Mein Auslandssemester: Jan @ Seoul National University

MBS Jan Töpfer SNU

Jan Töpfer, Student im Programm Master International Business an der MBS, verbringt gerade sein Auslandssemester an der Seoul National University (SNU) in Südkorea. Hier berichtet er regelmäßig von seinen Erfahrungen.


Update: Jans Auslandssemester neigt sich dem Ende zu. Hier fasst er seine Zeit in Korea und an der Seoul National University zusammen.

Wenn Du auf dein Auslandssemester zurückblickst, fällt Dir irgendetwas ein, was du anders machen würdest?

Mir fällt wirklich nichts ein, das ich im Nachhinein anders gemacht hätte. Die Entscheidung, nach Südkorea zu gehen, war das Beste, was ich machen konnte. Die Uni ist perfekt und auch in der Kurswahl habe ich mich richtig entschieden. An der MBS hätte ich rückblickend aber den Kurs „Business in China“ gewählt statt „Business in the USA“.

MBS Jan Töpfer
Blick auf Seoul vom Lotte World Tower.

Welchen Rat hast du für zukünftige MBS Studenten, die ihr Auslandssemester an der Seoul National University verbringen wollen?

Ich würde in jedem Fall empfehlen, bei der Kurswahl sehr genau auf die Inhalte der Vorlesung zu achten. Manche Kurse gehen mit einem immensen und manchmal nicht ganz nachvollziehbaren Arbeitsaufwand einher, der schon einmal Reisepläne oder andere Aktivitäten zunichtemachen kann. Außerdem sollte man sich als MBS Student – und falls man vorher nicht schon an einer staatlichen Universität studiert hat– im Klaren darüber sein, dass die Vorlesungen extrem theorielastig sind und sich daher grundlegend von den Kursen an der MBS unterscheiden.

Da das Angebot an englischsprachigen Masterkursen am College of Business Administration sehr klein ist, sollte man sich in jedem Fall auch Kurse an den anderen Colleges anschauen. Meine persönliche Erfahrung ist, dass man hier besonders interessante Kurse finden kann. So hatte ich die Gelegenheit, an der Graduate School of International Studies etwas über die Entwicklung der chinesischen Finanzbranche zu lernen. Ebenfalls empfehlen würde ich die Teilnahme am Buddy-Programm und einem Club, nur so kann man wirklich am Campusleben teilnehmen.

MBS Jan Töpfer
Auch in einer koreanischen Mensa gibt es Schnitzel 🙂

Was war deine schönste Erfahrung im Auslandssemester?

Die besten Erfahrungen habe ich immer bei Veranstaltungen gemacht, die von den koreanischen Buddies oder der Uni organisiert wurden, egal ob es Ausflüge ins Umland Seouls oder Besuche bei koreanischen Unternehmen waren (z.B. eine Werksführung bei Hyundai oder ein Besuch im Headquarter von Samsung).

Gibt es sonst noch etwas, was du uns über deine Zeit in Südkorea erzählen möchtest?

Was ich hier wirklich wahrnehmen konnte, ist die Verschiebung globaler wirtschaftlicher Dominanz Richtung Asien. Hier liegt für mich die Zukunft der Weltwirtschaft. Ich empfehle jedem Business-Studenten, die Gelegenheit zu nutzen, ein Auslandssemester in einem asiatischen Land zu verbringen, egal ob in China, Korea oder auch in Südostasien.


Update: Nach einigen Wochen an der Seoul National University berichtet Jan von seinen Erlebnissen in Korea.

Was ist in deinem Auslandssemester anders im Vergleich zur MBS und zu München?

Der größte Unterschied zwischen der MBS und der SNU ist definitiv, dass das gesamte Unileben auf dem Campus stattfindet und man sich eigentlich den ganzen Tag dort aufhält. So bin ich teilweise bereits ab 7 Uhr morgens mit dem Fußballclub auf dem Sportplatz, danach wird in einer der Mensen gefrühstückt, bevor es dann in die Vorlesungen geht. Eine der wenigen Gemeinsamkeiten ist die Gestaltung der Vorlesungen (zumindest in den Kursen, die ich belege). Die Leistungen werden vor allem durch Gruppenarbeiten, Präsentationen und Paper erbracht, klassische Klausuren schreibe ich hier nicht.

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Die Skyline von Busan.

Was hast du in Korea inzwischen alles erlebt? Bist du im Land herumgereist?

Obwohl Korea ein hochentwickeltes Land ist, gestaltet sich das Reisen außerhalb Seouls teilweise etwas schwierig. Busan, eine weitere Millionenstadt im Süden, ist mit dem KTX, einem Schnellzug vergleichbar mit unserem ICE, einfach zu erreichen. Ländlichere Regionen wie die Insel Ganghwa im Westen, erreicht man nur mit Bussen, die sehr lange Fahrtzeiten haben – obwohl die Distanz dorthin überschaubar ist. Durch die Teilnahme im Buddy-Programm hatte ich außerdem die Möglichkeit, über Chuseok (das koreanische Erntedankfest) in die beliebte Ferienregion um Chuncheon zu reisen.

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Die koreanische Insel Ganghwa Island.
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Jan (links) mit Kommilitonen am Strand der Insel Ganghwa.

Welche außercurricularen Angebote gibt es an der SNU und nimmst du daran teil?

Die SNU bietet eine unvorstellbar große Anzahl an Aktivitäten auf dem Campus an. Das größte Angebot kommt von studentischen Clubs: es gibt viele Sportmöglichkeiten, aber auch Kulturelles wie Singen, Tanzen oder Theater. Zu Beginn des Semesters stellen sich die Clubs vor und man kann sich einfach anmelden. Ich selbst spiele Fußball und bin Mitglied im Buddy-Programm, das hervorragend dazu geeignet ist, Kommilitonen von anderen Colleges kennenzulernen. Daneben nehme ich hin und wieder am “Deutschen Café” teil, in dem deutsche Muttersprachler mit koreanischen Germanistikstudenten zusammenkommen, um Deutsch zu sprechen. Außerdem besuche ich häufig Gastvorträge, die vor allem von Professoren anderer renommierter Universitäten Asiens gehalten werden.

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Wunderschöner Blick auf Seoul und den Han River bei Sonnenuntergang.

Die ersten Eindrücke

Die meisten Europäer können sich unter Südkorea nicht wirklich viel vorstellen. Klar kennt man einige der Konzerne wie Samsung, Hyundai oder LG, die hier ansässig sind. Aber wie das Land dazu aussieht, konnte auch ich mir nicht vorstellen. Wenn man im Anflug auf Seoul hinunterblickt, wird einem die Dimension der Stadt erst einmal bewusst, da man bis zum Horizont nur dichte Bebauung sieht. In der Region Seoul leben etwa 25 Millionen Menschen, was gleichzeitig der Hälfte der Bevölkerung Südkoreas entspricht.

Am meisten fällt einem der technologische Fortschritt im Alltag auf. Fast alles wird bargeldlos bezahlt, alte Autos existieren quasi nicht, bald wird mit 5G der nächste Mobilfunkstandard gesetzt und WLAN ist eigentlich immer vorhanden, auch auf der Straße. Das Stadtbild Seouls wird von Hochhäusern dominiert, Grünflächen und historische Gebäude, wie man sie aus europäischen Städten kennt, gibt es fast überhaupt nicht, was sich auch auf die Zerstörung der Stadt während des Koreakrieges zurückführen lässt. Dennoch fühlt man sich in dieser Stadt, die wirklich NIEMALS schläft, sofort wohl und vor allem sicher, auch wenn die nordkoreanische Grenze nur wenige Kilometer nördlich verläuft.

Nach einem Supermarkt sucht man in Seoul (fast) vergeblich, Lebensmittel werden eigentlich immer nur bei Bedarf gekauft und meistens in einem Convenience Store. Diese kleinen Läden, die es hier in einer schwindelerregenden Anzahl gibt, verfügen über die wichtigsten Alltagsgegenstände und haben 24/7 geöffnet.

Wieso hast du dich für die Seoul National University entschieden?

MBS Jan Toepfer SNUNachdem ich meinen Bachelor an einer eher kleinen staatlichen Hochschule gemacht habe und meinen Master nun an der MBS absolviere, wollte ich das Auslandssemester nutzen, um das erste Mal eine große Universität zu besuchen. Außerdem wollte ich unbedingt nach Asien, da ich bisher nie die Gelegenheit hatte, diesen Kontinent zu besuchen. Was mich an der Seoul National University besonders gereizt hat, ist ihre elitäre Bedeutung in Asien: Lediglich das beste Prozent all derer, die die Universitätsaufnahmeprüfungen absolvieren, kann sich hier bewerben.

Was erhoffst du dir von deinem Auslandssemester?

Am meisten wünsche ich mir natürlich eine unvergessliche Zeit in Korea. Ich möchte die Zeit an der SNU aber auch zum Netzwerken nutzen, möglichst mit Koreanern, aber natürlich auch mit den anderen internationalen Studenten, die hier ihr Auslandssemester absolvieren. Immerhin machen Alumni der SNU gut ein Drittel der CEOs der 500 größten Unternehmen Koreas aus.

Wie waren die ersten Tage in Seoul?

Da ich bereits einen Monat vor dem Semesterbeginn in Korea angekommen bin, bestanden meine ersten Tage vor allem aus organisatorischen Dingen: Ich habe mich um eine Wohnung gekümmert, bei der Einwanderungsbehörde die Alien Registration Card beantragt (eine Art koreanischer Ausweis für Ausländer) und eine koreanische SIM-Karte besorgt. Ich habe auch versucht, Seoul zu erkunden, wobei ich schnell feststellen musste, dass es bei der Größe der Stadt unmöglich sein wird, während meines Aufenthaltes auch nur annähernd alle Ecken der Stadt kennenzulernen.

Ein großer Unterschied zu anderen Städten liegt darin, dass es nicht ein Zentrum gibt, sondern gleich mehrere, die über die Stadt verteilt sind. Zum Beispiel das wohlhabende Gangnam, wo auch ich wohne, das vor allem für sein Nachtleben bekannt ist; Hongdae, das von Studenten dominiert wird; Itaewon, wo sich die meisten Ausländer aufhalten; und die Altstadt nördlich des Flusses Han mit ihren Palästen und Tempelanlagen.