Start-up & Luxury Special: Dr. Julia Riedmeier – „Beyond the usual luxury“

Dr. Julia Riedmeier ist Alumna des Masterprogramms International Business (2015), Founder & Director von Code \ Luxe und Expertin für Luxusstrategie. Mit ihrem Strategiestudio verbindet sie ihre Leidenschaft für Luxus mit internationaler Praxis- und Forschungserfahrung. Im Interview spricht sie über die Entstehung von Code \ Luxe, die besonderen Herausforderungen der Luxusbranche, die Verbindung von Unternehmertum und Lehre und darüber, warum eine klare Vision, Neugier und die Bereitschaft, immer wieder neue Perspektiven einzunehmen, für ihren Weg entscheidend sind.


Name: Dr. Julia Riedmeier
Studium an der MBS: Master International Business, Abschluss 2015
Aktuelle Position im Familienunternehmen: Founder & Director von Code \ Luxe und Expertin für Luxusstrategie

Wie ist die Idee für Dein Strategiestudio entstanden – und wie hat sich Deine Leidenschaft für den Luxusbereich darin widergespiegelt?

Während des Masterkurses „Successfactor Happiness“ bei Professor Schmidkonz haben wir mit dem MPS-Modell (Meaning, Pleasure, Strength) gearbeitet. Dieses Modell hat mir geholfen, meine Richtung und mein persönliches Zielbild herauszuarbeiten. Seitdem ist es für mich ein Kompass.

Die Gründung von Code \ Luxe im Januar 2021 war daher eine logische und natürliche Entwicklung. Ich wusste, was mir nicht nur Freude bereitet, sondern auch, wie ich meine Stärken einsetzen kann, um andere zu unterstützen und in ihrem Wirken zu begleiten.

Was hat Dich motiviert, Deine Expertise im Luxussegment unternehmerisch einzusetzen und etwas Eigenes zu gründen?

Luxusmarken haben mich schon früh fasziniert. Ich wollte die Mechanismen hinter den Marken und ihre Codes verstehen. Und vor allem, was genau die Faszination bei Kund*innen auslöst.

Während meines Bachelorstudiums in Berlin habe ich bei Hermès gearbeitet. Mein erstes selbstständiges Projekt hatte ich dann 2013 für das Unternehmen, was eine große Ehre war. Auch alle darauffolgenden Projekte und Menschen haben meinen Weg geprägt und mir gezeigt, dass ich meine Expertise und Leidenschaft für Luxus auch unternehmerisch verbinden möchte.

Welche Art von Luxusunternehmen berätst Du heute?

Ich arbeite mit internationalen DAX-Unternehmen ebenso wie mit passionierten Gründer*innen zusammen. Genau diese Vielfalt finde ich spannend, denn dadurch entstehen immer wieder unterschiedliche Perspektiven und Fragestellungen.

In welchen Themenfeldern unterstützt Du Deine Kund*innen konkret?

Die Themen sind so vielfältig wie der Luxus selbst. Deshalb gleicht auch kein Projekt dem anderen. Jedes ist gewissermaßen wie ein Maßanzug.

Das Spektrum reicht von Trendforschung über Weiterbildungsmaßnahmen bis hin zu ganzheitlichen Marken- oder Kundenstrategien. Entscheidend ist dabei immer, den Code des jeweiligen Unternehmens und das Mindset der Kund*innen zu verstehen.

Was unterscheidet Code \ Luxe von anderen Beratungsanbietern im Luxussegment?

Code \ Luxe wurde ursprünglich als strategische Beratungsboutique gegründet und hat sich seitdem zu einem Strategiestudio mit eigener Akademie, Magazin und Produkten weiterentwickelt. Es ist ein einzigartiges Ökosystem, das kontinuierlich in Bewegung ist.

Dafür braucht es internationale praktische und akademische Expertise, Unternehmergeist und vor allem Passion, um ein solches Herzensprojekt langfristig zu verfolgen.

Die Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Forschung, Strategie und Operative sowie Zahlen und Intuition ist mein Code. Und der lässt sich nicht so einfach kopieren. „Beyond the usual luxury“ und „Strategy and education through reflection“ sind dabei meine Leitprinzipien.

Welche besonderen Herausforderungen bringt das Gründen und Führen einer Beratung im Luxusbereich mit sich?

Luxus ist in Transformation und gleichzeitig stark erfahrungsbasiert. Das erfordert Innovation und Investition. Sich mit Luxus zu beschäftigen, ist daher oft auch ein Luxus, hinter dem man stehen muss.

Deshalb spreche ich häufig von den 4 Cs: Commitment, Continuity, Curiosity und Compromise. Diese vier Aspekte begleiten mich sowohl in meiner Arbeit als auch bei der Weiterentwicklung von Code \ Luxe.

Gab es einen Moment oder ein Projekt, das für die Entwicklung Deines Studios besonders prägend war?

Mich ehrt es einerseits sehr, wenn führende globale Luxusmarken mit mir zusammenarbeiten möchten und meine Arbeit schätzen. Andererseits ist es eine besondere Anerkennung, wenn internationale Medien mich für Expertenkommentare anfragen. Beides zeigt mir, dass die Verbindung aus praktischer Erfahrung, akademischer Expertise und meiner eigenen Perspektive im Markt als sinnstiftend wahrgenommen wird.

Wie gehst Du mit Unsicherheiten, hohen Erwartungen und dem Qualitätsanspruch im Luxusumfeld um?

Das ist für mich weniger eine einzelne Strategie als vielmehr eine Haltung und eine Konstante. Die Verpflichtung zur Exzellenz gehört im Luxus einfach dazu.

Wo siehst Du aktuell die größten Chancen und Risiken für Luxusunternehmen – insbesondere aus Beratungsperspektive?

Luxus ist im Wandel und die Kund*innen sind es ebenfalls. Sich als Marke nicht selbst infrage zu stellen, nur weil es gerade gut läuft, ist eine Haltung, die man sich in der aktuellen Zeit nicht erlauben kann. Dabei sollten Inspiration und externer Input niemals zum Luxus werden. Im Gegenteil: Sie sind eine Voraussetzung dafür, relevant zu bleiben.

Welchen Rat gibst Du MBS-Studierenden, die überlegen, sich mit einer eigenen Beratung oder im Luxussegment selbstständig zu machen?

Eine Frage, die ich häufig gestellt bekomme, ist, ob man in der Luxusindustrie auch „luxuriös“ verdient. Die Luxusindustrie ist wie jede andere Industrie, aber sie lebt besonders von der Passion und den Menschen dahinter. Und auch die Selbstständigkeit ist nicht für jeden das Richtige.

Meine Empfehlung ist deshalb, so viel Erfahrung in unterschiedlichen Bereichen wie möglich zu sammeln, stets die Extra-Meile zu gehen und mit einer sinnstiftenden, neuen Lösung echten Mehrwert zu bieten.

Ein solides Wissen über Unternehmertum und Luxus ist dabei unerlässlich.


Lehre & Unternehmertum – zwei Welten, ein Profil

Wie kam es dazu, dass Du neben Deiner Gründung auch unterrichtest?

Ich unterrichte seit 2016, und das war für mich immer ein natürlicher (Projekt-)Teil meiner Selbstständigkeit und einer fließenden Entwicklung.

Zunächst betreute ich einmal im Jahr das Modul „Distribution and Communication of Luxury“ in der Nähe von Frankfurt. 2019 übernahm ich zusätzlich die Modulleitung für den Luxusschwerpunkt im Master an der MBS. 2020 begann ich dann in Monaco zu unterrichten, wo ich zu der Zeit noch promovierte.

Inwiefern profitieren Deine Studierenden von Deinen praktischen Erfahrungen als Gründerin?

Jede Vorlesungseinheit wird von mir kontinuierlich adaptiert, basierend auf neuen Marktentwicklungen, Beobachtungen, Publikationen, sowie meinen Geschäftsreisen, Konferenzbesuchen und eigenen Forschungen.

Dadurch bekommen die Studierenden neben dem akademischen und fundamentalen Wissen auch einen praxisrelevanten und aktuellen Einblick in die Entwicklungen der Branche.

Umgekehrt: Gibt es Impulse aus der Lehre, die Dich auch unternehmerisch weiterbringen?

Der Austausch mit internationalen und jüngeren Studierenden ist besonders wertvoll. Die Diskussion über aktuelle Entwicklungen aus unterschiedlichen kulturellen Perspektiven eröffnet immer wieder neue Sichtweisen.

Wie gelingt Dir der Spagat zwischen Unternehmertum und Lehre im Alltag?

Für mich ist es eigentlich kein Spagat. Beides geht fließend ineinander über und ist miteinander verwoben. Um sowohl den Studierenden als auch meinen Kund*innen gerecht zu werden, blocke ich mir gezielt Zeiten. So hat jedes „Projekt“ meine volle Aufmerksamkeit und gleichzeitig ist klar geregelt, wann ich mich welchem Thema widme. Organisation ist alles.

Hast Du noch Kontakt zu anderen Alumni?

Ja. Einerseits bin ich mit einigen wunderbaren Menschen aus meinem Masterjahrgang noch immer gut befreundet. Andererseits bin ich vereinzelt mit ehemaligen Studierenden in Kontakt, die ihren Weg in die Luxusbranche gegangen sind.

Und natürlich bleibt man auch über LinkedIn mit vielen Menschen verbunden.

Welche Tipps hast Du für erfolgreiches Networking während und nach dem Studium?

Networking ist essenziell. Das sage ich auch meinen Studierenden.

Mein Rat ist deshalb, die vielen Möglichkeiten zu nutzen, die sich während des Studiums bieten, und Kompetenz und Etikette über die Zeit ganz natürlich zu entwickeln. Netzwerke entstehen nicht nur durch einzelne Kontakte, sondern durch langfristige Beziehungen und einen authentischen Umgang miteinander.

Welchen Tipp würdest Du Deinem damaligen studentischen Ich geben?

Besonders der Master geht unglaublich schnell vorbei und bietet viele tolle Chancen, die für die Zukunft wegweisend sein und einen persönlich prägen können.

In meinem Fall würde ich es genauso wieder machen. Am besten ist es, wenn man für sich eine klare Vision hat und sich Gedanken darüber macht, wie die eigenen Entscheidungen in die Zukunft wirken.

Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis aus meinem eigenen Weg: Eine klare Vision gibt Orientierung, aber es sind die Neugier, die Erfahrungen und die Menschen auf dem Weg dorthin, die daraus etwas Eigenes entstehen lassen. Insofern auch ein großes Dankeschön an alle Wegbegleiter!

Das Interview führte Dr. Lea Krähahn, Head of Alumni Relations an der Munich Business School.