Sophie @ Tongji University

Ihr Auslandssemester hat SBC-Studentin Sophie Drewa an der Tongji University in Shanghai, China, absolviert. Was sie dort alles erlebte, berichtet Sophie hier im SBC Auswärts-Blog.

Warum hast du dich für diese Partnerhochschule entschieden?

Sowohl das Land und die Leute als auch die Tongji University, eine der renommiertesten Universitäten Chinas, waren die Hauptgründe für meine Entscheidung. Aber warum gerade China und Shanghai? Sicher hätte auch ein Auslandsemester in den USA, Kanada oder Australien viele Überraschungen und neue Erfahrungen mit sich gebracht, doch ich wollte etwas Neues, ganz anderes, das unserer europäischen Kultur nicht so sehr ähnelt, erleben.

Die Entscheidung fiel auf China, weil es mich reizte, miterleben zu können, wie sich eine so alte und traditionsreiche Kultur mit einem rasanten volkswirtschaftlichen Aufstieg im täglichen Leben versteht. Shanghai auf dem Weg zur Weltmetropole schien dafür die beste Wahl zu sein. Hinzu kamen natürlich auch viele positive Erfahrungen von Freunden, die bereits hier gelebt haben oder häufig beruflich im Land der Mitte unterwegs sind.

Wie unterscheidet sich das Studentenleben im Ausland von deinem Freizeit- und Studienalltag in Deutschland/München?

Tongji UniversitySHANGHAI UND UMGEBUNG
Die größten Unterschiede sind die fremde Sprache und die Masse an Menschen. Beides stellte sich vor allem zu Beginn als eine schwer zu überwindende Herausforderung dar. Auch nach drei Monaten war es sehr schwer für mich, die Einheimischen zu verstehen, geschweige denn mit ihnen zu kommunizieren.

Hier wird es nie langweilig! Der Boom und die Aufbruchsstimmung sind überall spürbar. Die Stadt scheint nie zu schlafen, überall werden neue Wolkenkratzer und Luxus-Wohnkomplexe gebaut und an jeder Ecke lauert eine neue Überraschung. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Doch schaut man genau hin, findet man zwischen den modernen Wolkenkratzern noch reichlich traditionelles Flair. Das unmittelbare Nebeneinander von Arm und Reich spiegelt sich nicht nur in der Bebauung wider. Auch die Größe der Stadt ist nicht zu begreifen, denn selbst aus dem 41. Stock ist kein Stadtrand in Sicht, während man in München bei gutem Wetter vom Monopteros aus die Alpen sehen kann.

FREIZEITAKTIVITÄTEN UND STUDENTENLEBEN
Die traditionsreiche Uni und der riesige Campus sind nicht vergleichbar mit eher kleinen, deutschen privaten Hochschulen. In den Pausen ertönt auf dem Campus klassische Musik, es gibt Cafés, Mensen, Fahrradhändler, Bekleidungsshops, Supermärkte, Sportmöglichkeiten und vieles mehr. Das Angebot an Freizeitmöglichkeiten ist in Shanghai sehr groß, von Sightseeing-Touren über wunderschöne Parkanlagen, Shoppen auf dem Fake Market, KTV (Karaoke) oder kulinarische Köstlichkeiten, bis hin zu schweißtreibenden Laser Tag Battles ist alles möglich. Zum Nachtleben sag ich mal: es wird seinem Ruf gerecht. Wer mal eine kurze Pause braucht, kann ja aufs Land fahren.

WOHNEN
Man wohnt in Hochhäusern mit 25-40 Stockwerken, wenn man Glück hat, ist das Rooftop freizugänglich – und wo in Deutschland hat man schon die Möglichkeit, in dieser Höhe mit Blick auf eine bunt leuchtende Stadt ein Bier zu trinken oder eine Freeletics-Einheit zu starten. Möchte man allerdings in einer Wohnung mit deutschem Standard im Stadtzentrum leben, zahlt man auch Münchner Preise.

FINANZEN
Natürlich scheint das Leben hier auf den ersten Blick viel günstiger zu sein als in München, denn ein Essen im Restaurant gibt es beispielsweise schon für unter 3 Euro. Doch durch das große Angebot an Freizeitmöglichkeiten bleibt am Ende des Monats meist nicht mehr übrig als daheim. Ein Nebenjob ließe sich vom Aufwand her gut mit dem Auslandsstudium verbinden, jedoch ist es mit einem Studentenvisum nicht erlaubt, einen bezahlten Job auszuüben.


Tongji UniversityWas war deine beste/ schlimmste/ lustigste Erfahrung im Ausland?

„Ich bin ein Star, holt mich hier raus“… Ähnlich kuriose Köstlichkeiten wie im Dschungelcamp gibt es hier an jeder Ecke: Entenfuß, Schweinekopf, 100 Jahre alte Eier, Schildkröten usw.

Aber noch viel überraschender für mich: Eine Freundin und ich haben unsere Sightseeing-Tour am Bund, der Uferpromenade von Shanghai, gestartet und sind selbst zur Sehenswürdigkeit geworden – da können der Pearl Tower und der Flaschenöffner einpacken. Zuerst wurden wir nur heimlich fotografiert, während wir auf den Stufen mit Blick auf Pudong unser Frühstuck genießen wollten. Doch nach und nach kamen einige Chinesen auf uns zu, zückten ihre Handys und stellten sich vor uns, um uns abzulichten (was natürlich noch mehr Fotografen anlockte). Gefühlt jede vorbeikommende Person, und das sind nicht wenige an einem Samstagvormittag am Bund, wollte nun mit uns ein Bild haben.

Wie war das sportliche Angebot an der Partnerhochschule?

Auf dem Campus gibt es sicher diverse Möglichkeiten Sport zu treiben, leider ist es nicht immer ersichtlich, was alles möglich ist bzw. wie es möglich ist, daran teilzunehmen. Zu Beginn des Semesters gibt es wohl einen Tag, an dem alle Sportarten auf dem Kunstrasen vorgestellt werden, den haben wir allerdings verpasst.

Bisher waren wir in folgenden Sportarten am Campus aktiv: Fitness, Badminton, Tischtennis, Tennis, Fußball, Schwimmen. Fitness-Studios mit europäischem Standard sind vorhanden. Die monatlichen Gebühren sind geringer als in Deutschland. Auf der Straße, nahezu an jeder Kreuzung gibt es ab ca. 20 Uhr „Tanzkurse“ zu chinesischer Musik, sowohl Paartanz, als auch eine Art Zumba. In den zahlreichen Parks gibt es Fitnessgeräte und Trimm-dich-Pfade.

Natürlich haben wir auch große Sportveranstaltungen besucht, darunter ein Super-League-Fußballspiel der Shenhua im Stadion, bei dem wir ein paar Gesichter aus der Bundesliga wiedererkannt haben. Auch beim ATP Rolex Masters waren wir. Dort durfte ich auch erstmalig feststellen, dass auch Tennis spannend sein kann.

Welche Tipps und Anregungen hast du für zukünftige Studenten an der Partnerhochschule?

Wir haben in der Einführungsveranstaltung gesagt bekommen: „Make Chinese friends“, und das solltest du definitiv tun, denn es ist sehr gut, jemanden zu haben, der die Kultur und die Sprache kennt und dir z.B. beim Fahrradkauf, bei der Wohnungssuche oder einfach nur beim Bestellen im Restaurant hilft.

Für alles Organisatorische, das mit der Uni zu tun hat, kannst du dich jederzeit an Jack Ma, unseren Betreuer an der Tongji Universität, wenden, er ist sehr nett und hilfsbereit. Außerdem solltest du dich frühestmöglich für die Kurse anmelden, da die interessanten Veranstaltungen schnell ausgebucht sind.

Um hier zu „socializen“, brauchst du unbedingt die „WeChat App“, über die du nicht nur mit deinen neuen Freunden in Kontakt stehst, sondern auch mit den Promotern der Clubs oder zu Anfang mit den Vermietern/ Maklern kommunizierst.

WOHNEN
Am sinnvollsten ist es wohl, sich vor Ort mit anderen zusammenzutun und sich mehrere Wohnungen anzuschauen, damit man ein Gefühl dafür bekommt, welche Erwartungen zu welchem Budget passen. Aber vergesst nicht, euren chinesischen Freund mitzunehmen!

Die meiner Meinung nach schönsten und vermutlich auch teuersten Wohngegenden sind das French Concession und der Bereich zwischen People’s Square und Nanjing, Road West. Schöne Wohngegenden nahe der Uni sind Rainbow City/ Linping Lu/ Siping Lu (Heping Park, zwischen Uni und Innenstadt, 10 Min. Fahrradweg zur Uni; zwei Stationen mit der Metro, viele Austauschstudenten), Hongkou Football Stadium (Luxun Park, riesige Shopping Mall, Stadion, 15 Min. mit dem Fahrrad zur Uni, drei Stationen).

Welches Fazit ziehst du aus dem Auslandssemester und was nimmst du für die Zukunft mit?

Was ich auf jeden Fall noch mit in die Zukunft nehme, ist der Hunger nach mehr. Die Zeit in China hat mich begeistert und darin bestärkt, mehr zu reisen und damit viele weitere Kulturen und Menschen kennenzulernen.

Außerdem wird man in China, wie bereits von mir beschrieben, aufgrund der vielen Unterschiede zu Deutschland, täglich auf die Probe gestellt, sodass es ich feststellen konnte, es lässt sich mit Gelassenheit und etwas mehr Geduld viel leichter leben.