Exportweltmeister Deutschland: Warum die Deutschen so erfolgreich exportieren

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Das Jahr 2014 neigt sich dem Ende entgegen und ein neues Jahr steht bereits in den Startlöchern. Gerade für die Bundesrepublik war 2014 ein voller Erfolg: Nicht nur im Fußball, auch im Exportieren haben wir weltmeisterliche Fähigkeiten. Und das ist weltweit bekannt. „Made in Germany“ steht für Qualität, Effizienz und Präzision – auf internationaler Ebene. Produkte aus Deutschland sind auf der ganzen Welt beliebt und gefragt. Zu den Top 10 Exportschlagern gehören unter anderem pharmazeutische Produkte, Metalle oder LKWs: Deshalb holen sich die Deutschen den Titel „Exportweltmeister“ Jahr für Jahr.

1. Historische Gründe für den Erfolg

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts bestand Deutschland aus einer Ansammlung von Kleinstaaten. Die Deutschen lernten also früh zu internationalisieren, um unternehmerisch zu wachsen. Nimmt man dazu jahrhundertalte Kompetenzen und traditionelle Cluster wie etwa die Produktion des ersten Automobil von Carl Friedrich Benz, die Entwicklung des Buchdrucks in Mainz oder die Entstehung des Mobilfunks mit dem GSM-Systemsimulator von Rohde & Schwarz, dann hat man die perfekte Mischung für den Titel. Auch die dezentrale Strukturierung verhilft den Deutschen immer wieder zum Rekord. Spitzen-Unternehmen finden sich nicht nur in wenigen Kompetenzzentren, sondern sind in der gesamten Bundesrepublik zu finden. Die Weltmarktführer und Hidden Champions verteilen sich also in ganz Deutschland, sodass es nur wenige Regionen mit einer schwächeren Wirtschafts – und Infrastruktur gibt. Das macht Deutschland zu einem starken Wirtschaftspartner.

2. Das deutsche Bildungssystem

Die Deutschen dürfen sich im internationalen Vergleich eines exzellenten Ausbildungssystems rühmen: es ist weitestgehend für alle zugänglich und kostenfrei, sodass jeder die Chance auf eine den Wünschen und Qualifikationen angemessene Bildung erhalten kann. Darüber hinaus bietet es vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten wie beispielsweise verschiedene Schulformen, Lehre, Universitätsstudium oder ein Studium an der Fachhochschule. Das Duale Studium ist ein weltweit einmaliges System, das zum Erfolgsgeheimnis beiträgt. Insbesondere in den Themenbereichen Technologie und Betriebswirtschaft glänzen die Exportweltmeister. Außerdem ist die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Forschungseinrichtungen hier zu Lande sehr gut ausgeprägt. Als Beispiel dafür ist die Allianz für Innovation aus Fraunhofer Institut , Munich Business School und UNITY AG zu nennen, die in verschiedenen Disziplinen international agiert. Für Industrieunternehmen sind Forschungseinrichtungen neben den Kunden die wichtigsten Geschäftspartner.

3. Kunden- und marktzentrierte Ausrichtung der Entwicklung

Wichtigster Baustein des Exporterfolgs: seine Zielmärkte kennen. Und die damit einhergehenden dortigen Gepflogenheiten, lokalen Bedürfnisse und Anforderungen. Das World Wide Web und Social Media ermöglichen uns eine einfache und schnelle Informationsbeschaffung. Nur so können unternehmerische Konzepte und Produkte exakt auf den Kunden abgestimmt werden und zur vollsten Zufriedenheit beitragen. Das Erkennen dieser Faktoren und die Berücksichtigung in der jeweiligen Entwicklungsarbeit ist die entscheidende Aufgabe deutscher Trendscouts. Folge: Neue Konzepte und technische Lösungen entstehen, die markt- und bestenfalls sogar kundenspezifisch gestaltet werden. Dies geschieht meist durch Komponenten, die modular aufgebaut sind und sich auf kundenwahrnehmbarer Ebene, also überall dort, wo der Kunde mit dem Produkt in Interaktion tritt, anpassen lassen. Die richtige Balance zwischen zentraler, ethnozentrisch geprägter Entwicklung von Technologien und Antizipation sowie Adaption von dezentralen, polyzentrisch geprägten Marktgegebenheiten zu finden, ist hierbei das A und O

4. Die Aufgabe der Partnerschaft   

Stabile Partnerschaften sind ein wertvolles Gut, um derartig auf lokale Anforderungen eingehen zu können. Häufig entstehen im Ausland lokale Niederlassungen deutscher Unternehmen, die von einer Doppelspitze geführt werden. Hierbei übernimmt die Leitung der Niederlassung ein einheimischer Manager, der über das nötige Marktwissen und das Netzwerk verfügt. Dazu kommt ein aus Deutschland beauftragter Manager, der wiederum das erforderliche Technologiewissen und das unternehmerische Netzwerk mitbringt. Diese Zusammenarbeit bestimmt das Erfolgsmodell, das in weiteren Expansionsschritten auf andere Zielmärkte übertragen wird.

Einfach aus dem Arm schütteln lassen sich die Erfolge aber nicht. Das Vorhaben ist aufwändig, zeitintensiv und sollte auf keinen Fall unterschätzt werden. Und nicht zuletzt tragen die vielfach nachgesagten deutschen Tugenden Disziplin, akkurate Planung und Beharrlichkeit entscheidend zu dem internationalen Erfolg bei. Und mit dem Wissen über kulturelle Unterschiede entsteht ein Modell der Zusammenarbeit, bei dem sich die jeweiligen Kulturen annähern und gegenseitig respektieren. Eine raffinierte Mischung also aus Kultur, Tradition, Innovation und Bildung, die nicht so leicht zu kopieren ist.

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Prof. Dr. Heiko Seif
Über Prof. Dr. Heiko Seif 21 Artikel
Prof. Dr. Heiko Seif, PhD. studierte Ingenieurwesen am Karlsruher Institut für Technologie und promovierte an den Universitäten Stuttgart und Preßburg mit einer Arbeit über die Internationalisierung osteuropäischer Unternehmen im Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft. Parallel zu seiner 4-jährigen Promotion arbeitete er als Berater bei der Con Moto Consulting Group bevor er zur BMW Group wechselte. Nach seiner Tätigkeit gründete er die Technologieberatung CNX Consulting und anschließend die Innovationsgenossenschaft INGO e.G. Darüber hinaus war er mehrere Jahre an der Ludwig-Maximilians-Universität verantwortlich für das TOP-BWL-Programm der Jahrgangsbesten in Zusammenarbeit mit Professor Picot. Prof. Dr. Heiko Seif ist Senior Manager bei der Managementberatung UNITY AG.