Internationale Missverständnisse

MBS International Misunderstandings
© innovatedcaptures – iStock.com

Jeder weiß, wie schnell man schon beim Besuch oder im Urlaub in einer fremden Kultur in Fettnäpfchen treten kann. Warum ist das im Geschäftsleben so gefährlich? Und warum ist das möglich, wo doch eigentlich jeder durch breiten Informationszugang durch unsere Medien gut informiert sein sollte?

MBS Pipi TMVerhaltensmuster werden stark durch Tradition, Wertvorstellungen, Normen und Religion geprägt. Ein Produkt, ein Service oder eine schlichte Verhandlung führen dazu, dass Missverständnisse genau dadurch entstehen, dass falsche Interpretation und emotionale Muster abgerufen werden. Möglicherweise werden Produkte wegen ihres Namens oder Aussehens nicht gekauft. Möglicherweise ruft der Name PipiTM der gelben in durchsichtigen Flaschen abgefüllten kroatischen Limonade in Deutschland andere Assoziationen hervor. Auch können Missverständnisse und Irritationen bei Verhandlungen und Projekten zu längerfristigen negativen Konsequenzen oder sogar zum Abbruch von Geschäftsbeziehungen führen.

Auch Geschmacks- und Verhaltensunterschiede können interkulturelle Unterschiede bedingen:

  • Visuell: Weiße Farbe für Trauer in Indien, für Festlichkeit und Freude in Europa.
  • Olfaktorisch: Parfümkomponenten wie Rosenwasser in arabisch-asiatischen Ländern, Lavendel-Duft im mediterranen Gebieten.
  • Gustatorisch: Ulisimali (rohes, fermentiertes Robbenfleisch) in Island, Pinyin pidàn, das „tausendjährige Ei“ (fermentiertes Ei) oder gedünstete Gänsefüße in Asien.
  • Phonetisch: Die Zahl 4, die im asiatischen Raum phonetisch klingt wie der „Tod“ (Homophonie von shi), während die Zahl 8 (ba) phonetisch an fa für „voran“ erinnert.
  • Kommunikationsverhalten: Lange Pausen im Gespräch und in der Diskussion bei Finnen und Japanern, überlappende Konversationsgänge in Italien und anderen südeuropäischen und lateinamerikanischen Ländern.

Der Erfolg internationaler Beziehungen und globalen Handels hängt in erster Linie vom perfekten Zusammenspiel der Partner ab. Betrachtet man die heutigen Geschäftsbeziehungen, erkennt man, dass immer stärker Partner verschiedenartigster kultureller Wurzeln miteinander in Kontakt treten müssen. Trotz Globalisierung und damit stärkerer Verknüpfung, vor allem durch neue und schnellere Kommunikationswege, führt es nicht immer zu einem stärkeren Verständnis der anderen Verhandlungspartei. Ganz im Gegenteil, es entstehen Missverständnisse im höheren Maße, da die Geschäftsleute nicht nur einer höheren Kontaktfrequenz, sondern vor allem in zunehmendem Maße einem höheren Stressniveau ausgesetzt sind.

 

Dieser Text ist ein Auszug aus Internationales Management von Prof. Dr. Arnd Albrecht, erschienen im Berliner Wissenschafts-Verlag 2016.

Abbildung © Arnd Albrecht

Prof. Dr. Arnd Albrecht
Über Prof. Dr. Arnd Albrecht 29 Artikel
Prof. Dr. Arnd Albrecht ist seit 2010 Professor für Human Resource Management und International Management an der Munich Business School. Zudem ist er Programmdirektor des Studiengangs Bachelor International Business. Prof. Dr. Albrecht forscht und berät an der MBS und durch sein Consulting-Unternehmen Industrieprojekte hinsichtlich HRM, Leadership und Change Management. Nach seiner Promotion war er erfolgreich als internationaler Seniormanager in der Pharmaindustrie und als strategischer Berater für den Mittelstand und für Konzerne tätig. Prof. Dr. Albrecht ist zertifizierter Business Coach und hält einen MBA des Henley Management College.