MBS Research Fellows im Portrait: Dr. Jose M. Alcaraz

MBS Jose Alcaraz

Mit dem Ziel, die Munich Business School und forschungsstarke Persönlichkeiten, deren Forschungsinteressen in Einklang mit den Forschungsfeldern der MBS stehen, intensiver zu vernetzen, wurde 2020 die MBS Research Fellowship neu geschaffen. Derzeit gibt es vier MBS Research Fellows, die der Hochschule bereits auf vielfältige Art verbunden sind. In unserer Interviewreihe stellen wir die Forscher vor. Heute ist Dr. Jose M. Alcaraz, Fakultätsmitglied der ESDES Lyon Business School in Frankreich, an der Reihe.


MBS Insights: Lieber Herr Alcaraz, Seit Januar 2017 sind Sie mit der MBS über verschiedene Rollen und Funktionen eng verbunden. Sie waren bereits Mitglied der MBS-Kernfakultät und leiteten das MBA-Programm von 2017 bis 2018. Was hat Sie nun dazu bewogen, MBS Research Fellow zu werden?

Jose M. Alcaraz: Als Research Fellow habe ich die Möglichkeit, weiterhin Teil der wissenschaftlichen Gemeinschaft der MBS zu sein, die auf wunderbare Weise mit der bayerischen Region und ihrer robusten Unternehmenslandschaft vernetzt ist. Mit anderen Worten, es ist eine großartige Möglichkeit, nicht nur mit anderen Forscher*innen, sondern auch mit den regionalen Großunternehmen und dem deutschen Mittelstand in Kontakt zu kommen. Auf persönlicher Ebene hatte ich das Glück, meine Karriere auf mehreren Kontinenten zu entwickeln, sodass ich verschiedene (radikal unterschiedliche!) Länder- und Organisationskulturen kennengelernt habe. Nirgendwo habe ich ein so hohes Maß an Integrität, Güte und Freundlichkeit erlebt wie an der MBS. Man kann also nur positiv und emotional mit MBS verbunden sein, wenn man für sie gearbeitet hat.

MBS Insights: Sie haben an Universitäten auf der ganzen Welt gelehrt und geforscht – an der IESE Business School in Ihrer Heimatstadt Barcelona, am Raffles Design Institute in Shanghai, an verschiedenen Universitäten in Dubai, an der Barna Management School in Santo Domingo und an der Murdoch University in Perth, Australien. Wie haben das Reisen und diese kosmopolitische, internationale Lebensweise Sie geprägt und beeinflusst, auch in Bezug auf Ihre Forschung?

Jose M. Alcaraz: In der Tat dreht sich ein großer Teil meiner Forschung um den faszinierenden und immer wichtiger werdenden Begriff des „Kosmopolitismus“ oder des „Weltbürgertums“. In meiner Forschung werden Fragen gestellt wie: Welche Bedeutung hat der Kosmopolitismus für Management und Ethik in einer vernetzten Welt? Wie kann uns der Kosmopolitismus bei der Bewältigung der interdependenten, komplexen Nachhaltigkeitsherausforderungen helfen, mit denen Unternehmen konfrontiert sind? Gleichwohl habe ich an der MBS viele gleichgesinnte Kolleg*innen getroffen. Ich bin der festen Überzeugung, dass die MBS-Werte innovativ, verantwortungsbewusst und weltoffen nicht nur leere Worte sind. Vielmehr nähren sie vieles von dem, was die MBS tut oder versucht zu tun – und sind in vielerlei Hinsicht in jeder Ecke des Unternehmens präsent. Diese Beständigkeit hat auch geprägt, wie ich mich heute als Forscher sehe und worauf ich Wert lege. Und ganz nebenbei hat sie mein bereits bestehendes Interesse an Initiativen wie den UN PRME (Principles for Responsible Management Education) noch verstärkt – ein globales Projekt, das mir sehr am Herzen liegt und dem ich seit fast zehn Jahren sehr verbunden bin.

MBS Insights: Ein Blick auf Ihre umfangreiche Publikationsliste macht deutlich: Wir haben es hier nicht mit einem spezifischen Fachwissenschaftler zu tun, sondern eher mit einer Art Universalgelehrten. Sie forschen zu Management, Telearbeit, Innovation im Bildungsbereich, aber auch zu Nachhaltigkeit und Umwelt oder Storytelling und Science Fiction. Nehmen Sie uns ein wenig mit: Wie funktioniert für Sie die Forschung und wie schaffen Sie es, die verschiedenen Themen miteinander zu verknüpfen? Wofür interessieren Sie sich derzeit besonders?

Jose M. Alcaraz: Hinter den von Ihnen genannten Themen verbirgt sich ein Interesse am globalen Bild, von dessen Erforschung sowohl verantwortungsbewusste Führungskräfte als auch Organisationen profitieren können. Das globale Bild einer vielfältigen und voneinander abhängigen Welt (Kosmopolitismus); entscheidende sozial-ökologische Zusammenhänge und die Grenzen der Erde (planetarische Grenzen), die Unternehmen im Hinblick auf die Nachhaltigkeit verstehen müssen; die unaufhaltsame Macht der virtuellen Arbeit und der Technologie (Gender und Telearbeit); oder die Macht der Science Fiction, um komplexe Zukünfte fantasievoll zu betrachten, usw. Darüber hinaus bin ich als Dozent fasziniert davon, wie Lehr- und Lernstrategien Deep Learning, d. h. die Entwicklung von Wissen, Fähigkeiten und Emotionen, begünstigen können. Lehren ist ein wunderschönes, immer perfektionierbares Handwerk. Nach zwanzig Jahren Lehrtätigkeit hat man immer noch das Gefühl, dass es so viel zu lernen gibt! So dreht sich zum Beispiel das Paper, das ich vor Kurzem eingereicht habe, genau um das Lehren und Lernen zu einem bestimmten Thema der (globalen) Nachhaltigkeit.

MBS Insights: Und ein Blick zurück: Wenn Sie eines Ihrer vergangenen Forschungsprojekte auswählen müssten, das Sie oder unsere Umwelt am meisten geprägt hat, welches wäre es?

Jose M. Alcaraz: Uff! Diese Frage kann ich nicht wirklich beantworten. Die Wissenschaftler*innen, denen man begegnet, die Konzepte, die einen in verschiedenen Momenten des Lebens begeistern, usw., sie alle prägen die verschiedenen Etappen der Reise als Akademiker, sie alle sind Teil dieses unglaublichen Abenteuers Leben und des Privilegs, Dozent und Wissenschaftler zu sein – für mich immer noch der schönste Beruf der Welt, auch wenn die Wissenschaft zunehmend von Bürokratisierung erfasst wird.

Lassen Sie mich (vielleicht spielerisch) ein Zitat von TS Eliot teilen:
“Time present and time past
Are both perhaps present in time future,
And time future contained in time past.
If all time is eternally present
All time is unredeemable.”