Was die Ausbreitung des Coronavirus und das Wirtschaftswachstum gemeinsam haben

Corona Wirtschaft

Wann immer von COVID-19 die Rede ist, wird davon gesprochen, dass sich Viruserkrankungen exponentiell verbreiten. Konkret bedeutet dies, dass sich in einem bestimmten Zeitabschnitt die Anzahl der Infizierten verdoppelt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass eine Person mindestens eine weitere Person anstecken kann (nach derzeitigem Stand 1,6 bis 2,4 weitere Personen). Je mehr infizierte Personen es gibt, desto mehr können diese natürlich weitere anstecken, weshalb in relativer kurzer Zeit ein enormer Anstieg der Fallzahlen zu beobachten ist. Die ergriffenen Maßnahmen, allen voran das #SocialDistancing, sollen durch die Verringerung der möglichen Kontakte die Zeitspanne, in der es zu einer Verdopplung kommt, verlängern. Nur auf diese Weise, so die Prämisse, kann sichergestellt werden, dass die vorhandenen Kapazitäten des Gesundheitssystems ausreichen – #FlattenTheCurve. 

Solche Ansteckungseffekte gibt es auch in der Wirtschaft. Auf der makroökonomischen Ebene werden diese als Multiplikatoreffekt bezeichnet. Die Wirkung ist dabei sehr vergleichbar: Ein anfangs eher kleiner Impuls zieht deutlich größere Auswirkungen nach sich – dies gilt sowohl für positive Impulse (z.B. höhere Investitionstätigkeit der Unternehmen) als auch negative (z.B. Nachfrageinbruch bei den Konsumenten). In der derzeitigen Corona-Krise laufen nun leider der negative virale Ansteckungseffekt und ein negativer ökonomischer Multiplikatoreffekt zeitgleich ab, was verheerende Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Wirtschaft haben wird. Oder anders gesagt, am Ende gewinnt niemand und auch vermeintliche Profiteure verlieren. 

Um die Pandemie zu verlangsamen, wurde eine Ausgangsbeschränkung erlassen und viele Geschäftstätigkeiten verboten. Dies ist der erste Impuls, der sich ökonomisch multiplizieren und damit zu deutlichen Einbußen führen wird: Beginnen wir damit, dass viele Gastronomiebetriebe nun kaum oder keinen Umsatz mehr erzielen, wodurch deren Eigentümer und dort Beschäftigte entweder ein reduziertes oder im schlimmsten Fall sogar gar kein Einkommen mehr haben. Dies beeinflusst ihr Konsumverhalten bzw. ihre Nachfrage, da sie ihre Ausgaben auf das Nötigste beschränken müssen. Von diesem Konsumrückgang werden weitere Sektoren betroffen sein − insbesondere solche, die Güter anbieten, die nicht unbedingt notwendig sind und auf die man daher verzichten kann, wie etwa Produkte der Unterhaltungsindustrie. Das heißt, auch dort kommt es zu einem Umsatz- und somit Einkommensrückgang, der die Nachfrage der dort Beschäftigten reduziert. Dieser weitere Nachfragerückgang trifft nun beispielsweise die Modebranche, wodurch auch von dort ein Nachfragerückgang zu beobachten sein wird. Dieser Effekt setzt sich schließlich durch die Wirtschaft und quer durch alle Branchen fort. Am Ende werden die Konsumenten auf gesamtwirtschaftlicher Ebene schließlich auch ihren Konsum von Lebensmitteln wie Mehl, Nudeln und Reis und am Ende sogar von, in diesen Zeiten unglaublich wertvollem, Toilettenpapier einschränken. 

Wie stark der wirtschaftliche Rückgang ausfallen wird, hängt davon ab, wie stark die Einschränkungen sind und wie lange diese andauern. Dies erklärt, warum eine längerfristige Ausgangssperre umso größere Auswirkungen auf die Volkswirtschaft hat, da sich immer mehr und mehr Impulse über die Zeit ansammeln und damit auch mehr Zeit haben, sich zu verstärken. Ähnlich wie die Ausbreitung des Coronavirus. Nur dass momentan ein Zielkonflikt, ein sogenannter Trade-off, zwischen beiden besteht: Je länger die Ausgangssperre, desto mehr kann zwar das Virus eingedämmt werden, aber auch desto größer sind die negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft. 

Was bedeutet dies nun konkret? Es sollte alles unternommen werden, um den Lockdown so kurz wie möglich zu halten. Ein einmaliger starker Rückgang ist weniger dramatisch, da es ein wenig Zeit braucht, bis er durch die Wirtschaft gedrungen ist, und daher Sofortmaßnahmen wie höhere Staatsausgaben diesen im Keim ersticken können. Zudem kann die Wirtschaft den Einbruch durch andere positive Impulse relativ schnell überwinden. Demgegenüber werden langwierige kleinere Rückgänge, die aber immer wieder neue negative Impulse für die Wirtschaft erzeugen, deutlich größere, nachhaltigere und schlimmere Effekte für die Wirtschaft und damit am Ende auch die Gesellschaft nach sich ziehen. 

In diesem Sinne #StayHome to #BeatTheVirus and #SaveTheEconomy! 

Prof Dr. Florian Bartholomae
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Prof. Dr. habil. Florian Bartholomae ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Munich Business School. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Ökonomie der Informationsgesellschaft und der Regionalökonomie. An der MBS unterrichtet er die volkswirtschaftlichen und mathematischen Grundlagenveranstaltungen im Bachelor sowie fortgeschrittene volkswirtschaftliche Fächer im Master. Zudem ist er Privatdozent am Institut für Ökonomie und Recht der globalen Wirtschaft an der Universität der Bundeswehr München sowie Partner der Politikberatung Bartholomae & Schoenberg Partnerschaft. Darüber hinaus ist Florian Bartholomae externer Lehrender an der IMC Fachhochschule Krems und forscht gemeinsam mit Alina Schoenberg, Studiengangsleiterin des Master-Studiengangs “International Business & Economic Diplomacy” an der IMC Fachhochschule Krems, an aktuellen ökonomischen und wirtschaftspolitischen Fragestellungen.