Was Studierende in einem „Glückskurs“ an einer Business School lernen

MBS Success Factor Happiness

Der Kurs „Success Factor Happiness“ findet in diesen Monaten bereits im dritten Jahr im Studienprogramm Master International Business der Munich Business School statt. Happiness, also Glück, an einer Business School? Für viele stellt sich hier die Frage nach dem Zusammenhang und der grundsätzlichen Einordnung des Themas Glück in der Wirtschaft. Der Kurs bezieht zahlreiche Erkenntnisse der außerordentlich interdisziplinären Glücksforschung ein und ist im Wesentlichen inspiriert durch eine Bewegung des „Mindful Business“ oder auch „Conscious Business“ in den USA (und hier insbesondere in Kalifornien).

Glück und Wohlbefinden – eine „Zukunftstechnologie“?

Immer öfter wird das Thema „Glück und Wohlbefinden“ als der wesentliche Impuls für den nächsten langfristigen Wirtschaftszyklus nach dem Internetzeitalter gesehen (der sogenannte sechste Kondratieff). Neben dem zunehmenden Angebot von Produkten und Dienstleistungen in diesem Bereich gewinnt das Glücksthema auch in deutschen Unternehmen nach und nach eine größere Bedeutung.

So beschäftigt beispielsweise SAP einen „Director of Mindfulness“, die Sparda-Bank in München hat sich sowohl intern wie auch nach außen dem Gemeinwohl verschrieben – und bei BMW Motorrad haben die Mitarbeiter ihren eigenen Wertekatalog rund um das Thema „Freude“ erarbeitet. Demgegenüber bricht die Welt der streng hierarchisch und autoritär geführten Konzerne gerade zusammen: nicht zuletzt VW und die Deutsche Bank haben als Arbeitgeber an Attraktivität für junge MBS Absolventen deutlich verloren.

Aspekte von Glück

Im Glückskurs lernen die Studierenden in fünf Themenabschnitten die wichtigsten Erkenntnisse der jüngeren und traditionellen Glücksforschung und ihre Anwendbarkeit in der Wirtschaft kennen:

Philosophie des Glücks: Unter Anleitung des MBS Honorardozenten Dr. Florian Langenscheidt lernen die Studierenden die grundlegenden Einsichten verschiedener Philosophen aus unterschiedlichen Epochen und Kulturkreisen kennen. Schließlich handelt es sich bei der Frage nach dem Glück im Leben um die in der Wissenschaft wahrscheinlich am längsten diskutierte Frage. Die Bandbreite reicht hier von Aristoteles und Seneca über John Stuart Mill bis hin zu Laozi (老子), Konfuzius (孔子) und anderen.

MBS Success Factor Happiness

Psychologie des Glücks: In diesem Kursabschnitt lernen die Studierenden unter Anleitung von André Daiyû Steiner die psychologischen Grundlagen im Zusammenhang mit Glück kennen. Jüngste neurowissenschaftliche Erkenntnisse wie das Thema Neuroplastizität, also die gezielte Veränderung des physischen Gehirns durch entsprechende Übungen, werden ebenso im Zusammenhang mit Glück behandelt. Als ZEN-Lehrer führt André Daiyû Steiner im Rahmen praktischer Übungen in grundlegende Achtsamkeitsübungen ein, die vielen Studierenden nicht zuletzt zu buchstäblich neuen Erkenntnissen über sich selbst verhelfen können.

Happiness at Work: Hier lernen Studierende in einem ersten Teil, wie sie einen Job finden können, der sie im Zweifel glücklicher macht als ein beliebiger anderer Job. Die Bedeutung von „Passion and Purpose“ spielt hier eine große Rolle (siehe hierzu auch das MBS Working Paper The Quintuple Bottom Line Model – an innovative approach to analysing happiness at work applied to the Generation Y in Germany, das in Zusammenarbeit mit der Master-Absolventin Johanna Christ entstanden ist; das darin beschriebene Modell wurde insbesondere durch den kanadischen Entrepreneur Bruce Poon Tip inspiriert).

In einem zweiten Teil werden grundlegende Merkmale einer achtsamen Unternehmensführung und einer entsprechenden Unternehmenskultur vermittelt. Auch ökonomisch zahlen sich derartige Ansätze aus. In verschiedenen Studien zeigte sich bereits, dass achtsam geführte Unternehmen mittelfristig einen höheren Börsenwertzuwachs erzielen können als Standardwerte.

Marketing, Branding und Happiness: Immer mehr Marken bedienen sich zur Vermarktung ihrer Produkte und Services Erkenntnissen aus der Glücksforschung. Die Studierenden lernen anhand zahlreicher Case Studies, diese Mechanismen aufzudecken und zu analysieren. Immer wieder entstehen hierbei ausgesprochen kontroverse Diskussionen über die Instrumentalisierung des Themas Glück für letztendlich das Aufrechterhalten der hedonistischen Tretmühle, in der die meisten Konsumenten in Deutschland stecken. Doch auch auf den potenziellen gesellschaftlichen Nutzen entsprechender Glückselemente im Marketing wird ausführlich eingegangen.

Happiness Economics: Den Erfolg einer Volkswirtschaft an der Wachstumsrate ihres Bruttoinlandsproduktes zu messen, ist veraltet. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos zählte die Diskussion alternativer Indikatoren in diesem Jahr zu den zentralen Themen. Das kleine Königreich Bhutan im Himalaya gilt mit seinem Ansatz zur Messung des Bruttonationalglücks (Gross National Happiness, GNH) zu den Vorreitern einer holistischeren und das Wohlbefinden der Bevölkerung berücksichtigenden Messgröße (Ergebnisse der hochprofessionell durchgeführten Umfragen werden regelmäßig unter www.grossnationalhappiness.com veröffentlicht). Im Unterricht werden verschiedene Kennzahlen gegenübergestellt und deren Zusammensetzung analysiert.

MBS Success Factor Happiness

Lernen mit Selbsterfahrung

Im Rahmen des Kurses „Success Factor Happiness“ erlernen die Studierenden jedoch nicht nur neue Inhalte, sondern erfahren mittels zahlreicher Übungen auch Neues über sich selbst. In einem selbstreflexiven Essay zum Ende des Semesters werden die Erfahrungen aus dem Kurs noch einmal aufbereitet und können beim einen oder anderen sogar zu einem kritischen Hinterfragen seiner ursprünglichen Ziele führen.

Mehr und mehr Studierende nutzen die Gelegenheit, sich im Rahmen ihrer Masterarbeit noch einmal vertiefend mit einem Teilbereich der Thematik auseinanderzusetzen. Wenn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kurses sich auch nach dem Studium noch an die grundlegenden Erkenntnisse aus dem Unterricht erinnern und entsprechend einen guten Beitrag in der Gesellschaft leisten, dann ist das Ziel dieses innovativen Kurses endgültig erreicht.

 

© Abbildung „Bhutan’s 2015 Gross National Happiness Index“: Centre For Bhutan Studies & GNH Research

Prof. Dr. Christian Schmidkonz
Über Prof. Dr. Christian Schmidkonz 34 Artikel
Christian Schmidkonz, Professor für Asian-Pacific Business Studies an der Munich Business School, ist Studiengangsleiter des Programms Master International Business. Seine Schwerpunktthemen liegen in den Bereichen Business in China und Entrepreneurship. Nach einem VWL-Studium an der LMU München und Promotion an der Mercator School of Management der Universität Duisburg-Essen war Schmidkonz als Senior Consultant für die Region „Greater China“ tätig. Schmidkonz ist Partner der THINK!DESK China Research & Consulting und arbeitet als Analyst zu den Themen rund um Taiwan.