan einen angenehmen Semesterurlaub mit Temperaturen um die 20 Grad! Alles Gute für das neue Semester, ich hoffe, wir sehen uns bald in Taiwan!


Update: Das erste von zwei Semestern in Taiwan neigt sich dem Ende zu. Heute berichtet Jonas vom abenteuerlichen Straßenverkehr in Taiwans Hauptstadt

Heute melde ich mich wieder mit ein paar Updates aus Taiwan! Wie letztes Mal schon angekündigt, möchte ich euch heute etwas vom verrückten Straßenverkehr erzählen.

Schon zu Beginn meines Aufenthaltes habe ich mir nämlich, der Kultur entsprechend, einen Scooter (125cc) gekauft und mache damit die Straßen noch unsicherer, als sie ohnehin schon sind. Scooterfahren in Taiwan ist zwar höchst gefährlich, aber auch der größte Spaß, den man sich vorstellen kann!

Zu Stoßzeiten kann es vorkommen, dass Dutzende Scooter über die Kreuzungen jagen. Unter diesen Umständen ist es umso erstaunlicher, dass der gesamte Straßenverkehr in Taiwan höchst professionell organisiert und strukturiert ist. Manchmal gibt es sogar spezielle Straßen für Scooter, für Linienbusse und Highways für Autos. Durch die Trennung des Verkehrs in verschiedene Fahrbahnen wird gewährleistet, dass man wirklich schnell durch die City kommt. Besonders verrückt wird die Linienführung aber dann, wenn man als Rollerfahrer links abbiegen möchte. Um den entgegenkommenden Verkehr oder die linksabbiegenden Autos nicht zu behelligen, muss man nämlich auf spezielle rechteckig markierte Scooter-Flächen auf der rechten Seite fahren und warten, bis man mit dem eigentlich von rechts kommenden Verkehr geradeaus weiterfahren kann.

Um mich bestmöglich auf den Verkehr vorzubereiten habe ich sogar die lokale Fahrprüfung abgelegt. Dabei muss man in der praktischen Prüfung einen Parcours mit fingierten und standardisierten Verkehrssituationen durchfahren. Das klingt simpler, als es ist. Die Schwierigkeit besteht nämlich bei der sehr langsamen Befahrung einer zehn Meter langen Linie in MEHR als sieben Sekunden. Mit ein bisschen Übung habe ich das dann auch endlich geschafft… Applaus, Applaus, Applaus!

Herrlich sind vor allem die Ausfahrten in die Natur. Über Gebirgslandschaften, Teehügel, Nationalparks, Flussufer oder Küstenlandschaften kommt man einfach am besten mit einem Scooter!

Abends gehe ich ganz gerne mal mit Freunden ins Stadion und schaue mir Basketball-, Baseball- oder Fußballspiele an. Bemerkenswert ist, dass die taiwanischen Nationalteams bei Länderspielen keine Trikots mit der „offiziellen“ ROC-Nationalflagge tragen, sondern individuelle Neukreationen oder das Logo der Olympiaflagge „Chinese Taipei“. Das tut dem Nationalstolz und der emotionalen Stimmung allerdings keinen Abbruch.

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An dieser Stelle möchte ich mir einen kleinen Seitenhieb an die globale Kommerzialisierung des Sports erlauben: In der taiwanischen Basketballliga gibt es sieben Teams, die allesamt von großen Unternehmen unterhalten werden. So passiert es dann, dass die Fans und Banker des Teams „Bank of Taiwan“ gegen die Brauer von „Taiwan Beer“ auflaufen. Herrlich inszeniert mit Fähnchen und Animateuren! Ein Hoch auf den – im Mittelpunkt stehenden – Sport!

Im neuen Jahr melde ich mich wieder mit einem Livebericht vom chinesischen Neujahrsfest, das am 16. Februar gefeiert wird.


Update: Nach einigen Wochen in Taiwan berichtet Jonas heute von der Glücksspiel- und Teekultur in seinem Gastgeberland

Obwohl Glücksspiele in Taiwan verboten sind, ist das alte chinesische Spiel Mahjong hier sehr beliebt. Es wird mit vier Spielern und um erstaunlich hohe Summen gespielt.

Die traditionellen Spielregeln sind ähnlich denen der modernen Version des Spiels, „Rummikub“, aber viel komplexer. Die Spiele entpuppen sich als lebhaft und laut. Die Spieler schreien „吃“ (chi – essen) und „碰“ (Peng – stoßen), um Steine zu stehlen und die Gunst der Stunde zu nutzen, um schmutzige Witze zu machen. Glaubt mir, Mahjong zu spielen macht viel Spaß und ist definitiv meine bisher beste Erfahrung in Taiwan.

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Jonas beim Mahjong-Spielen mit taiwanesischen Kommilitonen.

Während eines typischen Spielabends trinken die Leute normalerweise „Taiwan Beer“ oder „Gaoliang“ (ein starker Hirselikör), aber die einheimischen Studenten trinken eigentlich nicht viel Alkohol. Das gängigste Getränk für Mahjong und Studentenpartys ist TEE! Sehr überraschend, nicht wahr? Meine Freunde und ich holen uns einfach einen Bubble Tea vom nächsten Teeladen die Straße runter. Die Teehausketten bieten eine große Vielfalt an Aromen und Teesorten und man wählt die Temperatur, den Süßegrad und die Art der Bubbles (aus Tapioka oder Fruchtgummi). Ich persönlich bestelle Lemon oder Peach Oolong Tee mit Eis und Standardsüße, aber ohne Bubbles. Meine taiwanesischen Freunde bevorzugen schwarzen Tee mit Milch und Bubbles. Eine 500ml-Tsse kostet etwa 1,50 €.

Das bringt uns zu einem weiteren interessanten Teil der taiwanesischen Kultur, der Teekultur!

Das Trinken von heißem, frischem Tee wird hier genauso zelebriert wie in Japan. Nach alter chinesischer Tradition trinken die Menschen den Tee aus kleinen, filigranen Teetassen, über die sie immer wieder heißes Wasser gießen, um sie warm zu halten. Wenn ich die reichen Aromen der berühmten taiwanesischen Tees genieße, fange ich sofort an, mit den Einheimischen über Duft und Geschmack zu sprechen. Ich muss aber zugeben, dass ich meine Schwierigkeiten damit habe, die verschiedenen Geschmacksrichtungen zu unterscheiden. Wer weiß, vielleicht geht es den Einheimischen genauso. Trotzdem mögen es die Chinesen gerne, über Tee zu plaudern und dabei eine gute Zeit zu haben.

Ein perfekter Ort, um dem hektischen Stadtleben zu entfliehen, sind die Teehügel von Maokong, südlich von Taipeh gelegen. Kleine Teehäuser bieten für nur 10 € pro „tea session“ einen atemberaubenden Blick über die Teefelder und die Skyline. Kann man sich einen besseren Platz vorstellen, um Mahjong zu spielen?

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Jonas (3. von rechts in der hinteren Reihe) mit seinen Kommilitonen. Auch Jane Wang (2. von links), Blerta Xibri (3. von links) und Mathias Grevstad Heuch (2. von rechts in der hinteren Reihe) sind MBS Studenten, die ihr Auslandssemester an der NTNU verbringen.

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Nächstes Mal erzähle ich etwas über Taiwans berühmte Kau-Nuss „Bing Lang“ (槟榔 – Betelnuss) und warum Motorroller rechts abbiegen müssen, wenn sie eigentlich nach links wollen!


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Warum hast du dich für die National Taiwan Normal University entschieden?

Taiwan ist ein wunderbares Land im Herzen Asiens. Ich habe schon 2014 während meines Bachelor-Studiums mein Auslandssemester hier verbracht und war beeindruckt von der tollen Landschaft, dem angenehmen Lebensstil, der interessanten Kultur, der Geschichte und der fantastischen Küche. Das Mandarin Training Center an der NTNU ist eine der besten chinesischen Sprachschulen in Asien und bietet mir eine perfekte Lernumgebung. Kurz gesagt: Ich möchte das Land noch besser kennenlernen und außerdem mein Chinesisch verbessern.

Was erhoffst du dir von deinem Auslandssemester?

Mein größtes Ziel ist es, meine Sprachkenntnisse auf ein Level zu bringen, das es mir ermöglicht, im Alltag fließend Chinesisch zu sprechen. Außerdem versuche ich, so weit wie möglich in die taiwanesische Kultur einzutauchen. Das MBS Buddy Program stellt bereits im Vorfeld den Kontakt zu internationalen Studierenden her und hilft, gute Beziehungen aufzubauen. In die lokale Kultur einzutauchen ist ein unglaubliches Gefühl. Gestern Abend zum Beispiel haben wir Mahjong gespielt. Man weiß, dass man auf dem richtigen Weg ist, wenn man beim Spielen schlechte Steine bekommt und plötzlich auf Taiwanesisch flucht.

Was ist deiner Meinung nach an der National Taiwan Normal University anders als an der MBS?

Das Studientempo ist definitiv angenehmer und das Leben im Allgemeinen bequemer. Das gibt mir die Möglichkeit, das Land und seine Menschen zu erkunden. Ich genieße auch das Campusleben an der NTNU, es gibt eine große Vielfalt an verschiedenen Kursen. Dies ist nur ein Beispiel für die Pluralität, die man hier überall spüren kann. Und nicht zuletzt macht das im Vergleich zu Deutschland niedrigere Preisniveau hier vieles leichter.