Von ESG-Auswirkungen auf das Kapital über Nachhaltigkeitsberichterstattung und Produktlebenszyklen bis hin zum Recycling von Fahrzeugen – die diesjährigen preisgekrönten Abschlussarbeiten zeigen, wie Nachhaltigkeit und operative Risiken Entscheidungen branchen- und funktionsübergreifend beeinflussen.
Nach der erfolgreichen Einführung des Preises im Jahr 2025 freut sich die Munich Business School (MBS), die Preisträger des DGOR-Forschungspreises 2026 bekannt zu geben, der in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Operatives Risikomanagement (DGOR) verliehen wird. Der jährlich verliehene Preis würdigt herausragende Abschlussarbeiten zu den Themen Nachhaltigkeit und operationelles Risiko.
Die MBS-Jury wählte aus einer Auswahlliste von neun Nominierten vier Alumni aus und würdigte damit die Qualität, Originalität und praktische Relevanz ihrer Forschungsarbeiten:

- Leopold Goldbrunner, für seine systematische Literaturrecherche „Financial Implications of ESG Factors for the Cost of Capital“ (Finanzielle Auswirkungen von ESG-Faktoren auf die Kapitalkosten). Betreuer: Prof. Dr. Eva Stumpfegger.
- Viola Antoniazzi,für ihre qualitative Studie „Beyond Compliance: Turning Sustainability Reporting into Financial and Strategic Value“ (Über die reine Einhaltung von Vorschriften hinaus: Wie Nachhaltigkeitsberichterstattung in finanziellen und strategischen Mehrwert umgewandelt wird). Betreuer: Prof. Dr. Johannes Hofinger.
- Frederik Huber, für seine Abschlussarbeit „Die Integration von Nachhaltigkeit in das Product Lifecycle Management: Eine qualitative Untersuchung strategischer Implikationen„. Betreuer: Prof. Dr. Nadine Chochoiek.
- Shreya Nathwani, für ihre Studie „Drivers and Barriers of Circular Economy Implementation: Firm-Level Insights from Germany’s Automotive Sector“ (Treiber und Hindernisse bei der Umsetzung der Kreislaufwirtschaft: Erkenntnisse auf Unternehmensebene aus der deutschen Automobilbranche). Betreuer: Prof. Dr. Nancy Landrum.
Wir gratulieren allen Preisträgern zu dieser bemerkenswerten Leistung. Die Munich Business School fühlt sich geehrt, die akademischen Leistungen der Studierenden zu würdigen, und ist stolz darauf, sie zu unseren Alumni zählen zu dürfen.
Die finanziellen Auswirkungen von ESG verstehen

Leopold Goldbrunners systematische Auswertung von 42 Studien kommt zu dem Ergebnis, dass stärkere Umwelt-, Sozial- und Governance-Profile im Allgemeinen mit niedrigeren Kapitalkosten einhergehen, auch wenn dieser Zusammenhang nicht unter allen Bedingungen konsistent ist. Am deutlichsten zeigt sich dieser Zusammenhang bei den Eigenkapitalkosten, bei den Fremdkapitalkosten ist er vielfältiger und bei den gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten am stärksten gestreut. Seine Ergebnisse zeigen, dass ESG nicht als universeller Finanzfaktor betrachtet werden sollte: Seine Auswirkungen hängen von der untersuchten ESG-Dimension, dem institutionellen Kontext, dem Messansatz und dem betrachteten Zeitraum ab.
Von den Berichtspflichten zum strategischen Mehrwert
Viola Antoniazzi untersucht, wie Unternehmen über die bloße Einhaltung gesetzlicher Vorschriften hinausgehen und die Nachhaltigkeitsberichterstattung in finanziellen und strategischen Mehrwert umwandeln können. Viola stellt fest, dass die Nachhaltigkeitsberichterstattung für Unternehmen, die in ökologisch sensiblen Bereichen tätig sind, zunehmend an Bedeutung gewinnt. Allerdings ist in der Gesellschaft noch immer zu wenig darüber bekannt, wie sie die Entscheidungsfindung in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) beeinflusst. Ihre Dissertation analysiert die Interpretation und Nutzung von Nachhaltigkeitsindikatoren in Verbindung mit Finanzkennzahlen zur Unterstützung von Investitionsentscheidungen im Bereich Nachhaltigkeit, wobei Praktikabilität und Zweckmäßigkeit Vorrang vor normativen oder ethischen Bewertungen haben.

Einbindung von Nachhaltigkeit in das Produktlebenszyklusmanagement
Frederik Huber untersucht, wie ökologische Nachhaltigkeit in das Produktlebenszyklusmanagement (PLM) integriert werden kann. Auf der Grundlage von sechs Experteninterviews aus verschiedenen Industriezweigen identifiziert seine Studie wichtige Hebel zur Verringerung der Umweltbelastung sowie die Herausforderungen, denen Unternehmen bei deren Umsetzung gegenüberstehen. Die Ergebnisse liefern praktische Erkenntnisse darüber, was Unternehmen benötigen, um ein nachhaltiges PLM erfolgreich umzusetzen.
Förderung der Kreislaufwirtschaft in der Automobilindustrie
Shreya Nathwani (MBA) untersucht das Recycling in einem deutschen Automobilunternehmen im Rahmen des allgemeinen Übergangs von einer linearen zu einer Kreislaufwirtschaft. Auf der Grundlage von Experteninterviews identifiziert sie Regulierung, Technologie und organisatorische Silos als eng miteinander verknüpfte Faktoren, die die Umsetzung beeinflussen. Ihre Studie hebt zudem die Grenzen des Recyclings als Kreislaufstrategie hervor und weist auf die Notwendigkeit gezielter organisatorischer Veränderungen hin.

Forschung mit praktischer Relevanz
Der zweite DGOR-Forschungspreis an der MBS unterstreicht den Beitrag, den fundierte und anwendungsorientierte wissenschaftliche Forschung zu einer nachhaltigeren und verantwortungsvolleren Unternehmenspraxis leisten kann.
Prof. Dr. Johannes Hofinger, Professor für Finanzwesen und Rechnungswesen an der Munich Business School, erklärt dazu: „Diese Abschlussarbeiten spiegeln die analytische Stringenz, die Kreativität und die Praxisnähe wider, die den Geist der MBS ausmachen.“
Die Munich Business School gratuliert allen Preisträgern noch einmal zu ihren Leistungen. Ihre Forschungsarbeiten bieten wertvolle Einblicke in einige der komplexen Fragen zu Nachhaltigkeit und Risiken, mit denen Organisationen heute konfrontiert sind.
Weitere Informationen zur Deutschen Gesellschaft für Operatives Risikomanagement finden Sie unter www.dgor.org oder nehmen Sie Kontakt mit DGOR auf LinkedIn.