Professor in the Spotlight: 3 Fragen an Prof. Dr. Alexandra Hauser

Portrait Alexandra Hauser

In dieser Interviewserie stellen wir in regelmäßigen Abständen MBS-Dozierende vor, geben einen Einblick in ihre Forschungsprojekte und erläutern, wie Unternehmenspraxis und Studierende davon profitieren. Heute an der Reihe ist die frischgebackene MBS-Professorin Dr. Alexandra Hauser, die ab September 2022 die Professur für Responsible Leadership übernimmt.


MBS Insights: Liebe Frau Hauser, herzlichen Glückwunsch zur neuen Professur für Responsible Leadership an der Munich Business School. Womit beschäftigen Sie sich in ihrer Forschung und an welchen spannenden Forschungsprojekten arbeiten Sie gerade?

Prof. Dr. Alexandra Hauser: Vielen Dank, ich freue mich sehr, jetzt Teil der MBS zu sein und in so einem sympathischen und kompetenten Team zu arbeiten!

Ich beschäftige mich in meiner Forschung mit dem Überthema Responsible Leadership – also der Frage, in welchen Bereichen und Situationen Führungskräfte verantwortungsvolles Führungshandeln zeigen oder nicht zeigen, sowie das „Warum“ dazu.

Besonders interessiert mich als Diplom-Psychologin natürlich der Blick auf das Menschliche, also der Einfluss von Motiven, Einstellungen, impliziten Glaubenssätzen, moralischen Überzeugungen, etc. Spannend ist dabei auch, welche Rolle Strukturen in einer Organisation spielen. Welchen Einfluss haben Möglichkeiten für lebenslanges Lernen, wie zum Beispiel Führungskräfteentwicklung oder Coaching und Mentoring auf das Führungshandeln? Wie kann man überprüfen, ob das wirksam ist?

Oft kommen auch Personen mit der ganz praktischen Frage auf mich zu, wie verantwortungsvolles Führungsverhalten in unserer heutigen Zeit überhaupt aussehen soll. Sind in unserem digitalen Zeitalter jetzt andere Dinge wichtig, als „früher“? Wie ist das, wenn einige Leute im Büro, der Rest im Home Office sitzt, was muss ich da jetzt anders machen?

In unserer nicht immer so gesundheitsförderlichen Leistungsgesellschaft ist aber auch zum Beispiel die Frage relevant, wie und ob es Führungskräften gelingt, sich selbst gegenüber Verantwortung zu zeigen. Gelingt die Balance zwischen Begeisterung und Abgrenzung bei der Arbeit, um mental und körperlich gesund zu bleiben? Und in welcher Form sollen und können Führungskräfte Verantwortung für die Umwelt, oder noch größer, den Planeten übernehmen? Hier sind wir dann schon im Bereich Sustainability.

Es verbirgt sich also einiges hinter dem Begriff Responsible Leadership. Ich freue mich auf jeden Fall sehr darauf mit meinen Mit-Professor*innen an gemeinsamen Projekten zu diesen Themen zu arbeiten und die verschiedenen Facetten von Responsible Leadership aufzuzeigen.

MBS Insights: Was meinen Sie, welche Aspekte Ihrer Forschung für Studierende besonders interessant sind und wie bringen Sie das in Ihre Lehre ein?

Prof. Dr. Alexandra Hauser: Ich stelle immer wieder ganz banal fest: Die meisten Menschen interessieren sich für Menschen. Wie sie funktionieren, was sie antreibt – auch durch die Reflexion darüber dann wiederum Dinge über sich selbst zu erfahren, ist sehr spannend für die meisten. Ich versuche also stets die spannenden Erkenntnisse aus der Psychologie in meinen Kursen in den Vordergrund zu stellen. Nicht nur aus meiner Forschung, sondern ich erzähle natürlich auch generell von klassischen und hochaktuellen Studien aus der Sozialpsychologie, Arbeits- und Organisationspsychologie oder auch Theorien aus dem Bereich der Philosophie – und schlage dann den Bogen zum Business Kontext. Mein Enthusiasmus für diesen erweiterten Fachbereich ist ungebrochen und ich versuche, das auch so rüberzubringen und die Begeisterung für die Psychologie als solche bei den Studierenden zu wecken.     

MBS Insights: Und wie profitiert die Praxis von Ihrer Forschung?

Prof. Dr. Alexandra Hauser: Führung ist ja an sich schon an sich ein Thema mit einer hohen praktischen Relevanz. Das gleiche gilt für Selbstführung oder die Vereinbarkeit von Lebensbereichen, Führungskräfteweiterbildung etc. Mir persönlich ist auch sehr wichtig, dass meine Forschung eine praktische Komponente hat. Ich habe mich da auch immer als Brückenbauerin zwischen den „Welten“ Wissenschaft und Praxis verstanden. Das geht dann auch über die Forschung hinaus: Auch in der Gestaltung der Lehre ist es mir sehr wichtig, bei meinen Studierenden den Blick für die praktische Relevanz von Erkenntnissen und Theorien zu schärfen. Gute Forschung und auch gute Lehre beinhalten dann auch immer an einer Stelle eine gute Wissenschaftskommunikation, welche ein sehr wichtiges Verbindungsstück zur Praxis ist. Denn was bringen die spannendsten Erkenntnisse, wenn sie a) keine*r versteht und b) dadurch niemand davon erfährt? Dann sind nur alle frustriert und machen sich ihren eigenen Reim auf die Wunderlichkeiten menschlichen Verhaltens. Und das geht nicht immer gut aus. Oder positiv formuliert: Mehr grundsätzliches Wissen über Psychologie im Business-Kontext und insbesondere im Bereich der Betriebswirtschaftslehre ist ein Gewinn für alle! Und spannend ist es auch.