Die 10 Todsünden wissenschaftlicher Arbeiten

© Museo Nacional del Prado

Eitelkeit, Geiz, Genusssucht, Rachsucht, Maßlosigkeit, Missgunst, Faulheit – diese sieben Hauptsünden oder auch „Todsünden“ erfreuen sich im westlichen Kulturkreis weiter Bekanntheit. Einige davon begegnen uns nicht nur im Privaten, sondern auch in beruflichen Kontexten. Diese Hauptlaster sind verantwortlich für viele weitere „Sünden“ die man in Ausbildung und Beruf begehen kann.

Wissenschaftliches Arbeiten ist davon nicht ausgenommen. Es birgt viele Möglichkeiten zu „sündigen“. Die zehn häufigsten „Todsünden“ wissenschaftlicher Arbeiten habe ich nachfolgend zusammengefasst und erklärt. Denn schon das begehen einer der Sünden kann sich negativ auf die Benotung von Seminar,- Abschlussarbeit, BA/MA-Thesis oder Präsentationen auswirken. Damit Arbeiten erfolgreich werden, gilt für Studierende das Motto: „Schreibe, aber sündige nicht!“.

  1. Das Plagiat:
    Ein Plagiat ist der Diebstahl fremden geistigen Eigentums. Als Plagiate gelten nicht referenzierte Textpassagen genauso wie die Verwendung von Bildern ohne Quellenverweise oder eine Kombination von beidem. Der Einsatz von Texten und Bildern ohne das Einverständnis des Urhebers in Publikationen führt zum Teil zu hohen Geldstrafen. Werden Plagiate in wissenschaftlichen Arbeiten entdeckt, so muss die Arbeit neu angefertigt werden. Kommt der Betrug erst später ans Licht, so folgt – wie bei zu Guttenberg & Co. – nicht selten der Entzug des akademischen Grades.
  2. Zu kleiner Eigentextanteil:
    Das Zitieren ist ein Muss in jeder wissenschaftlichen Arbeit. Doch wie bei allem im Leben, kommt es auch hier auf das richtige Maß an. Wird aus vier Büchern ein fünftes erstellt, kann dies nicht als Eigenleistung gewertet werden, sondern eher als ein Aneinanderketten und Zusammenfassen einzelner Aspekte. Diese „Fleißarbeit“ führt zwar nicht zum „Durchfallen“, aber wird in der Regel mit der schlechtesten Note – einer 4,0 – bewertet.
  3. Zu viele Rechtschreibfehler und schlechter Ausdruck:
    Fehler passieren. Auch nach einer sehr gewissenhaften Korrektur, kann die Arbeit noch vereinzelte Fehler enthalten. Nehmen die Rechtschreibfehler allerdings überhand und kann von Interpunktion keine Rede sein, dann kann die Arbeit nicht besser als mit der Note 3,0 bewertet werden, egal wie gut sie inhaltlich ist. Denn durch die vielen Rechtschreib- und Grammatikfehler sowie schlechten Ausdruck lässt sich der Inhalt der Arbeit nicht mehr oder nur schwer erschließen.
  4. Schlecht lesbare Abbildungen:
    Qualitativ hochwertige Abbildungen sind da A und O jeder guten Präsentation. Aber auch in Seminar- oder Abschlussarbeiten sind sie nicht zu vernachlässigen. Zu den gängigsten Fehlern zählen: falsches Einfügen von Bildern (Copy & Paste), Verzerrungen, zu geringe Auflösung und wenig kontrastreiche Darstellungen mit kleiner Schrift, sowie die Verwendung von Pastellfarben, die sich nur wenig unterscheiden. Diese machen den Transport der Bildinformation unmöglich und das Bild dadurch unbrauchbar.
  5. Inhaltsabweichung von Titel, These und Gesamtarbeit:
    Erfahrungsgemäß arbeitet man sich zu Beginn einer wissenschaftlichen Arbeit begeistert in das Spezialgebiet ein. Die Fülle an neuen Informationen führt dazu, dass man nur allzu gern alles Gelesene in die Arbeit einbringen möchte. Der Blick auf das Wesentliche geht verloren und die Arbeit hat nicht mehr viel mit dem Ausgangthema zu tun. Die Metapher des Werkzeugkastens hilft: Soll etwas handwerklich umsetzt werden, muss man die passenden Werkzeuge wählen. Zum Beispiel hilft eine Kreissäge nicht viel, wenn man eine Schraube in die Wand dübeln will! Nur die Werkzeuge, die man wirklich braucht, werden in den Werkzeugkasten gelegt (Literatur-Teil) und später (in der Diskussion) benutzt. Jedes Werkzeug, das nicht zum Erfolg beitragen kann, ist nutzlos und deshalb ein Zeit- und Papierverschwender. Es ist sinnvoll immer den Gegen-Check zu machen: Habe ich alle Quellen des Eingangs- und Literaturteil zur Diskussion wirklich gebraucht?
  6. Unklarer Umfang:
    Ein häufiger Fehler bei wissenschaftlichen Arbeiten ist die fehlende konkrete Eingrenzung des eigenen Forschungsthemas und dessen Einordnung in den aktuellen Forschungsstand.
    Die Darstellung des aktuellen Forschungsstands wird oft ausgelassen und lediglich das eigene Thema beschrieben (in the focus/ out of the focus). Fehlt diese Übersicht über den Gesamtzusammenhang, geht man davon aus, dass der Autor sich nicht umfassend eingearbeitet hat. Auch der gegenteilige Fall ist schlecht: Wird das eigene Thema nicht ausreichend abgegrenzt bzw. eingegrenzt, wird eine Erwartungshaltung geweckt, die im Umfang der Arbeit nicht bedient werden kann.
  7. Theorielastigkeit:
    Businessbezogene Arbeiten bestehen aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Die Herausforderung beim Schreiben liegt darin, eine Ausgewogenheit zwischen beiden Teilen herzustellen. Die intensive Beschäftigung mit den grundlegenden Theorien verleitet häufig dazu, die Länge des Theorieteils zu übertreiben und den praktischen Teil abzukürzen. Idealerweise liegt der praktische Anteil einer businessbezogenen Arbeit bei ca. 2/3 entsprechend einem Umfang von 50-75%. Dieser sollte nicht unterschritten werden. Alle methodisch erarbeiteten Ergebnisse werden in einer Diskussion abgewogen und beurteilt. Anschließend wird vom Autor eine Handlungsempfehlung abgegeben, die konkrete Anweisungen enthält, was zu tun ist. Fehlt die Handlungsempfehlung oder ist sie unzureichend dargestellt, ist die Arbeit nutzlos.
  8. Unzureichende methodische Erfassung des Themas:
    Dem praktischen Teil der wissenschaftlichen Arbeit muss eine Forschungsmethode zugrunde liegen. Ein verbreiteter Fehler ist die Wahl einer Methode, die dem Thema nicht gerecht wird. Ist die Methode korrekt und werden Daten erhoben, so sollte die Stichprobe repräsentativ bzw. statistisch abgesicherte sein. Oft werden Ableitungen aus Daten getroffen, die aus einer zu kleinen Stichprobe erhoben wurden. Dieser häufige Fehler führt zu falschen Ergebnissen. Leitet man beispielsweise eine Strategie für eine Firma basierend auf 3-5 Experteninterviews ab, so wäre deren Anwendung eine riskante Angelegenheit.
  9. Unklarer Bezug von verwendeten Daten:
    Bei der Verwendung von Daten in wissenschaftlichen Arbeiten, muss kenntlich gemacht werden, woher diese Daten stammen. Wurden die Daten selbst erhoben, müssen sie der Arbeit beigefügt sein. Bezieht man sich beispielsweise auf eine Statistik, so ist deren Quelle zu nennen, damit Bezüge und Referenzen nachvollzogen werden können. Fehlen eindeutige Nachweise über die Originaldaten, so ist die darauf aufbauende Argumentation unglaubwürdig.
  10. Unzureichende und schlechte Literatur:
    Bei der Auswahl geeigneter Literatur gibt es einige Regeln zu beachten: Google und Wikipedia-Artikel sind keine wissenschaftlichen Quellen. Publikationen von Beratungsfirmen sind ebenfalls mit Vorsicht zu verwenden. Auch aus Lehrbüchern sollte nicht zitiert werden, da es sich meist um Sekundärliteratur handelt. Allerdings bieten sie eine gute Möglichkeit um relevante Primärliteratur zu identifizieren. Peer-Reviewed Journals und kürzlich veröffentlichte wissenschaftliche Artikel zum Thema eignen sich hervorragend als Quelle. Beim Zitieren selbst gilt: Standardliteratur ist immer aus dem originären Publikationsjahr zu zitieren.
    Zu einer erfolgreichen Arbeit zählt auch die Anzahl der Quellen. Werden zu wenig Quellen berücksichtigt, wirkt sich dies negativ auf die Qualität der wissenschaftlichen Arbeit und letztendlich auch auf die Benotung aus. Zur Orientierung gilt: Seminararbeiten sollten mindestens 30 aussagekräftige Literaturstellen einbeziehen, bei Bachelor-Arbeiten sind es mindestens 60 und bei Master-arbeiten mindestens 100.

Werden einer oder mehrere dieser Fehler begangen, so wird sich dies zwangsläufig negativ auf die Bewertung der wissenschaftlichen Arbeit auswirken. Absolution gibt es in diesem Fall leider nicht. Wer diese potenziellen Todsünden im Hinterkopf behält, hat es fast geschafft, eine saubere Arbeit zu schreiben.

Viel Spaß und Erfolg beim anfertigen Ihrer nächsten wissenschaftlichen Arbeit!

Prof. Dr. Arnd Albrecht
Über Prof. Dr. Arnd Albrecht 29 Artikel
Prof. Dr. Arnd Albrecht ist seit 2010 Professor für Human Resource Management und International Management an der Munich Business School. Zudem ist er Programmdirektor des Studiengangs Bachelor International Business. Prof. Dr. Albrecht forscht und berät an der MBS und durch sein Consulting-Unternehmen Industrieprojekte hinsichtlich HRM, Leadership und Change Management. Nach seiner Promotion war er erfolgreich als internationaler Seniormanager in der Pharmaindustrie und als strategischer Berater für den Mittelstand und für Konzerne tätig. Prof. Dr. Albrecht ist zertifizierter Business Coach und hält einen MBA des Henley Management College.