Am 1. Dezember hatten wir im Rahmen des Kurses Digital Sports Management gemeinsam mit unserem Professor David Wagner die Möglichkeit, die ISPO Munich zu besuchen. Die ISPO gilt als weltweit führende internationale Fachmesse für die Sportartikel- und Sportmodebranche und dient als zentrale Plattform für Innovation, Nachhaltigkeit und technologische Entwicklungen im Sportbusiness.
Während unseres Besuchs konnten wir wertvolle Einblicke in aktuelle Branchentrends gewinnen, mehrere ISPO Award Winner 2025 vor Ort entdecken und zudem das ISPO Brandnew Award Grand Final besuchen, bei dem ausgewählte Sport-Start-ups ihre Innovationskonzepte präsentierten.
Die ISPO Awards zeichnen Produkte aus, die sich durch außergewöhnliche Innovation, Funktionalität und nachhaltige Konzepte hervorheben und damit aktiv zur Gestaltung der Zukunft der Sportindustrie beitragen. Im Folgenden stellen wir zwei ausgewählte ISPO Award Winner vor, erläutern, warum diese Produkte ausgezeichnet wurden, und reflektieren ihre Relevanz aus einer Digital-Sports-Management-Perspektive.
Circular Design Fashion and Functional Puffer Jacket von Bosideng
Einer der ISPO Award Winner 2025 in der Kategorie Outdoor / Apparel ist die Circular Design Fashion and Functional Puffer Jacket der chinesischen Marke Bosideng. Die Jacke vereint technische Performance, modisches Design und einen starken Fokus auf Nachhaltigkeit.

Das Produkt wurde für urbane Mobilität entwickelt, insbesondere für das Radfahren unter winterlichen Bedingungen, und richtet sich an moderne, aktive Konsumentinnen und Konsumenten, die sich zwischen Sport, Pendeln und Alltag bewegen. Aus funktionaler Sicht verfügt die Jacke über eine body-mapped Daunenisolierung, die gezielt dort wärmt, wo es notwendig ist, und gleichzeitig eine gute Atmungsaktivität gewährleistet. Ergänzt wird dies durch ein innovatives Belüftungssystem, das von traditionellen chinesischen Lahua-Mustern inspiriert ist und den Luftaustausch während der Bewegung verbessert.
Besonders ausschlaggebend für den Gewinn des ISPO Awards ist jedoch der zirkuläre Designansatz der Jacke. Sie besteht aus recyceltem Polyester-Monomaterial sowie recycelten Daunen, und Bosideng hat eine neue Recyclingtechnologie entwickelt, die es ermöglicht, Daunenprotein und Polyester am Ende des Produktlebenszyklus voneinander zu trennen. Damit adressiert das Unternehmen eine der größten Herausforderungen im funktionalen Sportbekleidungsbereich: die eingeschränkte Recyclingfähigkeit komplexer Materialmischungen.
Ein weiteres innovatives Merkmal ist die Multifunktionalität der Jacke. Mithilfe eines speziellen Faltmechanismus kann sie in eine Umhängetasche verwandelt werden, was sie besonders für urbane Umgebungen und wechselnde Alltagssituationen geeignet macht. Dies erhöht den praktischen Nutzen über klassische Outdoor-Bekleidung hinaus und spiegelt die steigende Nachfrage nach vielseitiger Sportmode wider.
Aus Sicht des Kurses Digital Sports Management ist der Fall Bosideng vor allem im Hinblick auf die digitale Kommunikation interessant. Trotz der Auszeichnung und des hohen Innovationsgrades ist die Jacke auf der globalen Website sowie auf internationalen Social-Media-Kanälen von Bosideng nur eingeschränkt sichtbar. Die Kommunikation findet überwiegend im B2B- und Messekontext statt, beispielsweise über ISPO-Plattformen und Fachmedien. Dies verdeutlicht eine zentrale Erkenntnis: Selbst zukunftsweisende Innovationen können ihr volles Potenzial nicht entfalten, wenn sie nicht durch eine klare, globale und digital getriebene Storytelling-Strategie unterstützt werden.
Skiif: Digitale Navigation und smarte Infrastruktur für Skigebiete
Neben Produktinnovationen im Bekleidungsbereich zeichnen die ISPO Awards auch digitale Lösungen aus. Ein weiterer ISPO Award Winner 2025 stammt aus dem digitalen Bereich: die Navigations-App Skiif für Skigebiete. Im Gegensatz zu vielen Wintersport-Apps, die sich hauptsächlich auf die Erfassung von Leistungsdaten konzentrieren, ist Skiif als funktionales Navigations- und Orientierungstool konzipiert.

Die App übersetzt komplexe Skigebiets-Infrastrukturen in eine strukturierte und intuitive digitale Kartenumgebung und unterstützt Nutzerinnen und Nutzer bei der Routenplanung sowie der effizienten Orientierung im Skigebiet. Sie hilft dabei, wichtige Orte wie Restaurants oder Treffpunkte zu finden, sich mit Freunden auf dem Berg zu koordinieren und Live-Informationen zu Bedingungen zu teilen. Dadurch entsteht eine community-basierte Informationsschicht, die über die reine Navigationsfunktion hinausgeht und die Situationswahrnehmung auf der Piste verbessert. Das Konzept lässt sich als Navigationsplattform für Skigebiete beschreiben, vergleichbar mit einer Google-Maps-ähnlichen Lösung für den Skisport, ergänzt um soziale und sicherheitsrelevante Funktionen. Die Plattform ist bereits in über 200 Skigebieten in Europa aktiv und verfügt über eine wachsende Nutzerbasis.
Die ISPO Award Jury hob insbesondere den praxisnahen Nutzen sowie das nutzerzentrierte Design der App für reale Skigebietsbedingungen hervor. Darüber hinaus verfolgt Skiif einen Multi-Sport- und Multi-Season-Ansatz, der die langfristige Relevanz für Destinationen und Markenpartner erhöht und eine ganzjährige Nutzerbindung ermöglicht.
Aus einer digitalen sportökonomischen Perspektive ist Skiif besonders relevant, da sich Innovation hier von der Ausrüstung hin zu funktionaler digitaler Infrastruktur verschiebt. Der Mehrwert entsteht durch Navigation, Sicherheitsunterstützung und Informationszugang ergänzend zur Hardware. Gleichzeitig schaffen Plattformen wie Skiif kontinuierliche digitale Berührungspunkte zwischen Nutzerinnen und Nutzern sowie Skigebieten und eröffnen neue Möglichkeiten für Partnerschaften, Destinationskommunikation und integrierte digitale Services. Dies spiegelt einen übergeordneten Branchentrend wider, bei dem Sport und digitale Produkte zunehmend stärker miteinander vernetzt sind. Infrastrukturorientierte Apps werden damit zu einem immer wichtigeren Bestandteil des modernen Sportökosystems.
Fazit: Lernen durch Praxis
Der Besuch der ISPO Munich hat deutlich gemacht, wie eng Innovation, Nachhaltigkeit und digitale Kommunikation im heutigen Sportbusiness miteinander verknüpft sind. Die Analyse der ISPO Award Winner im Rahmen des Kurses Digital Sports Management zeigte, dass erfolgreiche Sportinnovationen sehr unterschiedliche Formen annehmen können – von zirkulärem Produktdesign über funktionale Performance-Bekleidung bis hin zu digitalen Plattform- und Navigationslösungen. In allen Fällen wird jedoch klar, dass neue Sportlösungen nicht nur leistungsfähig sein müssen, sondern auch klar positioniert und nutzerzentriert über digitale Kanäle kommuniziert werden sollten.
Wir sind sehr dankbar für die Möglichkeit, im Rahmen unseres Studiums solch praxisnahe Einblicke durch den Besuch der ISPO Munich zu erhalten. Die direkte Auseinandersetzung mit der Sportbranche und preisgekrönten Innovationen hat die Kursinhalte greifbar und besonders relevant gemacht. Gleichzeitig freuen wir uns darauf, im zweiten Semester unseres Masterstudiengangs Sports Management and Media im Kurs Digital Sports Management weiter zu lernen – denn diese Erfahrung war definitiv erst der Anfang.